Baby, Nützliches, Tragen
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Ausbildung zur Trageberaterin – Teil 1

Darf ich vorstellen: Trageberaterin. Natürlich mit Puppe, E. soll ja nicht für’s Foto herhalten müssen
Schonmal ein Tragetuch blind gebunden? Ne? 
Ich bis letzte Woche auch nicht! 
Seit meiner Ausbildung zur Trageberaterin hat sich das geändert, aber alles der Reihe nach: 
Ende Mai habe ich eine dreitägige Ausbildung der Trageschule Hamburg mitgemacht. Im Laufe der Tragzeit mit E. hat sich so viel Zubehör angesammelt, dass es mich wahnsinnig macht, wenn das alles nur im Schrank bleibt. Ich freue mich immer über Tipps und möchte diese nun gerne weitergeben – deshalb möchte ich als Trageberaterin arbeiten.
Meiner Meinung nach kann man beim Tragen nicht so viel falsch, aber ganz viel richtig machen – und man kann immer besser tragen als vorher. 
“Trageberaterin” klang für mich beim ersten Hören erstmal komisch.
Es klang nach Menschen, die mir erklären möchten, wie ich mein Kind am besten trage. Mein Kind, welches schon 9 Monate lang in meinem Bauch gewohnt hat und welches ich doch wohl am besten kenne. Wir haben es dann irgendwie so hingekriegt, ohne Trageberatung, manchmal besser und manchmal schlechter. 
Doch erst jetzt, nach über 8 Monaten, lerne ich Tragetücher und Tragehilfen richtig kennen und kann einschätzen, was zu uns passt und was nicht und woran ich Tuchunterschiede erkenne. Der Markt ist einfach so wahnsinnig voll, dass man nur schwer eine Entscheidung treffen kann – aber genau dafür sind Trageberater*innen da. 
Sie können herausfinden, wie man tragen möchte, ob man Tuch-Typ oder Tragehilfen-Typ ist (oder wie man beides gut kombinieren kann) und helfen einem, bevor man viel Geld in das falsche Produkt investiert.  
Apropos Investition: Die Ausbildung an der Trageschule Hamburg ist für das studentische Portemonnaie (zumindest meins) auf keinen Fall auf Anhieb erschwinglich, aber die beiden Leiterinnen sind so unkompliziert, dass man auch in Raten zahlen kann. Es ist für mich eine Investition in mich (und vor allem in meinen Rücken, weil ich jetzt weiß, wie es richtig geht), in E. (weil ich viel die Vorteile des Tragens für sie kenne) und in meinen künftigen Nebenjob (denn Hiwi-Jobs gibt es nun auch nicht wie Sand am Meer und irgendwie muss man ja Geld dazu verdienen). 
Zu der Ausbildung gehörte zunächst ein zweiwöchiger Theorieteil, den man mit Manuskript von zuhause aus bearbeiten kann. Danach kannte ich schon die Fachbegriffe und Vorgänge im Körper, beispielsweise die Aufrichtung der Wirbelsäule im ersten Lebensjahr und wie sich die Hüfte entwickelt. 
Am letzten Mai-Wochenende kam dann der wirklich spannende und neue Teil: Das Praxiswochenende. Durch Stau kam ich erst zu spät an, verpasste das lockere Beschnuppern bevor es losging und war sehr gespannt auf die 11 anderen Teilnehmerinnen (ja, wir waren wirklich nur Frauen) und 2 Kursleiterinnen. Ein bisschen “Angst” hatte ich schon, immerhin habe ich bei Facebook mal in verschiedene Gruppen geschaut und einige Träger*innen wirken schon etwas militant. Ich war aber schon nach einer ersten Kennenlernrunde beruhigt, hier waren alle total motiviert und hatten ganz verschiedene Beweggründe, die Ausbildung zu machen. 
Wir haben dann drei Tage lang alle möglichen Tragetücher und Tragehilfen kennengelernt, uns mit der Webung auseinandergesetzt, mit Puppen das richtige Binden geübt und für uns selbst Favoriten zusammengestellt. Doch nicht nur das, auch über Marketing und Gewerbeanmeldung haben wir gesprochen! Muddi macht jetzt big business 😉

Unterstützt wurde die Ausbildung natürlich von Herstellern, so erhielt jede von uns einen RingSling von Hoppediz, ein Tragetuch von Didymos (<3) und eine Tragehilfe von kokadi. Ein elastisches Tuch von Cybex kommt auch noch dazu (die verlinke ich jetzt aber noch nicht, da auf der Homepage leider direkt auch Positionen dargestellt sind, in denen man das Kind nicht einbinden sollte). 
Zusätzlich gab es noch gefühlte (oder realistische) 100 weitere Modelle, die wir vor Ort testen konnten. 
Hat mich an meinem Platz erwartet: Eine Auswahl von bekannten Herstellern
Ein Highlight der Ausbildung war auf jeden Fall das blinde Binden. Erst hatte ich davor total Respekt, vorher hatten wir immer mit dem Spiegel geübt. Letztendlich war es jedoch einfacher als mit geöffneten Augen, da man das Tuch viel besser wahrgenommen hat und nicht durch das gespiegelte Bild irritiert wurde. Ob ich die Tücher jetzt im Schlaf binden kann, habe ich noch nicht ausprobiert, an der Dunkelheit sollte es jedoch nicht scheitern.
Da der Begriff “Trageberaterin” nicht geschützt ist, werde ich in den kommenden Wochen noch eine Prüfung bei der Trageschule Hamburg ablegen – dann bin ich offiziell bei ihnen gelistet und kann empfohlen werden. Ich kann auch schon so arbeiten, aber das könnte eben jede*r andere auch. Eine Zertifizierung von Erfahrenen ist mir hier sehr wichtig, ich will schließlich auch mit Qualität beraten. Die Prüfung ist allerdings sehr zeitintensiv und auch nicht gerade “mal eben so” zu meistern. Ich muss sowohl die Theorie als auch die Praxis bestehen, da muss jeder Handgriff tatsächlich sitzen. Wenn man nebenbei noch arbeitet, studiert, engagiert ist und das Kind gerade zahnt, sind die Zeitfenster dafür leider sehr gering. 
Wenn die Prüfung abgeschickt ist, baue ich auf meinem Blog meine Rubrik “Tragen” stärker aus und ich überlege auch, eine eigene Website für die Trageberatung zu erstellen – der Kalender schreit ja sonst nichts. 
Zum Schluss noch ein besonderes Schmankerl: Wenn ich erstmal soweit bin und mir mein Sortiment weiter zusammengestellt habe, wird es bei mir einen Rabatt für Schüler*innen, Student*innen und Auszubildende geben. Trageberatung kann manchmal so teuer sein, dass man kein Geld mehr für die eigentliche Trage hat. Das ist gerade für Menschen in Ausbildungsverhältnissen oft nicht möglich. Ich möchte aber nicht, dass richtiges Tragen eine exklusive Angelegenheit für Menschen mit höherem monatlichen Einkommen ist – sondern allen Eltern, Großeltern, Freund*innen, Onkels und Tanten und wen man sonst noch gerne tragen lässt so wenig problematisch wie möglich zugänglich ist.

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