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Babyblog ohne Babybild?

Sind wir das? Sind wir das nicht? 

“Kann ich ein Foto haben?” war eine Frage, die ich nach E.s Geburt häufig gehört habe (teilweise leider sogar die einzige..) und die mich bis heute beschäftigt.
In den 1990er Jahren geboren gehöre ich zu der Generation, die mit der neuen Technik großgeworden ist, sich Schritt für Schritt in der großen weiten Welt des Internets zurecht finden musste und heute damit ganz selbstverständlich umgeht.

Als Teenager habe ich irgendwann entdeckt, dass ein Computer mehr kann als Minesweeper und Löwenzahn 1-5, schnell wurden Videos auf Youtube angeklickt oder andere Homepages als Blindekuh gefunden. Man hat sich auf Portalen wie SchülerVZ angemeldet und eifrig Fotos geteilt. Doch so richtig konnte einem niemand erklären, was mit den Fotos genau geschieht.
Heutzutage weiß ich es auch nicht genau, aber ich weiß zumindest, dass sie nicht da bleiben, wo man sie hochlädt.

Facebook beispielsweise speichert jedes Bild auf einem Server und auch, wenn ich es in meinem Account lösche, ist es immer noch irgendwo gespeichert und mit meinem Namen verknüpft. Einträge bei Google kann man mittlerweile löschen lassen, doch nicht alles, was im Internet herumwabert, erscheint auf Google.

Meine Generation hat Glück, dass SchülerVZ irgendwann geschlossen wurde und viele Erinnerungen wie Fotos und Gruppen mit in der Versenkung verschwunden sind. Doch ich stelle mir natürlich nicht erst seit Beginn meines Blogs die Frage: Was passiert mit Fotos, die ich heute hochlade?

Ich bin in Facebook beispielsweise in verschiedenen Gruppen zum Thema Babytragen. Diese sind zwar an sich geschlossen, haben aber bis zu 7000 Mitglieder. Täglich posten dort bis zu 30 Personen Bilder von sich mit ihren Zwergen beim Tragen – und zwar mit Gesicht. Ich sehe also täglich bis zu 30 verschiedene Kinder in die Kamera schauen. Jede*r, der oder die in dieser Gruppe ist, könnte die Bilder speichern und weiterverwenden, es dauert sicher lange, bis das die Hochladenden merken würden.
Wenn ich dort ein Bild hochladen würde, würden es alle diese Leute also auch sehen.
Gut, die Gruppen sind geschlossen, aber wer garantiert, dass die Fotos in der Gruppe bleiben? Und warum sollte ich überhaupt 7000 Leuten ein Bild von meinem Kind zeigen wollen? Diese Offenheit begreife ich persönlich nicht.

Fakt ist: Mit einem laienhaften Internetwissen wie meinem gibt man die Kontrolle über sein Bild ab, wenn man es über das Internet teilt. Fotos per Whatsapp verschicken wir nur an unsere Familien – und auch da fällt es uns schwer, werden sie ja doch letztendlich auf einem Facebook-Server gespeichert.

Jede*r kann meiner Meinung nach selber entscheiden, ob er oder sie sein Kind ganz auf den Fotos zeigen möchte oder nicht, das geht mich nichts an.
Aber auf diesem Blog oder meinem Facebook-Account wird es in den ersten Jahren keine Fotos von E. von vorne geben, wenn nur aus der Ferne, so dass man sie nicht eindeutig erkennt. Sie soll später selbst entscheiden, welche Fotos von ihr im Internet landen, so wie wir damals auch entschieden haben, welche Fotos wir von uns selbst hochladen – bis dahin haben wir die Verantwortung. Man kann damit Fehler machen, aber man muss sie meiner Meinung nach selbst machen.

Ansonsten passiert es vielleicht, dass E. sich 2030 auf einer Seite wie Facebook anmeldet und die Gesichtserkennung sie begrüßt: “Hallo E., schön, dass du da bist. Wir haben schon 15 Jahre auf dich gewartet. Hier sind deine Erinnerungen: Vor 16 Jahren konnten wir alle auf dem Ultraschallbild erkennen, dass du bei Geburt weibliche Geschlechtsorgane haben wirst. Vor 15 Jahren sahst du bei deiner Geburt etwas zerknautscht aus, aber 126 Leuten hat das gefallen. Vor 14 Jahren hat deine Mama dich dabei fotografiert, wie du Brei im ganzen Gesicht verteilt hast und 10 Personen haben Lachsmileys darunter gepostet.”

Ich weiß, dass es schön ist, wenn man Fotos teilen kann und andere an seinen Erfahrungen teilhaben lässt, vor allem diejenigen Menschen, die einem wichtig sind, aber weiter weg wohnen. Doch früher hat man es auch irgendwie geschafft, sich ein besonderes Foto per Post zu schicken oder sich persönlich zum Anschauen zu treffen. Von dieser Besonderheit wünsche ich mir manchmal etwas mehr.

Wie seht ihr das?

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