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Rezension: Hochsensibel Mama sein. Das Ressourcen-Buch. (Kathrin Borghoff)

Hochsensibel Mama sein – was ist das? Neben Worten wie Gefühlsstärke liest sich auch das Wort Hochsensibilität immer häufiger, im Zusammenhang mit Kindern, aber auch mit Erwachsenen. Hochsensible Menschen (zu denen je nach Bericht jeder vierte bis fünfte Mensch in Deutschland zählt), lassen sich nicht pauschal definieren, haben aber häufig eine ausgeprägte Feinfühligkeit, verarbeiten tief und sind auch in ihren Sinnen sehr empfindsam. Hochsensibilität in Kombination mit Mutterschaft kann aus verschiedensten Gründen sehr intensiv sein.

Kathrin Borghoff, die sich selbst auch als hochsensibel beschreibt, ist Mutter und arbeitet als Familiencoach mit dem Schwerpunkt Hochsensibilität. In Hochsensibel Mama sein. Das Ressourcen-Buch verbindet sie eigene Erfahrungen, Erkenntnisse aus der Forschung und Erfahrungen aus ihrer praktischen Arbeit. Diese verschiedenen Ebenen holen unterschiedlichste Leser*innen dort ab, wo sie es benötigen. In zehn Kapiteln schlägt sie den Bogen von einer Einführung über Hochsensibilität, hochsensible Mutterschaft und Möglichkeiten der Selbst-Testung über das Erkennen der eigenen Grenzen und der möglichen Ressourcen hin zu konkreten Übungen für einen alltäglichen Umgang mit der eigenen Hochsensibilität und der der Kinder, die sie eventuell vererbt bekamen.

Hochsensibel Mama sein: Jede Geschichte ist ganz individuell.

Dass Hochsensibilität dabei so verschieden sein kann wie die Menschen, die diese bei sich selbst entdecken, betont Kathrin Borghoff immer wieder. So gibt es nicht das eine Set von Merkmalen, nicht die gleichen Stressoren, nicht automatisch sind hochsensible Menschen auch introvertiert. Da es keine pauschale Ausgangssituation gibt, liefert die Autorin auch keine pauschale Antwort, sondern vielmehr – und das macht das Buch gerade so sympathisch – Impulse und Gedanken, in denen man sich selbst wiederfinden oder sich von ihnen abgrenzen kann und Übungen, die die Leser*innen dazu befähigen, sich ihren eigenen Fahrplan für die Zukunft zu gestalten.

Warum es Spaß macht, eine hochsensible Autorin zu lesen

In jedem Kapitel spürt man, wie viel Arbeit Kathrin Borghoff in dieses Buch investiert hat. Wie sorgsam die begleitenden Geschichten aus ihren Coachings ausgewählt wurden und wie sie auch über Momente spricht, die ganz persönlich mit ihr selbst zu tun haben. An keiner Stelle ist Hochsensibel Mama sein. Das Ressourcen-Buch oberflächlich, vielmehr kommt es immer wieder zurück auf seinen eigentlichen Zweck: Die angesprochenen Mütter auf ihrem Weg zu unterstützen, ihnen Werkzeuge an die Hand zu geben und zu zeigen: Man ist nicht allein. Kathrin Borghoff legt dennoch auch den Finger in die Wunde und animiert an Stellen, an denen eventuell ein Rückzug in ein Schneckenhaus logisch erscheinen würde, zum über sich hinaus Wachsen.

Abwechslungsreich integriert sie auch flankierende Themen, greift die Erkenntnisse der Bindungsforschung auf und reflektiert diese, bricht sie herunter auf die Entscheidungen, die Familien hierzu treffen können. Sie erklärt Themen so präzise, dass vielleicht die einen oder anderen Ratgeber nicht mehr gelesen werden müssten – nennt aber auch Blogs oder andere Projekte im Internet, denen man hingegen sehr gut nachgehen könnte. Es ist sehr angenehm zu lesen, wie sie Namen nennt von Personen, die sie inspiriert haben und wie sie ihre Bühne mit ihnen teilt. Besonders fällt auf, wie Kathrin Borghoff den Leser*innen immer einen Schritt voraus zu sein scheint. Die Führung durch das Buch ist sehr logisch, aufeinander aufbauend und beantwortet aufkommende Gedanken direkt.

