Neueste Artikel

Buch frei und unverbogen in den Händen der Blog-Autorin

Rezension: Frei und unverbogen. (Susanne Mierau)

Im Februar ist Frei und unverbogen von Susanne Mierau im Beltz-Verlag erschienen. Schon in meiner Rezension zum letzten Buch von Susanne Mierau habe ich beschrieben, wie sie als Kleinkindpädagogin, Familienbegleiterin und Mutter dazu anregt, alte Denkmuster aufzubrechen und neue Wege als Familie zu finden.

In Frei und unverbogen thematisiert Susanne Mierau nun das, was uns als Eltern in der Art und Weise, wie wir selbst großgeworden sind, nachhaltig geprägt hat und wie wir Wege finden, negative Erfahrungen nicht an die nächste Generation weiterzugeben. Hierbei geht es nicht primär darum, zu beschreiben, wie wir Kindern einen bestmöglichen Start ins Leben und ein begleitetes Heranwachsen ermöglichen, sondern vielmehr darum, dass wir verstehen, warum wir eigentlich auf bestimmte Weise handeln und welche Denkmuster vergangener Generationen noch immer bewusst oder unbewusst vorherrschen. Wie schon der Untertitel Kinder ohne Druck begleiten und bedingungslos annehmen verrät, geht der Inhalt des Buches weit über den Titel hinaus und erfordert, dass wir uns selbst reflektieren. Tatsächlich finde ich den Titel fast zu wenig aussagend für den so umfassenden und wichtigen Inhalt des Buches und es ist mir daher ein besonderes Anliegen, die Rezension zu diesem Buch zu schreiben, damit viele Eltern auf den Inhalt aufmerksam werden.

Frei und unverbogen: Eine Übersicht

Frei und unverbogen gliedert sich in fünf Kapitel, die zunächst einmal den Bogen spannen von den heutigen Erziehungsvorstellungen generell und ihren rechtlichen Grundlagen in Kapitel eins und einem Rückblick auf Erziehungsmethoden und den Blick auf das Kind vergangener Jahrhunderte in Kapitel zwei. Das dritte Kapitel zeigt sehr deutlich, dass zwar viele Methoden der vergangenen Jahrhunderte dankenswerter Weise abgelöst wurden, aber dass auch heute noch in vielen Aspekten des kindlichen Lebens Gewalt – ob psychisch oder physisch – präsent ist und auch “moderne” Erziehungsmethoden nicht automatisch auch gewaltfrei sind. Insbesondere das zweite, aber auch das dritte Kapitel sind hierbei stellenweise harte Kost. Bereits zu Beginn des Buches rät Susanne Mierau, sich beim Lesen Zeit zu lassen und weist darauf hin, dass einzelne Stellen für Lesende mit eigenen traumatischen Erfahrungen schwierig sein können.

Bleibt nach den ersten drei Kapiteln vielleicht ein persönliches Fragezeichen, wie all die Erfahrungen der vergangenen Generationen nun ausgerechnet durch diese – ja ebenfalls vorgeprägte – Elterngeneration ausgeglichen werden können, so ist in den Kapiteln vier und fünf viel konkrete Hilfe geboten. Im vierten Kapitel beispielsweise, in dem Susanne Mierau die Aufgaben der Eltern erläutert, thematisiert sie die eigene Fehlertoleranz und wie Eltern diese reflektieren und erweitern können. Hierbei werden sowohl theoretische Informationen gegeben als auch ganz praktische Hilfen wie Beispielsätze oder Reaktionen.

Im fünften Kapitel schließlich wendet sich der Blick noch einmal explizit den Kindern zu. Anhand verschiedener Lebensbereiche – genetischer Veranlagung, Bildung und Lernen, Spiel, Hobbys oder Talenten, Religion und Geschlechtern macht Susanne Mierau deutlich, auf wie vielen Ebenen Eltern aufmerksam sein müssen, um ihre Kinder unvoreingenommen anzunehmen und ihnen auch jene Wege zu ermöglichen, die von den eigenen Vorstellungen abweichen.

Wie gelingt es, ein freies und unverbogenes Wachsen zu begleiten?

Besonders positiv an diesem Buch sind – neben den inhaltlich so tief gehenden Erläuterungen – die vielen durchdachten Übungen, die dazu einladen, reflektiert auf die eigenen Werte, Glaubenssätze und Erfahrungen zu blicken. So vereint es sowohl die Theorie (mit vielen Anekdoten aus persönlicher oder beruflicher Erfahrung) als auch die Einladung, selbst begleitet aktiv zu werden. Oft verbergen sich beim Ausfüllen der Reflexionen viele Überraschungen und Susanne Mierau lädt am Ende verschiedener Kapitel dazu ein, diese direkt einmal zu verschriftlichen. Die Übungen sind dabei einer von vielen Gründen, warum es sich lohnt, viel Zeit mit dem Buch zu verbringen. Es ist kein Buch, welches man an zwei Tagen durchliest, sondern eins, welches Lesende länger begleitet: während der Lesezeit und nachhaltig darüber hinaus. Es ist kein Buch, welches den Lesenden einen mahnenden Zeigefinger präsentiert und jedes nicht so gute Verhalten kritisiert, sondern es ist vielmehr eins, das die Hand reicht, um gemeinsam Zukunft zu gestalten.

