Kleinkind
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Einschlafbegleitung noch mit 2,5 Jahren?

Nach einem langen Tag ist es abends manchmal schwierig, herunterzufahren und das Gedankenkarussell anzuhalten. Ich kenne das von mir selber, abends sind alle Sorgen größer und manches, was sich am Tag angesammelt hat, muss noch ausgesprochen werden.

Auch unsere Kinder haben dieses Bedürfnis nach Kommunikation und Sicherheit vor dem Schlafengehen, was sicherlich auch evolutionsbiologisch zu erklären ist – Schlaf muss ruhig und sicher sein. Schon als E. noch ein Baby war, waren die Abende nach anstrengenden Tagen merkbar lang, die Folgen von Reizüberflutung am Tag machten sich bemerkbar und vieles musste noch verarbeitet werden. Es machte uns teilweise rat- und hilflos, stundenlang zu trösten und zu begleiten, ohne zu wissen, ob man etwas bewirken kann. Unsere Intuition war richtig, denn natürlich bringt es etwas und Kinder sollten nie alleine gelassen werden, wenn sie uns brauchen.

Mittlerweile ist es praktischer geworden, weil unsere Tochter mit 2,5 Jahren schon gut erklären kann, was sie beschäftigt und wir mit den Jahren der Übung besser darauf reagieren können. Doch es dauert oft noch genauso lang wie früher und erfordert noch genauso unsere Anwesenheit und Aufmerksamkeit. Es kommt auch vor, dass man uns fragt, ob sie denn noch nicht alleine einschlafen würde, aber während uns so etwas früher vielleicht verunsichert hätte, lachen wir heute ein bisschen in uns hinein und warten auf die erstaunten Reaktionen über das Familienbett.

Natürlich ist Einschlafbegleitung bei einem Kleinkind manchmal anstrengend, manchmal werde ich innerlich verrückt, wenn nach einiger Zeit der Ruhe wieder senkrecht im Bett gesessen und ein neu gelerntes Lied vorgesungen oder eine Folge der Lieblingssendung rezitiert wird. Aber das muss dann offensichtlich raus. Das kann man nicht unterdrücken und wir wollen auch gar nicht, dass es unterdrückt wird. Manchmal kommen abends noch besondere Geschichten aus dem Kindergarten zum Vorschein oder es wird erzählt, was am Tag besonders gut oder schlecht war. Da merken wir dann, wofür im Trubel des Alltags und der ganzen Ablenkung keine Zeit geblieben ist und können diese Erzählungen besonders wertschätzen.

Letzte Woche ist bei uns und um uns herum viel passiert und vor dem Schlafengehen mussten von unserer Tochter aus noch wirklich tiefgründige Themen besprochen werden, die sie schlaflos ließen. In diesen Momenten kann man sein Kind immer wieder von anderen Seiten kennenlernen – tagsüber wild und bestimmend, abends fragend und nachdenklich. Und es sind ja nicht nur die lauten, sondern auch die leisen Momente, in denen wir als Eltern besonders gefragt sind. Das will man ja gar nicht verpassen, für keine “freie” Stunde der Welt. Auch wenn es bedeutet, dass ich seit zwei Wochen um 19:30 Uhr ins Bett gehen muss, weil es nach ungefähr zwei Stunden Einschlafbegleitung und kläglichen Wachbleibeversuchen meinerseits aussichtslos ist, noch an den Schreibtisch zu gehen.

Dadurch bleibt natürlich auch hier und da etwas liegen, aber nach ungefähr 800 Abenden Einschlafbegleitung bisher wissen wir auch, dass sich alles immer ändert und uns in wenigen Wochen ein neues Ritual oder eine neue Strategie überraschen wird. Nicht verzagen!

2 Kommentare

  1. Julia sagt

    Hallo, mein Sohn ist auch 2,5 Jahre und wird von uns noch jeden Abend in den Schlaf begleitet. Er schläft auch noch in unserem Bett. Manchmal frage ich mich wann sich das -wie, ändern wird/soll. Aber ich weiß auch dass er uns beim einschlafen an seiner Seite braucht und habe nicht vor ihn alleine zu lassen. Es ist deshalb schön zu hören dass es andere Eltern auch so machen! Danke für deine Ehrlichkeit .

  2. Petra sagt

    Hier wird mit fast vier Jahren noch Einschlafbegleitet. Nachdem das mit dem Familienbett gerade nicht klappt, schläft Papa mit dem Großen im Kinderzimmer und ich mit dem Baby im Elternschlafzimmer. Um 20 Uhr gehen wir alle zu Bett. Manchmal steht mein Mann nochmal auf – selten. Ja, mir fehlt ich- Zeit und Paar- Zeit. Sehr. Aber alles nur eine Phase! Und in der möchte ich meine Kinder begleiten und für sie da sein.

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