Kleinkind, Nützliches
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10 Tipps für die Eingewöhnung – wie man entspannter an die neue Situation herangehen kann

Seit mittlerweile sieben Wochen ist E. nun in der Kita und wir sind vollständig mit der Eingewöhnung durch. Für uns alle hat dieses neue Kapitel einen ganz großen Schritt bedeutet – bis jetzt war E. zuhause bzw. mit uns unterwegs, ab jetzt verbringt sie den halben Tag mit anderen Menschen. Auch ist es so, dass dieser Zustand ab jetzt so bleiben wird, nach der Kita kommt die Schule und nach der Schule wird sie wahrscheinlich ausziehen. Vom Tagesablauf haben wir die intensivste Gemeinsamkeit nun also hinter uns gelassen. Deshalb ist es sehr wichtig, dass wir uns mit der jetzigen Situation wohlfühlen und zufrieden damit sind, dass wir sie “abgeben”. Ich halte sehr viel vom Bauchgefühl und das muss bei der Betreuung stimmen.

Nach unseren ersten Kita-Wochen mit all ihren Höhen und Tiefen habe ich hier 10 Tipps für die Eingewöhnung für euch:

1. Wartet, wenn möglich, auf den richtigen Zeitpunkt

Nicht immer kann man es sich aussuchen, wann das Kind in die Kita kommt. Man hat berufliche Verpflichtungen oder andere Gründe, weshalb das Kind eventuell früher als gewünscht in die Kita oder zu einer Tagespflegeperson kommt. Doch es ist wichtig, sich für eine für alle erfolgreiche Eingewöhnung Folgendes zu fragen: Bin ich überhaupt bereit, mein Kind in die Betreuung abzugeben? Kann ich anderen vertrauen? Und ist mein Kind bereit? Hat es Interesse am Spiel mit anderen Kindern, kann es sich an andere Personen gewöhnen und dort spielen? Wenn ihr einen guten Kommunikationsweg miteinander gefunden habt, ob Zeichensprache oder verbale Gespräche, dann lohnt es sich, vorher einmal genau hinzuhören. Wenn das Kind noch nicht so weit ist, lohnt es sich dann eventuell, andere Möglichkeiten im Job usw. zu suchen – auch wenn das mit Anstrengung und Verzicht verbunden ist.

 

2. Sucht eine Einrichtung, die zu euch passt

Wir wissen mittlerweile sehr genau, wie schwer es ist, tatsächlich einen Platz in der Einrichtung zu bekommen, die einem persönlich zusagt. Wir haben aber auch gemerkt, dass das nicht unmöglich ist. Fragt euch schon vor den Besichtigungsterminen: Was ist uns wichtig? Was wünschen wir uns für unser Kind und wo können wir Abstriche machen? Damit kann man dann gezielter an die Termine herangehen und die Kita-Leitungen bestimmte Sachen fragen. Man muss nicht davon ausgehen, dass alle Eltern da eine gleiche Vorstellung haben und es einen wahnsinnigen Ansturm auf eine bestimmte Kita gibt, unsere Spielplatzgespräche zeigen zumindest etwas anderes.

3. Fragt, ob ihr mit dem Kind schon im Vorfeld die neue Umgebung anschauen könnt

Wenn ihr die Zusage für den Betreuungsplatz habt, fragt doch mal nach, ob man sich die Einrichtung mit dem Kind schon vorher ansehen kann. Wenn das Kind bereits bei sieben Besichtigungen war, wird es sich sehr wahrscheinlich nicht mehr an genau die Einrichtung erinnern. Manche Kitas bieten zum Beispiel vor Eingewöhnungsstart regelmäßige Spieltreffen für die “neuen” Kinder an, wo diese schonmal 1-2 Stunden in den Räumen spielen können. Andere haben vielleicht noch einen Tag der offenen Tür oder ein Fest, bei dem man mit dem Kind schon einmal in gelöster Atmosphäre vorbeischauen kann. Das alles kann dem Kind bei der Eingewöhnung helfen, denn dann hat es eine bildliche Vorstellung davon, wo es hingeht und ist am ersten Tag nicht mit allen neuen Kindern, den Erzieher*innen und der Umgebung konfrontiert.