Was dieses Buch leisten kann

Dies ist kein Buch für eine leichte, amüsante Lektüre vor dem Schlafengehen. Es ist stattdessen tiefergehend, aufwühlend und voller Kraft und Verständnis. Dies ist ein Buch, das Zeit benötigt, denn hier wird nicht nur gelesen, hier arbeitet das Gehirn dabei auf Hochtouren. Es gibt Stellen, an denen man es vor lauter Gedanken noch einmal weglegen und später wieder zurückkommen muss. Das mag manchmal etwas anstrengend erscheinen, aber Kathrin Borghoff verdeutlicht: Nur auf der Erkenntnis der Hochsensibilität ausruhen genügt nicht. Denn darauf folgt ein langer Prozess, den man selbst gehen muss, an dessen Ende aber ganz viel Schönes wartet.

Eine klare Leseempfehlung für alle, die merken, dass sie ein bisschen mehr merken als die meisten um sie herum. Die mehr fühlen, mehr hören, mehr empfinden und damit nicht immer umgehen können oder es bisher nicht lernen konnten. Für alle, die erst mit ihrer Mutterschaft entdeckt haben, dass irgendetwas anders ist und diejenigen, die es schon vorher wussten. Und eine klare Leseempfehlung für alle, die mit jemandem zusammen erziehen, der oder die sich als hochsensibel einordnet. Kathrin Borghoff gewährt einen Einblick, wie es in dem anderen Kopf aussehen kann.

Kathrin Borghoff: Hochsensibel Mama sein. Das Ressourcenbuch.
BELTZ-Verlag. Weinheim 2020. 291 Seiten.
ISBN: 978-3-407-86581-6
Paperback: 19,95€

Symbolbild: Kind läuft über einen Weg

Wie ein Kitawechsel Entspannung in unseren Familienalltag brachte

Es ist fast drei Jahre her, dass ich den großen braunen Umschlag aus dem Briefkasten holte, mein Mann war gerade dabei, unsere Tochter für den Mittagsschlaf hinzulegen. Ich überlegte, ob ich ihn alleine öffnen sollte und entschied mich dafür. Und so las ich, sehr angespannt und auf alles gefasst, dass wir den Platz in unserer Wunschkita bekommen hatten. Ich habe innerlich Luftsprünge gemacht und meinem Mann direkt eine Nachricht ins andere Zimmer geschickt: „Wir haben den Platz!“. Einen Kitaplatz in Potsdam zu finden, stellte sich damals als schwieriges Unterfangen heraus. Einen Platz in einem Montessori-Kindergarten zu bekommen, wäre der Sechser im Lotto gewesen. Und wir hatten ihn tatsächlich ergattert. Es gab nur einen einzigen, klitzekleinen Haken: Die Kita war in einem ganz anderen Stadtteil. Solange ich noch wegen der Uni ohnehin mehrmals die Woche in die Richtung musste, war das nicht weiter problematisch, aber als meine Kurse weniger wurden, insbesondere, als ich mit unserem zweiten Kind schwanger war, wurde es schwieriger. 

Kitawechsel: Warum jetzt?

Wir haben also seit zwei Jahren versucht, eine Wohnung in dem Stadtteil der Kita zu bekommen. Und waren erfolglos. Egal, auf welche Wohnung wir uns gemeldet haben, entweder kam gar keine Antwort oder die Vermietenden waren spätestens dann raus, als sie lasen, dass wir beide noch studieren. Sie waren nicht darauf angewiesen, einer studierenden Familie die Wohnung zu geben. Dazu kam, dass sich die Mieten hier in den letzten zwei Jahren auch stark verändert haben und wir uns sehr viele Wohnungen dort ohnehin nicht mehr hätten leisten können. 

Daher bissen wir in den sauren Apfel und fuhren jeden Tag die Strecke zum Kindergarten. Mit dem Fahrrad brauchte ich für eine Strecke 35 Minuten, mit dem Auto durch den Stadtverkehr für eine Strecke 25 Minuten, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln 45-60 Minuten. Hin und zurück war ich also an Tagen, an denen ich nicht in die Uni musste, mit Hinbringen und Abholen zwei Stunden unterwegs. 10 Stunden die Woche nur für den Weg zur Kita. Genauso viele Stunden arbeiteten wir in unseren Nebenjobs. Das hat nicht nur uns viel Zeit und Nerven gekostet, sondern auch unsere Kinder. Unser Sohn fährt sehr ungerne Auto. Er musste aber mit, wenn die Schwester hingebracht oder abgeholt werden musste und der andere von uns keine Zeit hatte. Auch unserer Tochter wurde es zunehmend nicht mehr gerecht, nach dem Kindergarten eine halbe Stunde lang angeschnallt im Auto zu sitzen. Wir hatten so viele „Pause-Tage“, weil wir uns an stressigen Morgenden die Fahrerei nicht antun wollten. 