Aber warum ist es so wichtig, dass wir Kinder so begleiten?

Nun kann man fragen: Tun wir nicht schon genug? Genügt es nicht, dass wir Eltern wissen, dass körperliche Gewalt verboten ist? Und Susanne Mierau liefert eine sehr deutliche Antwort dahingehend, warum es besonders jetzt so wichtig ist, sich auf verschiedensten Ebenen mit Einflüssen auf die nächste Generation auseinanderzusetzen. Die Relevanz der Beschäftigung wird den Lesenden unter anderem direkt zu Beginn deutlich, wenn die Autorin verschiedene Fragen zur eigenen Kindheit und zum aktuellen Familienalltag stellt, anhand derer eingeschätzt werden kann, wie viele Glaubenssätze tief verankert sind und an welchen Stellen ein Unwohlsein dazu auftritt. Dieses Erkennen hilft nicht nur den Kindern, sondern auch den Eltern selbst.

Und Susanne Mierau äußert es an verschiedenen Stellen auch ganz konkret und sehr anschaulich an der Aufgabe, die Eltern heute darin haben, Kinder in einer Gesellschaft im Wandel für ihre eigene Zukunft zu stärken. Denn Herausforderungen haben sich geändert, die Welt ist eine andere geworden und die Selbstwirksamkeit der nächsten Generation vermutlich noch wichtiger denn je.

“Sie können nicht gleichzeitig lernen, angepasst und untergeordnet und flexibel, global denkend, tolerant und kreativ zu sein […].”

Susanne Mierau: Frei und unverbogen (2021), S. 45.

Es ist ein Buch, das Eltern gerade brauchen und das ihnen sehr wertvolle Einblicke ermöglicht. Meinerseits also eine klare Leseempfehlung für alle, die sich damit auseinandersetzen möchten, wie wir unsere Kinder stärken – nicht im Sinne von abhärten, sondern im Sinne der eigenen, innerlichen Motivation und Stärke. Es ist eine Empfehlung für alle, die merken, dass sie manche Dinge anders machen müssen, als es der gesellschaftliche Konsens etwa der 1980er/1990er/2000er Jahre nahelegte. Und auch eine Empfehlung für alle, die merken, dass sie schon auf einem sehr guten Weg sind und sich noch tiefer in das Thema einlesen wollen. Dadurch, dass Susanne Mierau immer wieder Bezug auf andere Bücher oder Publikationen zu diesem Thema nimmt, erweitert sich die Leseliste danach automatisch.

Susanne Mierau: Frei und unverbogen. Kinder ohne Druck begleiten und bedingungslos annehmen.
BELTZ-Verlag, Weinheim 2021. 273 Seiten.
ISBN: 978-3-407-86656-1
Paperback: 18,95€

Winterliche Pancakes mit Banane und Kakao

In den winterlichen Monaten sind warme Speisen zur Vesper hier gern gesehen. Nachdem wir viele Rezepte ausprobiert hatten, kam diese Kreation zustande, die ich euch sehr empfehlen kann. Die Pancakes eignen sich bei uns besonders gut, um die Gewürze vom Pfefferkuchen-Backen aufzubrauchen und schmecken auch tatsächlich ein bisschen danach .

Winterliche Pancakes: Die Zutaten

Diese Zutaten benötigen wir für etwa 11-12 kleinere Pancakes. Sie reichen uns als Snack für 4 Personen, wenn man sie allerdings als richtige Speise anbieten möchte, braucht man sicherlich etwa ein Drittel bis die Hälfte mehr.

  • 3 Bananen
  • 1 Prise Muskatnuss
  • 3 Pck. Vanillezucker
  • 1 Prise Salz
  • 1 Ei Größe M oder L
  • Zimt nach Gefühl
  • 1-2 Prisen Kardamom
  • 1 EL Instant Kakao
  • 1 Pck. Backpulver
  • 200g Mehl
  • 150ml Milch
  • 1 Schuss Mineralwasser
  • Puderzucker

Winterliche Pancakes: Die einfachen Arbeitsschritte

  1. Zuerst werden die 3 Bananen geschält und mit einer Gabel auf einem Brett zerdrückt. Dies ist eine gute Gelegenheit, Kinder mit ins Backen einzubeziehen. Auf die Bananen eine Prise Muskatnuss streuen.
  2. Das Ei zusammen mit dem Vanillezucker und dem Salz in einer Schüssel verrühren. Für den winterlichen Geschmack hier Kardamom und Zimt nach Geschmack hinzugeben. Zum Schluss noch 1 EL Kakaopulver und die gematschten Bananen unterrühren.
  3. In vielen Rezepten soll man Mehl und Backpulver erst separat in einer Schüssel verrühren, bevor es zum Rest gegeben wird. Ich mache das ehrlich gesagt so gut wie nie und es funktioniert auch so. Also Mehl und Backpulver zur Mischung dazugeben und etwa 150ml Milch ebenfalls hinzugeben. Ich füge zusätzlich immer noch einen Schuss Mineralwasser hinzu, ansonsten einfach etwas mehr Milch eingießen.
  4. Alles mit dem Schneebesen gut verrühren.
  5. In einer Pfanne Butter schmelzen (Vorsicht: Pfanne nicht zu heiß einstellen, sonst verbrennt die Butter) und bei jeder neuen Füllung der Pfanne wieder etwas Butter hinzugeben.
  6. Den ersten Pfannkuchen backen und wegschmeißen 😉
  7. Dann die übrigen Pfannkuchen backen. Hierbei immer zwei zusammen in eine normalgroße Pfanne geben, damit es nicht ewig dauert. Die Pfannkuchen wenden, wenn sie Blasen bekommen.
  • Alle Pfannkuchen stapeln und den Turm durch ein Sieb mit Puderzucker bestreuen
  • Essen 🙂
Symbolbild Weihnachtsfilme: Brennende Kerzen auf dem Adventskranz

