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Vorlesetag: Heute schon Geschichten geteilt?

Heute, am 17. November, ist der bundesweite Vorlesetag, der jetzt schon zum 14. Mal stattfindet. Über 170.000 Personen haben sich angemeldet, um ehrenamtlich in Bibliotheken, Kindergärten oder anderen Orten vorzulesen. Ich hatte auch überlegt, mich zum Vorlesen anzumelden, aber ich habe heute erst gearbeitet und hatte danach noch bis 16 Uhr Uni, danach lese ich dann nur noch E. vor.


Ich finde es total schön, dass es diesen Vorlesetag von DIE ZEIT, Stiftung Lesen und Deutsche Bahn Stiftung gibt und dass sich so viele Menschen daran beteiligen. Vorgelesen zu bekommen ist für Kinder so wertvoll, weil es ihnen schon vor dem eigenen Lesestart zu Bildern und Geschichten im Kopf verhilft. Das Denken wird damit angeregt und ich finde es immer wieder erstaunlich, dass E. schon ganze Bücher auswendig “vorliest”. Ich mag es, wenn sich das Gehirn auf so äußerlich einfache Weise so stark entwickeln kann. E. kennt schon jetzt durch die Bücher Wörter und ihre Bedeutungen, die ansonsten wahrscheinlich eher noch nicht in ihrem Wortschatz wären.

Bücher sind zudem etwas, was nahezu allen Familien zugänglich ist. Es gibt auch Bücher in einfacher Sprache, Wortschatzbücher oder welche in anderen Sprachen (die man als Erwachsener in der Regel auch ohne Kenntnisse gut versteht) und einige Kinderbücher können ja letztendlich auch dabei helfen, gemeinsam mit dem Kind eine neue Sprache zu erlernen. Es gibt so viele kleine Büchereien, bei mir im Heimatdorf kam sogar alle paar Wochen der “Bücherbus” zu denjenigen, die kein Auto hatten oder aus sonstigen Gründen nicht in die Stadt fahren konnten. Durch so etwas werden Bücher für sehr wenig Geld zugänglich. Und was natürlich sehr praktisch ist: Bücher kann man überall mit hinnehmen und sie sind dann einfach da. Man braucht keine Ersatzteile, muss nicht so stark darauf achten, dass nichts kaputt geht, man kann sie in nahezu jede Tasche stecken und ihr Akku geht niemals leer. Wenn E. mit in die Uni kommt, habe ich immer Bücher dabei, die sie schon kennt und sich selber ansehen kann.

Es ist so schön, dass man beim Vorlesen mit seinem Kind Zeit verbringen kann, in der man sich beispielsweise vor dem Einschlafen gemeinsam ins Bett kuschelt, nachmittags bei Keksen auf das Sofa setzt oder morgens, wenn man das Deckenlicht noch nicht anmachen möchte, schon mit der Nachttischlampe in andere Welten abtauchen kann.
Ich studiere unter anderem deshalb jetzt Germanistik im Master und habe vorher Deutsch auf Lehramt studiert, weil Bücher so viel helfen können und ich mich damit gerne beschäftige. Natürlich gibt es auch viele (Kinder-)Bücher, die ich durchaus auch in die Tonne kloppen würde. Aber es gibt so viele tolle Bücher, die Fantasien anregen, die Kinder und Jugendliche in andere Welten entführen und sie auf neue Aktivitäten und Hobbies bringen. Wie viele Stunden haben wir alle doch früher in Hogwarts verbracht, uns die Räume und die Figuren vorgestellt und nie die Vorstellung aufgegeben, dass der eine entscheidende Brief vielleicht doch noch irgendwann kommt. Die Bücher haben uns über Jahre begleitet, ich habe nachts auf die Neuerscheinungen gewartet und sie haben uns Figuren zur Identifikation gegeben, die Wert auf Freundschaft und Mut legen.

Ich hoffe so sehr, dass E. durch unsere Vorleserunden langfristiges Interesse an den Welten entwickelt, die man durch Bücher entdecken kann. Es wäre so schön, wenn sie später irgendein Genre für sich entdeckt und darin völlig aufgehen kann so wie wir früher an den Wilden Hühnern, den Wilden Kerlen, Tintenherz usw.  Ich mag ihren Blick, wie sie dann nach bisher Unentdecktem auf den Seiten sucht, schon vorher weiß, was auf der nächsten Seite passiert oder das nachspricht, was ich vorlese. Kindern beim Fernsehen zuzusehen ist für mich im Vergleich dazu sehr ernüchternd.

Ich glaube wir alle können uns ruhig regelmäßig mal fragen, wie viel wir eigentlich tatsächlich vorlesen und in welchen Situationen es uns besonders viel Freude bereitet – dann können wir solche Momente viel bewusster in den Alltag mit einbauen. Jetzt, wo die Weihnachtszeit bevorsteht, bieten sich ja viele Geschichten an, ich freue mich schon sehr darauf!
Mit diesen Worten werde ich mich jetzt mal zum Vorlesen begeben und richte ein großes Kompliment an diejenigen, die heute in kleinem oder größeren Rahmen anderen vorlesen haben.

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