Nachdem wir im Sommer dann noch mehr Absagen für Wohnungen im anderen Stadtteil und Absagen für Tagesmütter für unseren Sohn erhalten haben, habe ich daher in einer Kurzschlussreaktion einen anderen Weg versucht: Ich habe beide Kinder in einer Kita in unserer Nähe angemeldet. 10 Minuten für eine Strecke mit dem Fahrrad, 15, wenn unsere Tochter selber fährt. Und wir haben die Plätze bekommen. Wieder ein Sechser im Lotto eigentlich. 

Im November startete unsere Tochter, die Eingewöhnung unseres Sohnes beginnt in vier Wochen. Der Wechsel fiel uns Eltern sehr schwer. Als wir herzogen und keinen Kita-Platz bekamen, war das für uns ein Grund, eventuell wieder wegzuziehen. Zwei Jahre später war der Platz im Montessori-Kindergarten, der wie ein zweites Zuhause für uns wurde, neben unseren guten Freunden hier der Grund, zu bleiben. Wir waren angekommen. Unser Kindergarten war wunderbar. 

Der Alltag entspannte sich schon nach wenigen Wochen

Aber wir haben ziemlich schnell erkannt: Der Kita-Wechsel hat unseren Alltag wirklich merklich entspannt. Ich kann wieder viel mehr Touren übernehmen, weil ich nicht mehr gestresst bin, weil unser Sohn auf dem Rücksitz weint. Das Lastenrad findet er gut. Unsere Tochter fährt fast jeden Tag selbst mit dem Fahrrad und wir kommen „hilf mir, es selbst zu tun“ so viel näher als mit dem Auto. Sie ist durch das Fahren ausgelastet und geht nicht mehr um 23 Uhr ins Bett. Wir belasten die Umwelt weniger, weil wir unser Auto nicht mehr für den Stadtverkehr benutzen und das entspannt unser Gewissen. Wir sind jeden Tag nur noch halb so lange für die Kita-Touren unterwegs und dabei bei jedem Wetter an der frischen Luft, auch wir selbst fahren so mehr Fahrrad. Und unsere Tochter ist glücklich, weil wir sie dadurch jeden Tag eine Stunde früher abholen und nachmittags mehr Zeit miteinander haben können. 

Und das beste: Unsere Tochter fühlt sich im neuen Kindergarten sehr wohl. Es fühlt sich auch für uns sehr gut an, sie tagsüber dort zu lassen. Ich bin gespannt, wie die Eingewöhnung mit unserem Sohn in vier Wochen aussehen wird – und vor allem auf die Zeit danach! 

Weihnachtstraditionen: Bild von selbstgebasteltem Tannenbaumschmuck

Weihnachtstraditionen: Dieses Jahr ist alles etwas anders.

In diesem Jahr fühlen sich Weihnachten und Weihnachtstraditionen anders an als sonst. Vielleicht liegt es an den sieben Grad Außentemperatur, vielleicht aber auch noch an viel mehr. Lange habe ich versucht, herauszufinden, was mich davon abhält, in völlige Weihnachtseuphorie zu verfallen und gestern fiel es mir dann endlich ein: Dies ist das letzte Weihnachten in unserer kleinen Familie, das irgendwie so wird wie die vergangenen Jahre.

Im nächsten Jahr wird sich unser Leben nämlich wahrscheinlich einmal auf den Kopf stellen. Weihnachten fällt ja ungünstigerweise mit dem Jahresende zusammen und während ich seit einer Woche an den Reflektionen des Jahres sitze, fällt mir auf, dass so vieles noch unabgeschlossen ist. Dass unter so vieles noch kein Schlussstrich gezogen werden kann. Und dass niemand sagen kann, wo und wie wir nächstes Jahr Weihnachten feiern. Wir wissen ja nichtmal, ob wir dann noch hier wohnen.

Mein Mann wird in den nächsten Monaten sein Masterstudium beenden. Ich folge dann im Sommer. Bei uns beiden führt das Studium nicht zu einer konkreten Tätigkeit, deshalb gibt es ungefähr mindestens 50 Möglichkeiten, was wir für Jobs haben werden, wenn wir in einem Jahr wieder einen Weihnachtsbaum irgendwo aufstellen. Vielleicht in dieser Wohnung, vielleicht in einer größeren, vielleicht in dieser Stadt, vielleicht in Berlin, vielleicht sonstwo. Wären wir einfach “nur” zwei Menschen, die gerade ihr Studium beenden, wäre das wahrscheinlich furchtbar aufregend. Wir aber hoffen auf eine größere Wohnung in dieser Stadt. Denn mit zwei Kindern, die hier ihre Kita-Plätze haben und der ganzen Verantwortung, die damit einhergeht, können große Ungewissheiten manchmal schon etwas erschreckend sein. Und diese Gedanken lassen sich nicht für drei Tage besinnliches Fest komplett abschalten.