Schöne Weihnachtsfilme für Vorschulkinder

Wenn es draußen früher dunkel wird und die Kinder vor allem in diesem Jahr mehr Zeit zu Hause verbringen, kann man sich die Wartezeit bis Weihnachten mit ein paar schönen Filmen verkürzen. Es gibt viele schöne Weihnachtsfilme für Kinder, hier kommen einige unserer absoluten Favoriten.

(enthält durch Erwähnungen Werbung, unbezahlt und unbeauftragt)

1. Pippi und das Weihnachtsfest

Die Liste beginnt mit einem echten Klassiker unter den Weihnachtsfilmen: Pippi und das Weihnachtsfest. Während Pippi Langstrumpf vornehmlich alleine zuhause ist, bereitet sie für den Heiligabend Geschenke für die anderen Kinder der Stadt vor. Erst scheint es, als würden die anderen Kinder nicht kommen, doch Pippi kann ja nicht ahnen, dass sie heimlich eine Überraschung vorbereitet haben. Besonders schön: Der Schnee, wie die Kinder zusammen Weihnachten feiern und es geht auch ans Herz, wenn Pippi ihrer Mama im Himmel fröhliche Weihnachten wünscht.

Pippi und das Weihnachtsfest ist hier der Weihnachts-Klassiker von Astrid Lindgren. Auch das Weihnachtsfest von Michel aus Lönneberga ist schön, aber für Kindergartenkinder doch teilweise noch recht gruselig und nicht nachvollziehbar.

2. Angelas Weihnachten

Angelas Weihnachten ist ein animierter Kurzfilm, der hier über Netflix verfügbar ist. Angela ist ein Kind in Irland, welches im Jahr 1910 in ärmlichen Verhältnissen lebt. Am Weihnachtsabend entdeckt Angela in der Krippe in der Kirche die Jesuspuppe, die nur spärlich bekleidet ist und vermutlich friert. Heimlich beschließt Angela, die Puppe mitzunehmen, um sie aufzuwärmen. Natürlich ist Ärger hier vorprogrammiert – dabei wird auch deutlich, dass Erziehung 1910 noch anders funktionierte als heute. Es gibt aber natürlich ein Happy End und besonders gefällt uns an dem Film, dass er so kurz ist und dabei doch genug Raum gibt, um mit den Kindern festzustellen, was an unserem Weihnachten eigentlich alles anders ist.

3. Arthur Weihnachtsmann

Selten lachen wir alle so viel zusammen bei einem Film, wie wenn wir Arthur Weihnachtsmann schauen. Arthur ist einer der Söhne vom Weihnachtsmann und nicht derjenige, der dafür eingeplant ist, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Arthur hat aber das Herz am rechten Fleck und vor allem immer eines im Blick: Die Wünsche der Kinder. Als die Digitalisierung des Nordpols durch seinen Bruder dazu führt, dass ein Kind an Weihnachten vergessen wird, ist Arthurs Einsatz gefragt – zusammen mit seinem in den Ruhestand geschickten Großvater macht er sich auf den Weg, das letzte Geschenk auszuliefern. Dieser Film ist mit 97 Minuten recht lang, lässt sich aber auch gut auf zwei Tage aufteilen. FSK und JMK sind beide mit 0 angegeben, aber ich würde den Film eher ab 4 etwa empfehlen, weil es doch teilweise sehr hektische Bewegungen auf dem Bildschirm sind.

4. Die Augsburger Puppenkiste: Die Weihnachtsgeschichte

Ganz im Gegensatz zu etwa Arthur Weihnachtsmann ist dies ein sehr ruhiger Film. Die Augsburger Puppenkiste spielt vor einem Live-Publikum die Weihnachtsgeschichte rund um Josef, Maria und den kleinen Jesus. Was viele vielleicht als langweilig oder nicht mehr zeitgemäß bezeichnen würden, entfacht hier eigentlich seinen wahren Zauber: Die Kunst der Langsamkeit und die Kunst, Kinder langsamen Dingen folgen zu lassen. Und es erfordert von uns, die Langsamkeit auszuhalten. Das ist eine Art zuzusehen, die auch wir Erwachsenen in schnellen Zeiten oft verlernt haben. Dass man bei der Augsburger Puppenkiste genau sehen kann, woraus die Figuren gestaltet sind, bringt Langvermisstes zurück auf den Bildschirm. Der Film geht etwa eine Stunde und bringt uns vor allem in diesem Jahr ein bisschen Weihnachtstheater nach Hause.