4. Sprecht mit eurem Kind darüber und bereitet es auf die kommende Zeit vor

Wir haben im Vorfeld der Eingewöhnung viel mit E. darüber gesprochen, was bald kommen wird. Wir haben über Freund*innen von ihr gesprochen, die bereits in der Betreuung sind und uns gemeinsam Bücher über Kinder im Kindergarten in der Stadtbibliothek ausgeliehen. Dann haben wir uns darin angeschaut, was die Kinder dort alle so machen und immer gemeinsam überlegt, ob wir da vielleicht auch Lust drauf haben könnten. Dazu haben wir versucht, mehr Lieder anzuhören und zu singen, die in der Kita gesungen werden, damit sie sie dann wiedererkennen kann. Auch wenn wir uns natürlich sehr auf die “freien” Stunden – also die Stunden für Nebenjobs und Studium – gefreut haben, haben wir versucht, nicht in völlige Euphorie zu verfallen. Das Kind soll nicht unter Druck sein, es muss sich noch nicht auf die Kita freuen. Wir Erwachsenen wissen, was Kita bedeutet, weil wir wahrscheinlich alle im Kindergarten waren oder schon viel von Kindergärten gehört haben. Diese Erfahrungen hat das Kind noch nicht. Versucht euch in positiver Kommunikation, dass das schön wird und dass man dort viele Dinge spielen kann, die es zuhause nicht gibt – sagt aber auch, dass das für euch auch aufregend ist und ihr euch ganz langsam und gemeinsam an die neue Situation gewöhnt.

5. Nehmt euch genügend Zeit für die Eingewöhnung und fordert diese gegebenenfalls von der Kita ein

Je nach Region und je nach Einrichtung gibt es verschiedene Konzepte für die Eingewöhnung. Es lohnt sich, schon vor Beginn dort hineinzuschauen, damit man weiß, was auf einen zukommt. Hier in Potsdam wird meist nach dem Berliner Modell eingewöhnt, was eine langsame Steigerung der Trennungsphasen und einen am Kind orientierten Zeitplan bedeutet. Das finde ich sehr schön, weil man so nicht einfach in die Situation “hineingeschmissen” wird – weder die Eltern noch das Kind. Wir haben die drei Wochen auf jeden Fall gebraucht und es war gut, dass ich mir die drei Wochen dafür freihalten konnte. In den Wochen war ich vormittags mit in der Kita und konnte nachmittags an den Schreibtisch. Es bedeutet also nicht, dass man drei Wochen lang gar nichts anderes machen kann. Man sollte bei der Zeit zudem auch mit kleineren und größeren Einbrüchen rechnen. Nach der ersten Euphorie und den ersten gefestigten Schritten in der neuen Umgebung kann nach einem Wochenende auch immer mal ein schwierigerer Tag kommen, das Kind stellt dann fest, dass das jetzt die neue Realität ist – das ist anstrengend und aufregend. Nehmt diese Einbrüche und eventuelle Probleme des Kindes ernst, sorgt für Ausgleich am Nachmittag und Ruhepausen. Vielleicht lohnt es sich, die Wochenenden ruhig zu gestalten. Die dritte Woche war für E. schwierig, die Tage in der Kita wurden länger und der erste Schnupfen kam. Wir haben sie dann an einem Tag, an dem sie gar nicht loswollte, zuhause gelassen. Dieses Signal, das bedeutet “Ich nehme deine Sorgen ernst und sehe, was du fühlst” war genau das richtige. Schon einen Tag später ist sie wieder fröhlich in die Kita gehüpft und wollte seitdem keinen Tag mehr zuhause bleiben.

6. Erledigt gemeinsam die Besorgungen für die Kita

Für die Betreuung muss sicherlich noch einiges angeschafft werden: Ein Rucksack, eine Brotdose, Hausschuhe, Regenzeug… Uns hat es sehr geholfen, diese Dinge gemeinsam mit dem Kind zu besorgen. Wir haben uns dann vor der Eingewöhnung einen Nachmittag Zeit genommen und uns alle sehr darauf gefreut, dass wir jetzt die neuen Sachen besorgen können. Den Rucksack hatten wir schon, aber E. durfte sich die Hausschuhe aussuchen und die Regenhose bestimmen, die mit in die Kita kommt. Das hat ihr sehr viel Spaß gemacht und zuhause konnten wir die Sachen dann zusammenlegen und darauf warten, dass endlich der Kita-Tag kommt, an dem sie sie anziehen kann.