Dieses Jahr ist (fast) alles anders.

Und weil dadurch alles gerade irgendwie ein bisschen anders und im Umbruch ist, sieht auch Weihnachten anders aus als sonst. Wir haben in den letzten vier Wochen erneut festgestellt, wie wichtig es ist, dass es uns als Familie gut geht und wir uns jetzt nicht verlieren. Ein Beispiel? Ich habe überhaupt nicht mitbekommen, dass David seine Masterarbeit angemeldet hat, weil ich nach einer Weisheitszahn-OP ein paar Tage angeschlagen im Bett lag. Da ist der Austausch irgendwie auf der Strecke geblieben. Aber genau das holen wir jetzt nach.

Wir fahren deshalb zum allerersten Mal überhaupt während der Weihnachtsfeiertage nicht zu unseren ganzen Familienteilen, sondern verbringen alle Feiertage zu viert hier, teilen uns dann noch zwei Schreibtisch-Tage auf und fahren erst Ende der Woche los. Das fühlt sich komisch an, aber für dieses Jahr ist es richtig. Der Weihnachtsmann wird unserer Tochter unter anderem zwei Spiele bringen, die wir hier gemeinsam entdecken und die Tage damit füllen können. #slowdownjustalittle

Was wir in diesem Jahr auch nicht geschafft haben, ist unser ganz persönlicher Adventskalender: 24 Filme und Serienepisoden mit Weihnachtsthema. Dieses Jahr sind wir noch schlechter davor als letztes, weil abends die Zeit zu oft fehlt, um einen Film anzuschauen. Aber den Klassiker mit Kate Winslet und Cameron Diaz haben wir natürlich schon abgehakt.

Heiligabend und 1. Weihnachtsfeiertag: Der Weihnachtsmann kommt dieses Jahr etwas später

An Heiligabend werden unsere Tochter und ich zum Kindergottesdienst in die Kirche gehen, weil es mir wichtig ist, dass sie weiß, warum dieses Fest überhaupt gefeiert wird und warum es so viele Geschenke gibt. Danach werden wir unser Weihnachtsessen zubereiten, immerhin eine der Konstanten in den letzten Jahren. Seit unserem ersten Weihnachten damals zu dritt kochen wir an Heiligabend das gleiche Essen. Und danach, wenn unser Sohn im Bett ist, werden wir einen Weihnachts-Kinderfilm schauen und auch ins Bett gehen. Ohne Geschenke.

Der Weihnachtsmann kommt dieses Jahr nämlich ein bisschen später, um uns allen etwas Stress an den Feiertagen zu nehmen. Ich musste ihm eine Nachricht schicken, er kommt hier dieses Jahr erst am 25. Dezember in den frühen Morgenstunden. Wir haben lange überlegt und festgestellt, dass die Abende hier in den seltensten Fällen entspannt sind. Zwei aufgedrehte Kinder im Geschenketrubel wären sicherlich nicht entspannter, von einem gemeinsamen Essen mal ganz zu schweigen. Deshalb haben wir gemeinsam mit unserer Tochter die Bescherung auf den nächsten Morgen verschoben, mit einem ganzen Tag zum Auspacken und Spielen und Entdecken, ohne dass es spät wird, jemand den Vogel aus dem Ofen holen muss oder einer müde ist. Wir werden sehen, ob wir das als neue Tradition beibehalten werden, in den nächsten Jahren sehe ich da auf jeden Fall noch eine Chance.

Frohe Weihnachten euch!

Mit dieser Motivation, dem Finden von eigenen Traditionen und dem Reflektieren dessen, was als Familie gerade benötigt wird, möchte ich mich hier auf dem Blog für das Jahr 2019 bedanken. Vielen Dank für alle von euch, die hier regelmäßig vorbeischauen, die die Artikel und Rezensionen lesen, die hier oder auf Instagram mit im Austausch stehen oder auch auf persönlichem Wege Gedanken teilen. Im nächsten Jahr, wenn das Studium vollbracht ist, wird sich zeigen, in welche Richtung sich der Blog weiterentwickelt. Ich freue mich auf alles, was noch kommt!

Habt schöne Weihnachten, wenn ihr sie feiert, habt einen für euch angemessenen Jahresausklang und startet gut in’s neue Jahr. Und auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole, aber wie in den letzten Jahren auch ist mir eins am Ende besonders wichtig: Weihnachten ist das Fest der (Nächsten-)Liebe. Das Fest des Wunders und des Zusammenrückens, des Obdach-Bietens und des Teilens. Egal, wo unser Gegenüber herkommt. Lasst uns das nicht vergessen.