5. Pettersson und Findus: Das schönste Weihnachten überhaupt

Dieser Film darf auf einer Liste von Weihnachtsfilmen für Vorschulkinder nicht fehlen. Angelehnt an das Weihnachtsbuch von Pettersson und Findus ist diese Produktion von 2017 gestaltet: Pettersson und Findus sind auf ihrem Hof eingeschneit. Kurze Zeit später verletzt sich Pettersson beim Schlagen des Tannenbaums am Fuß, sodass er nicht in die Stadt fahren und Besorgungen machen kann. Findus hat Angst, dass Weihnachten eine Katastrophe wird, nach einem Streit vertragen sich die beiden. Schließlich schafft es Pettersson auch, Hilfe anzunehmen und das Weihnachtsfest wird auf jeden Fall ein besonderes.
Besonders angenehm ist bei diesem Film die Mischung aus Animation und echten Schauspieler*innen, nicht nur ist die Geschichte sehr rührend, sie ist auch weniger hektisch als beispielsweise die Zeichentrickserie.

6. Aschenbrödel und der gestiefelte Kater

Dieser letzte ist mehr ein Winter-, als ein Weihnachtsfilm. Bei diesem Titel denkt man zunächst an klassische Aschenbrödel-Verfilmungen, aber Aschenbrödel und der gestiefelte Kater ist eine einstündige Produktion von 2013, die ähnlich wie der Weihnachtsfilm der Augsburger Puppenkiste Aufnahmen von einer wirklichen Theateraufführung in die Handlung integriert. Ein Junge namens Paul zieht nach Berlin und dort ist erstmal alles ungewohnt und neu – das ist im Prinzip schon die Rahmenhandlung. Er entdeckt dann mithilfe seines Teddys die Märchenhütte und sowohl Paul als auch die Zuschauenden vor dem Bildschirm werden zum Mitklatschen, Mitstampfen und Mitjubeln animiert. Manchmal sind die Dialoge der Theaterbühne etwas komplex, aber gerade im Vorschulalter ist es im Großen und Ganzen ein besonderes Erlebnis.

Cover von Montessori für Eltern

Rezension: Montessori für Eltern (Simone Davies)

Im BELTZ-Verlag ist 2020 Montessori für Eltern von Simone Davies erscheinen, ein Ratgeber für Eltern, die ihren Alltag mit Kindern nach Maria Montessori gestalten möchten. Es wurde aus dem Amerikanischen übersetzt von Karin Wirth und mit Illustrationen von Hiyoko Imai versehen. Die englische Variante The Montessori Toddler war schon sehr beliebt, jetzt ist der Ratgeber für Eltern von Kleinkindern auch auf Deutsch erhältlich.

Verbindung von Theorie und Praxis

In zehn Kapiteln gibt Simone Davies einen umfassenden Einblick in Themen, die Familien begegnen, wenn sie sich mit Montessori-Pädagogik befassen: Angefangen mit einem grundlegenden Blick auf Kinder, werden zunächst die Grundlagen Montessoris so erklärt, dass sie verständlich sind und auch die Unterschiede zu herkömmlicher Pädagogik deutlich werden. Simone Davies erklärt, was genau Montessori-Aktivitäten sind und wie sie den Kindern eine ganzheitliche Entwicklung ermöglichen. Um die Umgebung der Kinder für sie vorzubereiten, widmet sich ein ganzes Kapitel der Frage, wie man auch das Zuhause dementsprechend einrichten kann. Dass es aber auch auf das Verständnis der Grundsätze und das Finden und Festigen der eigenen Rolle ankommt, zeigt sie etwa am Kapitel zum Verhältnis von Kooperation und Grenzen und den Aufgaben der Erwachsenen. Es ist eine bunte Mischung aus Theorie und Praxis, auch ganz praktische Alltagssituationen werden behandelt: Beispielsweise das Essen oder Schlafen, das Zähneputzen oder Frustration.

Undogmatisch: Beispiele statt Zwänge

Besonders positiv fällt an Davies’ Ratgeber die undogmatische Herangehensweise auf: Es geht in diesem Buch nicht darum, alles 1:1 so umzusetzen, wie es vorgeschlagen wird, alles genauso zu bewerten oder dieselben Materialien zu kaufen. Vielmehr schwingt die ganze Zeit der Tenor mit, dass dies Anreize sind, Beispiele aus der Montessori-Praxis, die es Eltern erleichtern sollen, montessori-orientiert mit ihren Kindern umzugehen. Es ist eben kein klassischer Erziehungsratgeber, sondern ein Guide für die Umsetzung eines montessoripädagogischen Famillienalltags, genauso so kommt es auch rüber und sollte auch so verstanden werden. Im Kapitel zur Bildschirmzeit etwa werden nicht Bildschirme per se verurteilt, sondern Simone Davies zeigt auf, warum es bei ihr persönlich eine Begrenzung der Zeit gab und wie sich diese änderte.

Übersichten und weitere Informationen

Am Ende des Buches findet man schließlich eine sehr übersichtliche Darstellung von Altersstufen des Kindes zwischen ca. einem Jahr bis ins Kindergartenalter und entsprechenden Aktivitäten. Simone Davies ergänzt die hilfreichen Angaben auch um weiterführende Lektüre, Kriterien für gute Einrichtungen und Bezugsquellen für Material. Auch hier liegt der Fokus wieder auf niedrigschwelligen Beispielen, es wird keine teure Ausstattung als erforderlich ausgewiesen, sondern es finden sich hier auch Inspirationen von Flohmärkten oder kleineren (Online-)Plattformen und Shops.