7. Beobachtet die Erzieher*innen mit den anderen Kindern

Ihr werdet am Anfang vieeeel Zeit in der Kita verbringen. Dabei will man seinem Kind natürlich signalisieren “Ich bin hier, aber es ist vollkommen okay, wenn du mich nicht brauchst”. Ich habe meinen Blick dann immer mal von meinem Buch abgewandt und durch den Raum schweifen lassen und dabei mitbekommen, wie die Erzieher*innen mit den anderen Kindern sprechen, wie sie Situationen lösen, was die anderen Kinder spielen. Das hat sehr gut getan und mich in meinem positiven Bauchgefühl bestärkt. Wenn ich sehe, wie Kinder traurig werden, weil die Eltern weg sind, aber liebevoll mit ihnen gesprochen wird, sie getröstet werden und sie schon fünf Minuten später fröhlich mit anderen Kindern ein Spiel organisieren, dann kann ich berechtigte Hoffnung haben, dass es meinem Kind in solchen Situationen auch so ergehen wird. Durch unseren missglückten und abgebrochenen Versuch bei der Tagesmutter im März weiß ich auch, was mir nicht gefällt, wenn Erzieher*innen mit Kindern sprechen. In der Kita habe ich nicht einmal solche Wortwahl oder solche Intonation gehört und das gibt einem nochmal mehr Sicherheit, einen guten Platz für sein Kind gefunden zu haben.

8. Nehmt euch gute Lektüre mit

Für die ganze Zeit, die man in der Kita verbringt, lohnt es sich, gute Lektüre mitzunehmen. Teilweise sitzt man zwei Stunden auf einem Stuhl und man möchte ja auch nicht alle Kinder die ganze Zeit anstarren. Daher haben mir schon die Erzieher*innen geraten, etwas zu Lesen mitzunehmen und dann im Raum einfach zu lesen. Ich habe darauf geachtet, nichts für die Kinder spannendes mitzunehmen, keine illustrierte Zeitschrift o.ä., was große Aufmerksamkeit erregen könnte. Papier und Stift waren auch gut, denn so ist in der ersten Woche bereits eine riesige Möbelhaus-Wunschliste entstanden.

9. Besprecht Sorgen und beobachtete Situationen mit anderen Erwachsenen

Es kann natürlich dazu kommen, dass ihr etwas beobachtet, was ihr im ersten Moment nicht verstehen könnt oder was euch Sorgen macht – vielleicht auch Situationen, in denen ihr anders reagiert hättet. Man muss sich glaube ich davon verabschieden, dass man genau die eine Betreuungsperson findet, die alles genauso macht, wie man es sich wünscht. Aber es gibt viele Personen, die dort nahe rankommen können. Mein Tipp ist deshalb, solche Situationen erstmal mit anderen Personen zu besprechen: Partner*in, andere Eltern mit Kindern im selben Alter, die eventuell in ähnlichen Situationen sind, oder die eigenen Eltern.
E. beispielsweise spricht schon sehr viel, trotzdem kann ich nicht davon ausgehen, dass sie jedes Gespräch richtig versteht. Wenn ich nun vor ihr Situationen äußere oder sie nach bestimmten Sachen frage, kann ein “ja” auch einfach heißen: “Da erinnere ich mich dran”. Es muss nicht zwingend heißen “Ja, das fand ich tatsächlich auch doof und ich möchte da nicht mehr hin”.  Es kann so zu Missverständnissen kommen. Auch ist E. mit zwei Jahren gerade in einem Alter, wo sie alle Äußerungen aufsaugt und auch benutzt. Ich möchte aber gar nicht, dass sie sich mit jeder Sorge beschäftigen muss. Wenn ich wirklich konkrete Fragen habe, wie sie etwas fand, frage ich sie, aber ansonsten besprechen wir unsere Gedanken zu dem Thema gerne im ersten Schritt unter uns Eltern.

10. Freut euch drauf!

Eine Eingewöhnung ist immer eine Trennung – auch für uns Eltern! Das ist ein großer Schritt und man darf auch melancholisch werden. Aber wenn die Einrichtung passt und das Kind so wie E. große Freude am Spiel mit anderen Kindern hat, dann darf man sich auch sehr über die Situation freuen! Man gibt sein Kind nicht einfach nur ab, man ermöglicht ihm auch einen neuen Horizont, neue soziale Kontakte und ein Schritt mehr Selbstständigkeit. Wenn du zweifelst, such dir immer auch positive Dinge. Wenn die Einrichtung gar nicht geht und dein Bauchgefühl nicht stimmt, kann sich ein Abbruch immer lohnen, das haben wir im März ja auch erfahren. Aber frage dich doch immer erstmal: Stört mich das jetzt, weil es meinem Kind in meinen Augen nicht gut tut, oder stört mich das, weil etwas gegen meine eine Überzeugung geht? Wenn es letzteres ist, du beispielsweises mit Regeln prinzipiell nicht übereinstimmst, es deinem Kind dort aber  sehr gut gefällt, dann versuche, abzuwägen. Deine eigene Stimmung bekommt das Kind immer mit – wenn alles passt, dann freu dich drauf!

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