Cover Mutter.Sein.

Rezension: Mutter. Sein. (Susanne Mierau)

Susanne Mierau hat in den vergangenen Jahren viele Bücher und noch mehr Artikel darüber geschrieben, wie wir Eltern heutzutage unseren Kindern begegnen und sie auf ihre Zukunft vorbereiten, wie wir alte Denkmuster durchbrechen und als Familie neue Wege finden können. Das alles schreibt sie aus verschiedenen Perspektiven, sie ist selbst Mutter dreier Kinder und Kleinkindpädagogin.

Nachdem im vergangenen Jahr mit Rundum Geborgen und Einfach Familie leben das Umfeld der Kinder stärker in den Fokus rückte, hat sie sich mit dem gerade erschienenen Buch Mutter. Sein. nun einer weiteren großen Baustelle gewidmet, die in unser aller Familienleben präsent ist: dem Mutterbild, das uns alltäglich in Werbung oder Gesellschaft begegnet, mit dem wir groß geworden sind und welches uns bis heute in unserem Tun und Denken beeinflusst.

Susanne Mierau hinterfragt, wie dieses Mutterbild entstanden ist und was es mit uns macht. Sie schlägt den Bogen von Funden aus der Steinzeit, von Jäger*innen und Sammler*innen über das Mittelalter hin ins 20. Jahrhundert. Sie legt dar, wie sich die Situation für Mütter zwischen den beiden Weltkriegen veränderte und welche feministischen Bewegungen in den Sechzigern zu einem Umdenken führten. Insbesondere nimmt sie auch in den Blick, wo sich Mütter wann ihre Informationen in Bezug auf Erziehung besorgt haben.

Doch nicht nur Politik und patriarchale Strukturen identifiziert sie als etwas, was uns Mütter beeinflusst, auch beispielsweise Social Media und Bewegungen werden untersucht. So schreibt sie unter anderem von dem wesentlichen Schritt, den das Attachment Parenting von William Sears für eine liebevolle Begleitung der Kinder bedeutet hat, aber eben auch, dass die evangelikale Ausrichtung Sears’ dazu führte, Mütter als Haupterfüllerin der kindlichen Bedürfnisse festzulegen und Vätern weniger umsorgende Tätigkeiten zugeschrieben wurden.

Dieser reflektierte Umgang zieht sich durch das gesamte Buch. So wird auch Social Media nicht verteufelt – Susanne Mierau ist hier selbst sehr aktiv – aber die Risiken und Gefahren werden so dargestellt, dass Mütter entscheiden können, was sie aus der virtuellen Welt mitnehmen und was eben nicht. Besonders gut ist, dass all das nicht mit dem erhobenen Zeigefinger passiert, sondern sich wissenschaftliche Erkenntnisse mit sehr persönlichen Erfahrungen mischen. Susanne Mierau legt nicht ein “perfektes” Mutterbild vor, sondern spricht alle Facetten der Mutterschaft an, in denen sich Leser*innen wiederfinden könnten.

Dabei gibt es kein Schwarz/Weiß: Sie schreibt von sehr diversen Familienstrukturen, von “maternal gatekeeping” und nicht nur von Vätern, die nicht wollen, sondern auch von Vätern, die nicht sollen. Und damit regt sie an zum eigenen Hinterfragen, zum Streiten, zum Bestätigen, zum Reflektieren und zum Andersmachen. Aber sie ist dabei auch immer ehrlich, was mir besonders gut gefällt: Sie bietet keinen 10-Punkte-Plan, an dem man sich abarbeiten könnte. Es wird stattdessen immer wieder klar, dass das ein langwieriger und sehr individueller Prozess ist – aber es wird genauso deutlich, dass er sich lohnt.

Mutter. Sein. ist ein umfangreiches Buch, das Müttern Mut machen und Kraft geben kann. Und um noch einen ganz persönlichen Kommentar zuzufügen: Ich habe fast alle Bücher von Susanne Mierau gerne gelesen – aber das hier hat mich wirklich noch einmal nachhaltig bewegt. Wenn man nicht weiß, mit welchem Buch von ihr man anfangen sollte, lautet meine Empfehlung nun: damit!