Montessori für Eltern deckt ein so breites theoretisches und praktisches Spektrum ab, dass es das ideale Werk ist sowohl für Eltern, die sich ganz neu für Montessori-Pädagogik interessieren als auch für Eltern, die noch tiefer in das Thema einsteigen wollen.

Simone Davies: Montessori für Eltern
BELTZ Verlag. Weinheim 2020. 303 Seiten.
ISBN: 978-3-407-86612-7.
Paperback: 24,95€

Bild vom Eingangsschild des Naturparkzentrums

Ausflug zu Corona-Zeiten in Brandenburg: Das Wildgehege Glauer Tal

Mit Kindern in Corona-Zeiten einen Ausflug zu machen, ist gar nicht so leicht, wenn man sich an ausreichend Abstand halten muss und möchte. Viele Einrichtungen haben zudem noch nicht wieder geöffnet. Eine Option für Familien aus Berlin und Brandenburg möchte ich euch heute aber vorstellen: Das Wildgehege Glauer Tal im Naturpark Nuthe-Nieplitz.

Das Wildgehege Glauer Tal

Laut Angaben des Naturparkzentrums am Wildgehege Glauer Tal liegt das Gehege circa 20 Kilometer südlich von Berlin und circa 30 Kilometer südwestlich von Potsdam. Wir haben es aus Potsdams Norden mit dem Auto innerhalb von 45 Minuten erreicht. Ich habe die Verbindungen noch einmal mit dem ÖPNV nachgeguckt, aber das kann ich zumindest aus Potsdam nicht empfehlen. Wir hätten für eine Tour damit mindestens 2,5 Stunden benötigt. Von Berlin aus scheint dies – zumindest normalerweise – einfacher zu sein: Mit dem Regionalexpress kann man in 30 Minuten bis Trebbin fahren und sich schon vor Abfahrt um den Rufbus kümmern, der dann vom Bahnhof Trebbin bis zum Naturparkzentrum fährt. Aktuell würde ich hier sicherheitshalber noch einmal vorher anrufen.

Der Naturpark Nuthe-Nieplitz und das Wildgehege Glauer Tal

Wir sind direkt bis zum Parkplatz des Naturparkzentrums gefahren und haben uns für einen Spaziergang im Wildgehege entschieden, es hätte auch zahlreiche Wege außerhalb gegeben. Im Naturparkzentrum hat ein Fenster geöffnet, das Betreten des Zentrums ist aktuell nicht möglich. Das Bezahlen des Eintritts für das Wildgehege und das Fragen nach weiteren Informationen funktionieren aber problemlos durchs Fenster. Sogar ausgewählte Getränke hätten wir uns dort mitnehmen können, wir hatten uns aber schon genug Proviant eingepackt. Die Toilette des Zentrums kann ebenfalls genutzt werden, momentan ist das barrierefreie WC (für alle) zugänglich und es darf nur eine Person zur Zeit hierfür ins Gebäude eintreten, es sei denn es sind Kinder, die von jemandem begleitet werden. In diesem WC befindet sich auch ein Wickeltisch.

Der Eintritt in das Wildgehege Glauer Tal

Den Eintritt in das Wildgehege empfanden wir als sehr fair. Erwachsene zahlen üblicherweise 4€, Kinder unter 6 Jahren sind frei und Kinder ab 6 Jahren sowie Studierende und andere Ermäßigungsberechtigte zahlen 1,50€. Dafür kann man zwischen 10 und 17 Uhr im Gehege verweilen.

Verschiedene Routen bieten Platz für alle

Ausflug zu Corona-Zeiten : Viel Platz und wenig los

Was uns heute am meisten gefreut hat, war die Weite des Geheges. Wir wissen nicht, wann wir das letzte Mal so weit gucken konnten ohne uns um den nötigen Abstand zu anderen kümmern zu müssen – es war nämlich kaum jemand da. In drei Stunden haben wir gerade einmal zwei andere Familien gesehen. Aufgrund von verschiedenen Routen, die gelaufen werden können, verteilt sich der Besuch sehr gut. Und selbst da, wo man sich dann doch mal trifft, ist so viel Platz, dass man viele Meter Abstand halten kann. Sicherlich war es auch ganz gut, dass wir schon vormittags da waren, aber ich denke, dass man sich auch am Nachmittag hier sehr gut arrangieren kann, ohne gestresst zu sein.

Hier sind Abstandsregelungen kein Problem

Was kann man dort mit Kindern machen?

Eins muss man hierzu vielleicht sagen: Ein Wildgehege ist natürlich kein Zoo. Man muss sehr genau gucken, um Tiere zu entdecken, aber das mag ich sowieso lieber, als mir Tiere in Käfigen anzusehen. Dass auch hier alle Spielgeräte natürlich momentan abgesperrt sind, ist schade, aber sie sind teilweise so versteckt, dass es gar nicht so sehr auffällt. Schon außerhalb des Bezahl-Bereiches gibt es für Kinder viel zu entdecken, beispielsweise die Streuobstwiese hinter dem Parkplatz, bei der man mit einem Fernglas die Bäume ansehen kann.

