Alle Artikel in: Schwangerschaft

#aufdentischhauenfürhebammen – denn der Start ins Leben ist kein Kinderspiel

[Ein auf die Geburt wartender Schwangerenbauch] Unter #aufdentischhauenfürhebammen läuft gerade in den sozialen Netzwerken eine wachsende Kampagne für bessere Arbeitsbedingungen der Hebammen in Deutschland. Die Berufsversicherungen der Hebammen waren schon 2015 so hoch, dass es in Kiel selbst eigentlich keine Möglichkeit gab, außerhalb einer Klinik zu entbinden. Es gibt wohl zwei Hebammen, die Hausgeburten begleiten, aber ich hätte das Geld dafür nicht gehabt und hätte es mir beim ersten Kind auch nicht zugetraut. Nun werden die Versicherungsbeiträge aber weiter steigen, in diesem Video vom WDR wird die prekäre Lage auf den Punkt gebracht. Jetzt sind sie in der Geburtshilfe schon bei um die 7000 Euro pro Jahr – bei einem monatlichen Bruttoverdienst von 1470-2800 Euro kann man sich schnell ausrechnen, ob es sich finanziell überhaupt noch lohnt. Der uralte Beruf der Hebamme wird wegen solcher Auflagen zunehmend unbeliebt.  Gleichzeitig wird ein Kreißsaal nach dem anderern geschlossen, sodass in manchen Landkreisen nur noch Kaiserschnitte mit Termin möglich sind. Da kann die WHO noch so anprangern, dass von den 30% Kaiserschnittgeburten rund zwei Drittel nicht notwendig sind, …

“AfterBabyBody”: Ein leicht shizophrenes Gespräch mit mir selbst

Eins vorweg: Ich hasse das Wort AfterBabyBody. Auch wenn Hass ein starkes Wort ist, ich hasse dieses eine wirklich. Aber es existiert und deshalb beziehe ich dazu und zum Konstrukt dahinter Stellung. Was ist ein “Afterbabybody”? Als ein solcher wird ein weiblicher Körper bezeichnet, in dem vor kurzem ein Mensch herangewachsen ist. Es ist ein Körper, der 9 Monate lang Verpflegung für ein Baby bereitgestellt hat, der in alle Himmelsrichtungen gewachsen ist, dessen Haut sich so sehr gedehnt hat, als hätte man einen Basketball verschluckt, der sich hormonell sehr stark verändert hat, der Milchproduktion begonnen hat, die das Kind im nächsten halben Jahr allein versorgen wird und dessen Bänder sich gelockert und Knochen sich verschoben haben. Das klingt alles ganz schön doll – und genau das ist es auch. Der weibliche Körper hält unheimlich viel aus und beherbergt – ich sage es nochmal – einen oder mehrere Menschen in der Zeit der Schwangerschaft. Nun meinen jedoch Menschen, sich nach all diesen Veränderungen und Strapazen auf schnellstem Wege wieder in ihre ursprüngliche Form bringen zu müssen, …

Urlaubssemester – ja oder nein?

E. kam mitten in den Semesterferien, weshalb sich mir die Frage, ob ich ein Urlaubssemester wegen der Schwangerschaft nehmen muss, nicht sehr lange stellte. Ich habe jedoch darüber nachgedacht, nach der Geburt ein Semester zu pausieren, um mich voll und ganz auf mein Baby zu konzentrieren. Wenn ein Urlaubssemester in Betracht gezogen wird, gibt es verschiedene Dinge zu beachten: Gründe für ein Urlaubssemester Nicht jede*r kann einfach so ein Urlaubssemester nehmen. Man muss dafür, je nach Hochschule verschieden, besondere Gründe nachweisen können. Schwangerschaft, Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen gehören aber definitiv dazu!  Finanzielle Förderung Wenn du BAföG, ein Stipendium oder Ähnliches beziehst, wird die Zahlung in der Regel für die Dauer der Beurlaubung ausgesetzt. Meine Stipendiumsbetreuerin hat mir damals den Tipp gegeben, “hauptsache irgendwelche Punkte zu machen”, damit mir das Semester anerkannt wird und ich nicht finanziell auf dem Trockenen sitze. In dem Fall hätte ich dann andere staatliche Hilfe beantragen müssen, also ALG II, Elterngeld (was man sowieso bekommt) und je nach finanzieller Situation Wohngeld. Es “reicht” also, wenn du Leistungspunkte durch Teilnahme an …

Geburtsvorbereitungskurs

In Deutschland ist es üblich, für alles Kurse zu belegen: Theoriestunden und Erste-Hilfe-Kurs für den Führerschein, Berufsschule für den Abschluss, Tutorien zum Bestehen universitärer Seminare. Eigentlich darf man nichts “einfach so” machen, sondern muss erst Kompetenzen erwerben. Diese Denke saß in unserem Kopf, als wir uns für den Geburtsvorbereitungskurs (Fachsprache internetnutzender Muttis und Vatis: GVK) angemeldet haben. Das ist so gängig, “das macht man einfach so”. Im Krankenhaus direkt, einen anderen haben wir uns gar nicht angeguckt. Natürlich den Paarkurs, wir sitzen doch alle im selben Boot. Wir haben überhaupt nicht darüber nachgedacht, dass Menschen über Jahrhunderte Kinder ohne Vorbereitungskurs, ja sogar ohne Krankenhaus auf die Welt gebracht haben. Aufgeregt saßen wir also in den ersten Kursstunden neben anderen Paaren, alle mindestens ein paar Jahre älter als wir. Teilweise noch im Hemd aus dem Job gerannt. Wie wir es uns so auf den Gymnastikmatten zwischen Stillkissen und Gymnastikbällen gemütlich gemacht hatten, ging es auch schon los: Die Hebamme fragte nach den Stichtagen und anschließend, ob jemand wisse, wieviele Kinder eigentlich am errechneten Termin kommen. Wir …

Darf ich mal anfassen?

Diejenigen von euch, die bereits mit einer großen Kugel vor dem Bauch herumstolziert sind, werden diese Frage kennen: “Darf ich mal anfassen?” Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, jedes Mal mitzuzählen, wenn mich eine fremde Person danach fragt. Dass Familie und gute Freunde einen ersten Kontakt aufnehmen, wenn das Baby sich im Bauch bewegt, finde ich persönlich normal und sehr schön. Da habe ich mich dann total gefreut und immer gehofft, dass das Baby sich in genau dem Moment bewegt, in dem sie den Bauch berühren. Als ob ich das irgendwie wirklich steuern könnte 😉 Aber umso größer der Bauch wurde, umso mehr kamen fremde Personen an und fassten meinen Bauch an. Von Kommiliton*innen in Vorlesung und Seminar, während die Dozenten bereits sprachen (und dann natürlich mich komisch anschauten) über Leute im Café bis zu meinem persönlichen Highlight: Der Frau im Wartezimmer meiner Frauenärztin.Es war der Stichtag und E. wollte noch nicht zu uns nach draußen kommen, deshalb waren wir zur Kontrolluntersuchung da. Die Frau, die neben mir saß starrte schon einige Minuten auf meinen Bauch, ich …