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“AfterBabyBody”: Ein leicht shizophrenes Gespräch mit mir selbst

Eins vorweg: Ich hasse das Wort AfterBabyBody. Auch wenn Hass ein starkes Wort ist, ich hasse dieses eine wirklich. Aber es existiert und deshalb beziehe ich dazu und zum Konstrukt dahinter Stellung.

Was ist ein “Afterbabybody”? Als ein solcher wird ein weiblicher Körper bezeichnet, in dem vor kurzem ein Mensch herangewachsen ist. Es ist ein Körper, der 9 Monate lang Verpflegung für ein Baby bereitgestellt hat, der in alle Himmelsrichtungen gewachsen ist, dessen Haut sich so sehr gedehnt hat, als hätte man einen Basketball verschluckt, der sich hormonell sehr stark verändert hat, der Milchproduktion begonnen hat, die das Kind im nächsten halben Jahr allein versorgen wird und dessen Bänder sich gelockert und Knochen sich verschoben haben.

Das klingt alles ganz schön doll – und genau das ist es auch. Der weibliche Körper hält unheimlich viel aus und beherbergt – ich sage es nochmal – einen oder mehrere Menschen in der Zeit der Schwangerschaft.

Nun meinen jedoch Menschen, sich nach all diesen Veränderungen und Strapazen auf schnellstem Wege wieder in ihre ursprüngliche Form bringen zu müssen, ganz im Zuge der allgemeinen Schlankheitsbestrebungen. Es ist die Gesellschaft, die diese Gedanken in unserem Kopf konstruiert. Es sind Bilder von Topmodels, die 6 Wochen nach der Geburt ihre alte Form wieder haben. Es sind Stars mit Personal Trainer, die aus Angst vor einer eventuell veränderten Brust statt zu stillen lieber Sit-Ups machen. Und oft sind es Leute ohne Kinder, die über Frauen nach der Geburt urteilen. Wer auch immer sie dazu berufen hat. Hierzu muss gesagt werden: Wenn man seinen Beckenboden oder Rücken schnellstmöglich wieder in Form bringen möchte, kann ich das nur befürworten – aber das hat einen anderen Hintergrund. 

Zu behaupten, solche Bilder von superschlanken Bäuchen würden mich nicht bewegen, wäre gelogen. Auch ich hadere damit, nicht mehr in meine alten Jeans zu passen – denn das ist schade und teuer. Es gibt Momente, in denen man sich bewusst ist, warum der Körper gerade so aussieht, wie er aussieht. Und es gibt auch Momente, in denen man kurz vorm/am Weinen ist, weil man immer dachte, mit 23 würde man anders aussehen. Zum Beispiel ohne Dehnungsstreifen von der Geburt. Vielleicht ist das gerade als junge Frau schwierig.

Damit das Tabu bald vollends verschwindet, öffne ich meine Gedanken für euch und lade euch ein, gemeinsam mit mir in den Spiegel zu schauen:

Ich sehe eigentlich ganz gut aus. Zumindest gesund. 

Aber so schlank wie früher bin ich auch nicht mehr. 

Das ist okay, ich habe schließlich letztes Jahr einen Menschen auf die Welt gebracht.

Ja, letztes Jahr. Schonmal in den Kalender geschaut? 

Ja und? Das dauert eben alles etwas, wenn man keinen Sport machen darf. Mit kaputtem Knie sowieso nicht. 

Irgendwie schaffen es die Stars ja auch. 

Da will ich aber auch gar nicht wissen, wer alles einen frühzeitig angesetzten Kaiserschnitt hat, um die letzten Kilos zu vermeiden. Oder wer zu früh wieder zu joggen anfängt und mit 40 dann inkontinent ist. 

Ach, das passiert doch nicht..

Doch, das passiert. Hat die Hebamme im Rückbildungskurs doch gesagt: Sport erst, wenn der Beckenboden den Oberkörper wieder hält. Joggen nach einem Jahr. 

Es gibt aber auch Nicht-Prominente, die nach der Geburt wieder eine Figur haben wie Heidi Klum.

Die hatte ich aber auch vorher nicht.

Gut, das ist ein Argument. Aber Größe 36 ging mal. 


Wenn ich 40 bin, geht Größe 36 wahrscheinlich eh nicht mehr.

Und Schminke heute? 

Höchstens Augenringe abdecken. 


So könnte das bei mir stundenlang weitergehen. Es gibt Tage, an denen man sich richtig schön fühlt. Und dann gibt es Tage, an denen man sogenannte “Problemzonen” (die eigentlich nur vorübergehende SelbstnichtsotollfindeZonen sind) findet oder sich einfach nur ärgert, kurz vor der Schwangerschaft viel Geld ausgegeben zu haben für Hosen, die nicht mehr passen. Oder dass man statt schöner Unterwäsche Still-BHs trägt. Mit 23. Während andere Leute im Uni-Seminar offensichtlich gar keinen BH tragen. Aber auch Still-BHs können schön sein.
Wichtig ist, dass man dabei nicht vergisst: Der Körper ist nicht mehr der eines Mädchens. Man ist eine Frau, die ein Kind (oder mehrere) zur Welt gebracht hat. Der Körper verändert sich und wird wahrscheinlich ohne spezielles Training nicht mehr so sein wie vorher. Das merkt man allein schon an der Verlagerung des Körperschwerpunkts. Und an einer Veränderung gibt es eigentlich auch nichts auszusetzen. Man muss sich einfach mal befreien von dem öffentlichen Druck und den “die-lässt-sich-aber-seit-der-Schwangerschaft-auch-gehen”- Kommentaren. Die kommen nämlich meistens von Leuten, die sich eine solche Veränderung nicht vorstellen können.

Sowieso frage ich mich, warum der weibliche Körper ausgerechnet nach seiner wahrscheinlich größten Herausforderungen optisch gemessen wird. Mich hat niemand nach meinem “AfterAbiBrain” gefragt und vermutlich wird später  auch niemand meinen “AfterKünstlichesKniegelenkWalk” mit seinem bzw. ihrem vergleichen.

Man sollte sich – so schwer es manchmal auch ist – einfach selber akzeptieren. Was bleibt einem sonst? So ist man nun einmal. Das bedeutet nicht, dass ich mir Fotos meiner zugegebenermaßen sehr sehr wenigen Dehnungsstreifen als “Kriegsmerkmale”, wie einige es mir widerstrebend bezeichnen, in Großformat ausdrucke und an die Wand hänge. Aber dass ich einfach mal mein süßes Kind angucke und denke “Wow, alter Schwede Körper, das hast du verdammt gut hingekriegt”. Vielleicht wird das ein weiterer Satz, den ich mir ausdrucke und an die Wand hänge. Besser gleich direkt an den Spiegel.

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