Im Gehege selbst haben wir uns dann auf Spurensuche begeben, was uns die ganze Zeit über sehr gut beschäftigt hat. Wir haben Spuren auf dem Weg gesucht, die Route anhand von farblichen Markierungen an den Bäumen gefunden, die nummerierten Bänke gesucht und anhand der Einzeichnung in der Karte herausgefunden, wie viel Strecke wir bereits zurückgelegt haben. An verschiedenen Hinterlassenschaften der Tiere haben wir gerätselt, wie groß wohl das dazugehörige Tier sein muss. Dadurch, dass man ein Laufrad mit hinein nehmen darf, haben wir mehrere Kilometer zurückgelegt und auf den Bänken zwischendurch Pausen eingelegt. Wir hatten auch Glück: Neben Vögeln, Schmetterlingen und Krabbeltieren haben wir auch an zwei verschiedenen Stellen Wild beobachten können. Das war für die Kinder natürlich sehr aufregend!

Auch ohne den Spielplatz gibt es hier genügend Bewegung für Kinder

Das Wildgehege Glauer Tal als Ort für einen Ausflug zu Corona-Zeiten in Brandenburg

Uns allen hat dieser Ausflug heute sehr gut getan. Die Kinder konnten laufen, bis die Füße sie nicht mehr trugen, wir konnten die Natur genießen und wirklich sehr stressfrei Zeit miteinander verbringen. Ich kann einen Ausflug hierhin wirklich nur empfehlen und wir werden auf jeden Fall wiederkommen!

Blick in den leeren Weg eines Waldes

Corona-Krise als Familie: Was wir alles nicht gemacht haben werden.

Lange war es hier still, aber die Fragen danach, wie es uns gerade in der Corona-Krise geht und wie das Studium läuft, mehren sich. Also gibt es heute Neuigkeiten aus dem Hause eenemeenemama!

Instagram, Facebook und Twitter sind gerade voll mit Ideen, wie man aktuell mit Kindern durch die Zeit kommt. An den ersten Tagen fand ich das super und inspirierend, habe auch den einen oder anderen Basteltipp gespeichert. Habe an Familien mit Schulkindern Plattformen weitergeleitet, die ihre Nachhilfeprogramm jetzt online kostenlos zur Verfügung stellen. Ich war ein bisschen wie Bob der Baumeister: jo, wir schaffen das. Und dann überschlugen sich die Nachrichten täglich und mittlerweile bin ich froh, dass wir überhaupt gerade hier sind, wo wir sind. In Schleswig-Holstein, unserer Heimat, in der wir ewig gelebt haben und wo wir uns diese Woche zum ersten Mal fragen mussten, ob wir langsam eine Aufenthaltsgenehmigung brauchen, um hier zu sein. Wir unterstützen uns mit Familie gegenseitig, haben seit einer Woche einen wuseligen Haufen an Kindern und Erwachsene, die im Home-Office arbeiten können, wir isolieren uns gemeinsam.

Ich bin sehr vorsichtig, was Corona angeht, ich halte mich gerne an die Regeln, ich finde alles, was zu #flattenthecurve und #stayathome beiträgt super sinnvoll. Aber ich stelle auch fest, dass sich unser Alltag gar nicht so wahnsinnig doll von vorher unterscheidet, eher fühlt es sich an, als hätten wir uns die letzten Monate Stück für Stück dem Frühling entgegengearbeitet und jetzt käme eine riesige Welle, die uns wieder zurückspült. Während sich auf Instagram alle Aktivitäten überschlagen, wird mir deutlich, wie intensiv unsere vergangenen 1,5 Jahre waren. All das, was man jetzt gerade nicht machen kann, ging mit Ausnahme von Tierparks in den letzten 1,5 Jahren für uns nicht oder nur kaum. Wir waren seit der Schwangerschaft mit unserem Sohn nicht feiern, wir waren nicht im Kino, auf keinem Konzert, wir waren nicht im Restaurant und auch nicht entspannt im Café. Wenn, dann eine*r einzeln auf dem Weg irgendwohin. Wir waren zwar zwei Mal in Dänemark, aber wir hatten sowieso keine Elternzeit auf Bali oder in Costa Rica. Wir haben überwiegend im Home Office gearbeitet und studiert, nur wenn Kurse waren, waren wir in den Uni-Gebäuden. Bücher für Hausarbeiten hole ich schon lange nur noch aus der Bibliothek, um sie dann zu Hause durchzuarbeiten. Bis Februar hatten wir jeden Tag mindestens ein Kind zu Hause. Ein Kind mit starken Bedürfnissen, das weder im Kinderwagen liegen noch ohne Körperkontakt schlafen wollte, das immer in Bewegung war und in den ersten Monaten abends oft stundenlang weinte. Wir haben es zwar damals schon gewusst, aber jetzt fällt es uns erstrecht auf: Das alles war super anstrengend, hat uns sozial im Grunde bis auf gute Freund*innen in Potsdam im real life isoliert, der Rest fand hauptsächlich – wenn überhaupt noch – virtuell statt. Viele Veranstaltungen haben wir nicht wahrgenommen.