Susanne Mierau: Mutter.Sein. Von der Last eines Ideals und dem Glück des eigenen Wegs.
BELTZ-Verlag, Weinheim 2019. 271 Seiten.
ISB-N: 978-3-407-86563-2
Paperback: 18,95€

Roboter Smarty beim Familienausflug ins Phaeno Wolfsburg

Familienausflug ins Phaeno Wolfsburg

Seifenblasen so groß, dass wir darin stehen können? Ein Roboter, der mit uns spricht? Ein Schwindeltunnel, in dem wir vergessen, wo oben ist? Das Phaeno in Wolfsburg stand schon lange auf der Liste unserer Ausflugsziele und endlich ist unsere Tochter nun alt genug, dass es sich für uns alle ausreichend ausreichend gelohnt hat. Ich freue mich daher sehr, dass wir vor zwei Wochen das Phaeno besuchen konnten und möchte euch heute etwas genauer vorstellen, warum ein Ausflug dorthin im wahrsten Sinne des Wortes #phaenomenal sein kann. Und ganz am Ende könnt ihr sogar etwas gewinnen. Dieser Beitrag entstand im Anschluss an einen Pressebesuch, daher Werbung.

Dauerausstellung “Die Welt der Phänomene”

Demonstration eines Blitzes
Erleben mit Augen und Ohren: Die Demonstration der Kraft von Blitzen

Das Phaeno in Wolfsburg ist ein ganz besonderes Experimentiermuseum. Schon die Architektur lädt dazu ein, das Gebäude zu erkunden, sich auf Neues einzulassen und die eigenen Sinne herauszufordern. Drinnen erwarten die Besucher*innen dann verschiedene Ausstellungen, zum einen die Dauerausstellung “Die Welt der Phänomene”, die mit über 350 verschiedenen Experimenten wohl für jede Familie passende Aktivitäten bereithält. Mir persönlich standen beispielsweise die Haare zu Berge, wir haben einen Tornado entstehen lassen, eine überdimensionale Kugelbahn bestaunt und mit einer Windkanone einen Vorhang an der Decke bewegt.

Frau, der die Haare durch Aufladung zu Berge stehen

Bubblemania im Phaeno Wolfsburg

Der eigentliche Auslöser für unseren Besuch zu diesem Zeitpunkt war das Seifenblasenfestival Bubblemania, eine Ausstellung, die nun leider schon zu Ende ist. Im Phaeno wechseln die übrigen Ausstellungen, weshalb sich auch ein erneuter Besuch immer wieder lohnt. Weiter unten stelle ich euch die Ausstellung vor, die als nächstes kommt.

Bei der Bubblemania kamen schon die kleinsten auf spielerische Art und Weise mit Experimenten in Verbindung: Uns hat beispielsweise die riesige Seifenblase, in der wir selbst stehen konnten, sehr gut gefallen! Die Kinder konnten auch selbst große Seifenblasen erstellen, sich das ultimative Seifenblasenrezept abschreiben und Seifenblasenkünstler*innen bei ihrer Arbeit zuschauen. Am Nachmittag haben wir uns die Seifenblasenshow von Tom Noddy angesehen und auch wenn es zum Großteil auf Englisch war, waren die Kinder alle sehr begeistert. Wer von euch schon immer mal wissen wollte, wie man eine Seifenblasenraupe oder eine eckige Seifenblase macht, sollte mal “Tom Noddy” in die Suchmaschine des Vertrauens tippen, man gelangt zu vielen Videos!

Mutter und Tochter innerhalb einer großen Seifenblase

Ausstellung “Smarte neue Welt”

Wovon wir ebenfalls nicht genug bekommen konnten, ist die aktuell laufende Ausstellung “Smarte neue Welt” – die könnt ihr immer noch sehen! Hier hätten wir noch ganze Tage verbringen und uns noch mehr Experimente anschauen können, was uns aufgrund der leichten Reizüberflutung bei den Kindern dann leider nicht möglich war. Wir möchten dafür aber auf jeden Fall noch einmal ins Phaeno fahren, denn das ist wirklich etwas, wo mit man nicht alltäglich in Kontakt kommen kann.

Sand mit Projektion in verschiedenen Farben zur Darstellung von Höhen und Tiefen
Die Augmented Sandbox

Unsere Tochter war begeistert von der “Augmented Sandbox”, einer Simulation, in der mit Sand eine Landschaft geformt werden kann und auf diese dann mittels verschiedener Kameras tatsächliche Landschaftsebenen projiziert werden. Auch uns hat das sehr viel Spaß gemacht, hier kann man selbst als Erwachsene nur schwer wieder aufhören.

Interessant war beispielsweise auch die Gesichtserkennungssoftware, die meinen Mann auf Mitte 20 schätzte und mich auf Ende 20 – anscheinend läuft der Verfall bei mir etwas schneller. Mit Perücke und ohne Brille wurde ich allerdings glatt zum Schulkind.

