Schwangerschaft
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Achtsamkeit in der Schwangerschaft

Schwangerschaften sind nie gleich – dass man die eigene Schwangerschaft nicht mit denen anderer Menschen vergleichen kann, wusste ich schon spätestens seit der Schwangerschaft mit E., aber wie sehr auch Schwangerschaften bei einem selber anders verlaufen, hat mich in den letzten Monaten schon überrascht.

Ich bin momentan in der Schwangerschaftswoche 36+irgendwas, kurz vor dem Ziel also. Mein Arzt kommentierte das letzte Woche mit “Wenn es jetzt losgeht, halten wir die Geburt nicht mehr auf”. Freude und Panik mischten sich sofort, denn ich kann es kaum erwarten, dieses kleine Menschlein in meinen Armen zu halten, auch wenn ich großen Respekt vor der Geburt habe. Gleichzeitig dachte ich aber auch: Schon fast vorbei? Wo ist die Zeit denn hin? Und habe ich das eigentlich alles genug wahrgenommen? Wahrscheinlich nicht, deshalb versuche ich jetzt noch einmal bewusst, mehr achtsame Phasen in den Alltag zu integrieren.

In der ersten Schwangerschaft war dafür natürlich viel mehr Zeit. Damals wuselte noch kein weiterer Mensch um uns herum und benötigte die volle Aufmerksamkeit, wollte rausgehen oder spielen oder ins Bett gebracht werden. Viel öfter konnte ich mich auf das Sofa legen, mit dem Baby in meinem Bauch kommunizieren oder mir vorstellen, wie das alles sein würde (auch wenn es natürlich immer anders kommt, als man es sich mal gedacht hat). Nun ist nur sehr selten Zeit für kleine Auszeiten, auch wenn ich es seit Beginn der Schwangerschaft versuche. Das Kind wird nach der Geburt nicht die gleiche ungeteilte Aufmerksamkeit bekommen können wie E. damals, das ist gar nicht möglich. Umso wichtiger also, dass wir zwei jetzt schon eine Bindung aufbauen, dass ich merke, wie das Kind reagiert und wann es seine Aufmerksamkeit einfordert.

Manchmal fühlt es sich unfair an, feste Auszeiten zu nehmen, in denen man sich um sich selber kümmert. Zwei Stunden die Woche bin ich trotzdem beim Schwangerenyoga (alias Elefantenturnen) und manchmal fühle ich mich schlecht, weil ich es mir “erlaube”, diesen Vormittag für mich zu blocken und meinen Mann mit allen anderen Aufgaben allein zu lassen. In solchen Momenten lohnt es sich aber, sich die Situation einmal von außen vorzustellen: Als Schwangere bist du nie allein. Wirklich nie. Während das eine Kind ein Brot geschmiert bekommt, wird das andere über meinen Blutkreislauf und meine Nährstoffe versorgt. Während jemand hinter dem Laufrad hinterher rennen muss, muss mein Körper die vielen Extra-Kilos inklusive Kind im Bauch tragen. Das Kind ist schon jetzt immer dabei und fordert seinen Teil des Zusammenlebens ein, auch wenn wir weder wissen, wie es aussieht oder was für ein Kind es ist. Da ist es für die Schwangere wichtig, dass es diese kleinen Auszeiten gibt, in denen man sich um sich selbst kümmert. Auch wenn der Bauch mitkommt zum Yoga, mache ich das für mich, um meine Muskulatur zu stärken und meinem Körper gerecht zu werden, auch um alle anderen Gedanken abzuschalten und wirklich zu realisieren: Wir bekommen noch ein Kind – da wächst jemand in mir. In der Schwangerschaft mit E. war Yoga nichts für mich, damals war ich beispielsweise ein Mal die Woche beim Schwangerenschwimmen. Andere Möglichkeiten wären zum Beispiel:

  • eine Massage, die man sich sonst nicht gönnen würde
  • ein Friseur*innenbesuch
  • ein Ritual im Lieblingscafé, alleine oder mit Freund*innen
  • ein bestimmter Tee, den man abends 10 Minuten lang alleine trinken kann
  • ein Besuch bei der Kosmetik, wenn man sein eigenes Gesicht langsam nicht mehr im Spiegel erkennt

Auch muss ich mich immer wieder daran erinnern, Fotos für mich zu machen oder Momente im Langzeitgedächtnis einzufrieren. Zu sehen, wie groß der Bauch wird und zu welchen Leistungen mein Körper in der Lage ist. Ich weiß nicht, ob dies meine letzte Schwangerschaft sein wird, wie oft ich noch fluchen werde, dass schon wieder nichts mehr passt. Ich weiß auch nicht, wie oft ich noch voller Stolz den Bauch beim Fotos machen Bauch sein lassen kann, wie oft ich mich noch freuen kann, wenn ich mich frage, ob mit dem Baby alles in Ordnung ist und prompt jemand von innen gegen den Bauch boxt und mir mitteilt: “Ja, alles okay”.

Wie ist es bei euch? Habt ihr genug Möglichkeiten, die Schwangerschaft wahrzunehmen? Was unternehmt ihr als kleine Auszeiten aus dem Alltag?

 

 

 

 

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