Vor ungefähr einem Monat haben wir aufgeatmet. Beide Kinder waren in der Kita, mehrere Stunden am Tag. Wir haben zu normalen Uhrzeiten so viel für die Uni geschafft, nicht nur abwechselnd oder abends. Wir haben in Ruhe eingekauft, die Wohnung geputzt, alleine Termine an der Uni wahrgenommen und wirklich nach langer Zeit wieder Raum gespürt. Wahrscheinlich haben wir gleich viel geschafft wie vorher, nur zu humanen Uhrzeiten. Und nun kam die Welle, drückt den Reset-Knopf, lässt uns wieder an den Start zurückgehen und wir sind noch eingeschränkter, weil eben auch Einkaufen und der Nahverkehr anders funktionieren. Wie gesagt, alles richtig angesichts der Lage gerade. Aber es arbeitet in uns.

Corona-Krise als Familie: Man muss nicht alles mitmachen

Und während ich jetzt auf Instagram lese, dass das alles eine große Chance für die Menschheit ist und wir jetzt endlich Zeit haben, mit unseren Kindern zu spielen usw., kommen hier meine ganz persönlichen Highlights für die kommenden Wochen. Nämlich all die Dinge, die ich nicht getan haben werde:

  • Ich werde kein Zimmer gestrichen haben.
  • Ich werde keinen Garten angelegt haben.
  • Ich werde keine Knete selbstgemacht haben.
  • Ich werde kein Buch über Achtsamkeit mit Kleinkindern geschrieben haben.
  • Ich werde niemals Anhängerin der Kitafrei-Bewegung sein.
  • Ich werde weder Spanisch noch Gebärdensprache gelernt haben.
  • Ich werde nicht aussehen, als hätte ich meine Quarantäne im Fitnessstudio verbracht.
  • Ich werde nicht ganze Serien auf Netflix durchgesehen haben.
  • Ich werde kein Abo für Disney+ haben.
  • Und ganz sicherlich werde ich nicht davon sprechen, dass das alles eine große Chance für die Menschheit war.

Und das alles ist auch völlig okay. Denn es ist keine große Chance, es ist eine Krise. Natürlich versuchen auch wir, die positiven Momente zu sehen, denn diese Krise hat ein Ausmaß, dass wir uns nicht vorstellen können. Niemand kann gerade wissen, wann die Kitas wieder aufmachen, niemand weiß, wie das alltägliche Leben in den nächsten 12 Monaten aussehen wird.

Und wenn man jetzt plötzlich viel Zeit mit den Kindern hat, dann freut mich das sehr. Es freut mich, wenn Familien die Zeit im Garten verbringen können oder sich überhaupt mal mehr sehen. Ich sehe nur aber auch, wie viele Familien gerade strugglen. Wie viele sich aufreiben zwischen Home Office und Kinderbetreuung, zwischen Geld verdienen und kochen müssen. Mit Kindern, die in der Wohnung nicht ausgelastet sind und nicht dem Geld auf dem Konto oder der passenden Quadratmeterzahl, um ein Indoor-Trampolin zu kaufen. Familien, die sich fragen, wie sie das warme Mittagessen stemmen sollen, während Teile des Einkommens Wegbrechen. Und Familien, die ihre Kinder mit schlechtem Gewissen in der Notbetreuung haben, weil sie in systemrelevanten Berufen arbeiten und dafür statt sofortiger und dauerhafter Gehaltserhöhung gelegentlich Applaus aus anonymen Fenstern bekommen.

Was ich dir sagen will, ist: Alles ist voll mit Tipps und Chancen und positiver Energie und ich freue mich für alle, die durch diese merkwürdigen Wochen gerade vor Kreativität und Aktionismus nur so sprudeln, aber ist auch okay, wenn man mal was anderes lesen muss. Wenn man froh ist, dass alle ein Mal am Tag an der frischen Luft waren und man währenddessen keine Kunstwerke aus Klopapierrollen und Krepppapier gefertigt hat. Man kriegt sehr schnell das Gefühl, etwas zu verpassen oder nicht so viel zu spielen wie andere Familien. Das fühlt sich ungefähr so an wie vor zwei Jahren, als mir das Land Brandenburg einen Flyer zur Elternzeit schickte mit dem Hinweis, man könne ja Fortbildungen machen, damit man danach noch mit den Kolleg*innen mithalten könnte. Wenn das System seine Chancen erkennt, haben wir dafür auch später noch Zeit. Man muss jetzt nur einigermaßen gesund durch die kommenden Monate kommen und dabei nicht verrückt werden.

Haltet die Ohren steif und die Hände sauber!

Rezension: Hochsensibel Mama sein. Das Ressourcen-Buch. (Kathrin Borghoff)

Hochsensibel Mama sein – was ist das? Neben Worten wie Gefühlsstärke liest sich auch das Wort Hochsensibilität immer häufiger, im Zusammenhang mit Kindern, aber auch mit Erwachsenen. Hochsensible Menschen (zu denen je nach Bericht jeder vierte bis fünfte Mensch in Deutschland zählt), lassen sich nicht pauschal definieren, haben aber häufig eine ausgeprägte Feinfühligkeit, verarbeiten tief und sind auch in ihren Sinnen sehr empfindsam. Hochsensibilität in Kombination mit Mutterschaft kann aus verschiedensten Gründen sehr intensiv sein.