Als letztes Highlight möchte ich euch noch von den Robotern berichten, die wir gesehen haben. Ein Roboter (auf dem unteren Bild) konnte verschiedene Texte darbieten und beispielsweise wie Heidi Klum oder Benjamin Blümchen sprechen – oder sogar Goethe zitieren. Der zweite Roboter, Smarty, gleicht noch mehr dem, was man aus Dokumentationen über modernste Technologien kennt, ihr habt ihn oben im Beitragsbild gesehen. Er reagiert auf umstehende Personen, kann auf Fragen antworten und hat Kindergröße. Kein Wunder, dass er daher besonders beliebt war!

Großer menschenähnlicher Roboter mit Bedientafel davor

Am 16. November startet die nächste Ausstellung im Phaeno, die ich auch sehr spannend finde und über die man sich schon jetzt auf der Homepage des Phaeno informieren kann: Die “Märchenmaschinen”. Automaten des Cabaret Mechanical Theatre erzählen Märchen und können auf ihre Funktionsweise hin untersucht werden – und wer mag, kann mit Hilfe von Schaschlikspießen, Drehscheiben und einer Pappschachtel selbst einen Automaten bauen.

Unser Ausflug ins Phaeno war wirklich toll. Ich hätte nicht erwartet, dass dort so viele Experimente und Mitmach-Stationen auf uns warten und auch schon im Alter von vier Jahren erlebbar sind. Sicherlich ist es für Schulkinder, die die Texte zu jedem Experiment schon lesen können, noch etwas spannender, aber auch so haben wir unseren Aufenthalt sehr genossen. Zwei organisatorische Dinge haben mir gleich am Anfang besonders gefallen: Für die doch sehr laute Demonstration der Blitze konnten wir uns Kopfhörer ausleihen und dem Baby aufsetzen. Und als Eintrittskarte gibt es ein Armbändchen für alle Tagesbesucher. So kann man stressfrei zwischendurch auch mal das Gebäude verlassen, frische Luft schnappen oder die Ohren etwas entspannen lassen, bevor man sich erneut ins Getümmel stürzt.

Im Phaeno selbst gibt es ein Bistro, für mitgebrachte Speisen ist im Garderobenbereich ein Abschnitt gekennzeichnet. Auch die Anfahrt ist sehr einfach: Mit dem PKW kann man direkt in eine Tiefgarage unter das Phaeno fahren, mit dem Zug ist es fast noch einfacher, denn das Phaeno liegt direkt am Wolfsburger Hauptbahnhof.

Das Gebäude des Phaeno in Wolfsburg
Das Phaeno beeindruckt auch architektonisch.

Familienausflug ins Phaeno für euch: Verlosung!

Wenn ihr euch all das auch ansehen möchtet, dann habt ihr heute Glück, denn mit großem Dank ans Phaeno kann ich hier und auf Instagram drei Mal jeweils einen Tageseintritt für eine Familie mit bis zu zwei Kindern (6 bis 17 Jahre, Kinder bis 5 zahlen keinen Eintritt) verlosen! Kommentiert dafür gerne unter diesem Post, ob ihr schon einmal im Phaeno wart oder noch nicht. Ob ihr schon da wart oder nicht, beeinflusst nicht eure Gewinnchancen.

Teilnahmebedingungen:

  • Das Gewinnspiel läuft bis zum 03.11.2019 um 23:59.
  • Gewinnen können Einzelpersonen, die mindestens 18 Jahre alt sind und einen Wohnsitz in Deutschland haben, an den der Gewinn anschließend versendet wird.
  • Über den Gewinn entscheidet das Los, in den Lostopf fließen Kommentare hier auf dem Blog und im Instagramprofil eenemeenemama.
  • Ausgeloste Personen gewinnen je 1 x Eintritt für eine Familie mit bis zu zwei Kindern zwischen 6-17 Jahren für einen Tag ihrer Wahl ins Phaeno Wolfsburg.
  • Instagram selbst steht in keinerlei Verbindung zum Gewinnspiel.

Strand in Warnemünde

Nachhaltigkeit auf Reisen: #djhfairunterwegs in der Jugendherberge Warnemünde

Am Wochenende war ich mit meinem Mann und beiden Kindern auf Einladung der deutschen Jugendherbergen in Warnemünde, um mich mit 15 anderen Bloggerinnen sehr intensiv mit dem Thema “Nachhaltigkeit auf Reisen” auseinanderzusetzen. Da wir teilweise auch verschiedene Perspektiven auf Nachhaltigkeit beim Reisen hatten, haben wir sehr spannende Diskussionen geführt und ein wirklich “nachhaltiges” Wochenende verbracht.

