Studium mit Kind
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2 Tage Praktikum – 2 Jahre gealtert

Seit zwei Tagen bin ich jetzt in meinem Pflichtpraktikum. Ich studiere Geschichte und Deutsch, momentan noch auf Lehramt – deshalb muss ich jetzt als zweites Praktikum drei Wochen lang in eine Schule in Kiel und dort im Unterricht hospitieren und später auch jeweils eine Stunde selber halten.

Wäre dieses Praktikum irgendwie anders möglich gewesen, hätte ich es nicht gemacht. Ich ahnte schon vorher, wie anstrengend es sein würde, doch die Realität haut mich jetzt noch einmal von den Socken. Ich dachte immer, die Tage in den vergangenen fünf Monaten wären anstrengend, doch sie waren nichts gegen jetzt.

Ich sehe es nicht ein, wegen des Praktikums mit dem Stillen aufzuhören (auch wenn das sicherlich einiges erleichtern würde), weshalb ich mir meine Hospitationsstunden so gelegt habe, dass ich höchstens drei Stunden am Stück weg bin und dann wieder zuhause stillen kann. Erstaunlicherweise hat die Uni in der Vergabe der Praktikumsplätze Familienfreundlichkeit präsentiert, weshalb ich eine Schule bekommen habe, die ich zu Fuß in 15-20 Minuten erreichen kann. Meine ersten beiden Tage sahen so aus:

6:00 Wecker klingelt, E. stillen. Sie hat immer noch Probleme mit dem ersten Zähnchen, wir haben vielleicht drei Stunden geschlafen. Dann duschen, einen Kaffee trinken, eine Kleinigkeit essen.

07:15 auf zur Schule, bis ich die richtigen Räume gefunden habe, kann es ja dauern.

09:50 zurück nach Hause, stillen. Für zehn Minuten die Augen zumachen. Mails lesen, Woche strukturieren, Kinderarzt anrufen.

11:00 zurück zur Schule, heute zwei Stunden Exkursion durch die Stadt. E. bekommt zwischendurch die Flasche.

14:00 durchgefroren und hungrig zurück. Essen, wieder Kaffee trinken. Mit E. spielen, David etwas Zeit gewähren.

15:30 stillen, dann schlafen.

18:00 E. beschäftigen, David erledigt den Einkauf und kocht. Ich muss Bücher für’s Praktikum lesen und lese E. aus Maria Stuart von Friedrich Schiller vor. Pädagogisch sicher nicht sonderlich wertvoll, dem Baby von einer Hinrichtung vorzulesen, aber noch versteht sie ja nicht, was ich sage. Ich versuche, es besonders fröhlich zu lesen.

20:00 wie durch ein Wunder schläft E. heute mal vor 23:00 und ich komme kurz an den PC. Mal sehen, wie lange es anhält und ob sie gleich wieder aufwacht.

Gleich werde ich versuchen, die Bücher für das Praktikum weiterzulesen und dann meine Sachen für morgen vorstrukturieren. Da muss ich nach dem Praktikum noch zur Arbeit.


Einige kleine Denkanstöße, die ich mir zum Thema Praktikum mit Baby bereits notieren kann: 
– in die Praktikumsordnung schauen. In meiner steht zum Beispiel nichts von einer Mindestzahl an Präsenzstunden, die ich in der Schule verbringen soll, sondern nur, dass ich in jedem Fach mindestens eine Stunde selbst halten soll. Also bin ich hier etwas freier in der Gestaltung meines Stundenplans mit der Schule und bleibe auf keinen Fall einen ganzen Schultag dort

– schon vor dem ersten Tag überlegen und abwägen: Was bin ich bereit zu tun? Ich habe jetzt beschlossen, dass ich das Praktikum so lange mache, wie ich kann. Wenn ich nach einer Woche feststelle, dass ich auf dem Zahnfleisch krieche, ist es das vielleicht auch nicht wert und könnte zur Not noch warten. Leider ist das Praktikum nur im Wintersemester möglich, weshalb das gleich ein weiteres Jahr bedeutet, aber ich habe mich ohnehin schon dazu entschieden, ein Semester länger zu studieren

– bereits während des Praktikums an den Leistungsnachweis denken. Ich muss zum Schluss eine Arbeit abgeben, in der ich auch über die Schule und die jeweilige Lerngruppe schreiben muss. Alles, was ich mir in kurzen Pausen zwischen den Stunden notieren kann ist gut und hilft mir später, Zeit zu sparen

– dabei die Leistungspunkte einordnen. Mein Praktikum an sich bringt mir 4 Leistungspunkte, dafür muss ich nur die Bestätigung einreichen, dass ich auch tatsächlich da war und Unterrichtsstunden gesehen und gehalten habe. Zusätzlich muss ich dann die Arbeit in Deutsch einreichen, das sind nochmal 3 Leistungspunkte. Die fallen im Gesamtschnitt nicht groß ins Gewicht – also ist es vielleicht auch nicht so schlimm, wenn die Note nicht so gut wird

– von Anfang an mit offenen Karten spielen. Bereits bei meiner Vorstellung an der Schule im Vorfeld habe ich gesagt, dass ich keinen ganzen Tag dort sein kann, weil ich ein Baby habe. Es ist weniger problematisch als gedacht und die Lehrer*innen versuchen, mir entgegenzukommen. Manche mehr, manche weniger.

Ein großes Problem: Wie ich noch Hausarbeiten schreiben soll, ist mir schleierhaft.

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