Kathrin Borghoff, die sich selbst auch als hochsensibel beschreibt, ist Mutter und arbeitet als Familiencoach mit dem Schwerpunkt Hochsensibilität. In Hochsensibel Mama sein. Das Ressourcen-Buch verbindet sie eigene Erfahrungen, Erkenntnisse aus der Forschung und Erfahrungen aus ihrer praktischen Arbeit. Diese verschiedenen Ebenen holen unterschiedlichste Leser*innen dort ab, wo sie es benötigen. In zehn Kapiteln schlägt sie den Bogen von einer Einführung über Hochsensibilität, hochsensible Mutterschaft und Möglichkeiten der Selbst-Testung über das Erkennen der eigenen Grenzen und der möglichen Ressourcen hin zu konkreten Übungen für einen alltäglichen Umgang mit der eigenen Hochsensibilität und der der Kinder, die sie eventuell vererbt bekamen.

Hochsensibel Mama sein: Jede Geschichte ist ganz individuell.

Dass Hochsensibilität dabei so verschieden sein kann wie die Menschen, die diese bei sich selbst entdecken, betont Kathrin Borghoff immer wieder. So gibt es nicht das eine Set von Merkmalen, nicht die gleichen Stressoren, nicht automatisch sind hochsensible Menschen auch introvertiert. Da es keine pauschale Ausgangssituation gibt, liefert die Autorin auch keine pauschale Antwort, sondern vielmehr – und das macht das Buch gerade so sympathisch – Impulse und Gedanken, in denen man sich selbst wiederfinden oder sich von ihnen abgrenzen kann und Übungen, die die Leser*innen dazu befähigen, sich ihren eigenen Fahrplan für die Zukunft zu gestalten.

Warum es Spaß macht, eine hochsensible Autorin zu lesen

In jedem Kapitel spürt man, wie viel Arbeit Kathrin Borghoff in dieses Buch investiert hat. Wie sorgsam die begleitenden Geschichten aus ihren Coachings ausgewählt wurden und wie sie auch über Momente spricht, die ganz persönlich mit ihr selbst zu tun haben. An keiner Stelle ist Hochsensibel Mama sein. Das Ressourcen-Buch oberflächlich, vielmehr kommt es immer wieder zurück auf seinen eigentlichen Zweck: Die angesprochenen Mütter auf ihrem Weg zu unterstützen, ihnen Werkzeuge an die Hand zu geben und zu zeigen: Man ist nicht allein. Kathrin Borghoff legt dennoch auch den Finger in die Wunde und animiert an Stellen, an denen eventuell ein Rückzug in ein Schneckenhaus logisch erscheinen würde, zum über sich hinaus Wachsen.

Abwechslungsreich integriert sie auch flankierende Themen, greift die Erkenntnisse der Bindungsforschung auf und reflektiert diese, bricht sie herunter auf die Entscheidungen, die Familien hierzu treffen können. Sie erklärt Themen so präzise, dass vielleicht die einen oder anderen Ratgeber nicht mehr gelesen werden müssten – nennt aber auch Blogs oder andere Projekte im Internet, denen man hingegen sehr gut nachgehen könnte. Es ist sehr angenehm zu lesen, wie sie Namen nennt von Personen, die sie inspiriert haben und wie sie ihre Bühne mit ihnen teilt. Besonders fällt auf, wie Kathrin Borghoff den Leser*innen immer einen Schritt voraus zu sein scheint. Die Führung durch das Buch ist sehr logisch, aufeinander aufbauend und beantwortet aufkommende Gedanken direkt.

Was dieses Buch leisten kann

Dies ist kein Buch für eine leichte, amüsante Lektüre vor dem Schlafengehen. Es ist stattdessen tiefergehend, aufwühlend und voller Kraft und Verständnis. Dies ist ein Buch, das Zeit benötigt, denn hier wird nicht nur gelesen, hier arbeitet das Gehirn dabei auf Hochtouren. Es gibt Stellen, an denen man es vor lauter Gedanken noch einmal weglegen und später wieder zurückkommen muss. Das mag manchmal etwas anstrengend erscheinen, aber Kathrin Borghoff verdeutlicht: Nur auf der Erkenntnis der Hochsensibilität ausruhen genügt nicht. Denn darauf folgt ein langer Prozess, den man selbst gehen muss, an dessen Ende aber ganz viel Schönes wartet.

Eine klare Leseempfehlung für alle, die merken, dass sie ein bisschen mehr merken als die meisten um sie herum. Die mehr fühlen, mehr hören, mehr empfinden und damit nicht immer umgehen können oder es bisher nicht lernen konnten. Für alle, die erst mit ihrer Mutterschaft entdeckt haben, dass irgendetwas anders ist und diejenigen, die es schon vorher wussten. Und eine klare Leseempfehlung für alle, die mit jemandem zusammen erziehen, der oder die sich als hochsensibel einordnet. Kathrin Borghoff gewährt einen Einblick, wie es in dem anderen Kopf aussehen kann.

Kathrin Borghoff: Hochsensibel Mama sein. Das Ressourcenbuch.
BELTZ-Verlag. Weinheim 2020. 291 Seiten.
ISBN: 978-3-407-86581-6
Paperback: 19,95€