Dieser Beitrag entstand anschließend an eine Pressereise auf Einladung der Jugendherbergen. Daher Werbung.

Ich habe die Wahl: Wen unterstüze ich mit meiner Reise?

Wir waren nicht zum ersten Mal in Warnemünde. Im Februar, nach der letzten Prüfungsphase und pünktlich zu meinem Geburtstag, haben wir mit Freund*innen ein schönes Wochenende in einem Hotel dort verbracht. Dieses Mal habe ich den Ort allerdings noch einmal aus einer ganz anderen Perspektive kennengelernt und möchte an euch weitergeben, mit welchen Aspekten von “Nachhaltigkeit auf Reisen” wir am Wochenende in Kontakt gekommen sind.

Zugegeben – vor diesem Wochenende habe ich zuletzt vor acht Jahren in einer Jugendherberge übernachtet. Als Familienurlaubsziel hatte ich sie auch gar nicht allzu sehr auf dem Schirm. Aber uns ist wieder einmal bewusst geworden, welche Stimme unser Geld auch bei der Wahl des Urlaubsortes hat. Wenn ich zum Beispiel in einer Jugendherberge übernachte, leiste auch ich einen Beitrag zu ihren Bildungsprogrammen, in diesem Fall auch im Bereich der Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE). Gemeinsam mit der EUCC, der Küstenunion Deutschlands, wurde beispielsweise für mehrere Jugendherbergsstandorte die sogenannte Ostseekiste entwickelt, in der sich verschiedenste Bildungsangebote für Schulklassen befinden, die wir auch selbst ausprobiert haben. Auf spielerische Art kann hier der Ostseeraum kennengelernt oder der Strand daraufhin untersucht werden, was dort eigentlich alles nicht hingehört.

Eine Aufgabe der Ostseekiste: Verstehen, wo man überhaupt ist

Nachhaltige Verpflegung: Bio, regional und saisonal

Wir hatten während des Wochenendes eine Vollpension, die irgendwie nichts mehr mit den Erinnerungen an Jugendherbergen “damals” zu tun hatte. Es war sehr lecker und abwechslungsreich, mit vegetarischen und veganen Alternativen. Die Jugendherbergen, das wurde in unserem Gespräch mit der stellvertretenden Herbergsleitung sehr deutlich, bemühen sich sehr darum, ihre Gäste nachhaltig und gesund zu bewirten. Der Fokus liegt auf möglichst regionaler und saisonaler Bio-Kost. Das ist gut für Mensch, Umwelt und die Landwirtschaft vor Ort. Ein Mal in der Woche gibt es zudem einen Veggie-Day, an dem nicht einfach das Schnitzel fehlt, sondern an dem gesunde und nährstoffreiche Alternativen aufgezeigt werden. Es sind im Jahr 2019 ja eigentlich keine breaking news mehr, dass beispielsweise Rindfleisch sehr viele Ressourcen verbraucht.

Nachhaltiger Austausch: Institutionen in Rostock-Warnemünde

Wirklich nachhaltig im weitesten Sinne wurde unser Aufenthalt dadurch, dass wir mit sehr vielen Institutionen in Kontakt kamen, die vor Ort arbeiten und sich für den Schutz der Gebiete einsetzen. Der NABU Mittleres Mecklenburg erklärte uns beispielsweise, warum der künstliche Küstenschutz mit Maßnahmen wie dem Abtragen und Anspülen von Sand ein Problem sein kann und auch, weshalb die Trecker, die morgens den Warnemünder Strand nach Müll durchsieben, das Umweltsystem teilweise mitzerstören: Durch ihre Siebeinstellungen filtern sie zwar großen Müll, aber auch große Steine – Lebensraum für bestimmte Tiere – mit heraus. Und die Zigarettenfilter beispielsweise sind zu klein, bleiben im Sand und gelangen so ins Meer.

Meeresmüll an der Ostsee: Die Reste der vergangenen Jahrzehnte aufsammeln

Uns ist tatsächlich sehr viel Müll begegnet. Nicht nur die Zigarettenkippen am Strand, obwohl in Warnemünde zehn “Ostseeascher” hängen, dies ist ein Kooperationsprojekt der Stadt Rostock und der EUCC, der Küstenunion. Um zu verstehen, warum Kippen so ein großes Problem und welche Giftstoffe in der Kanalisation so problematisch sind, habe ich euch hier einmal eine sehr gute (aber auch schockierende) Doku von planet.e (ZDF) verlinkt, in der auch Warnemünde vorkommt.

Einer von zehn Ostseeaschern in Warnemünde

Ebenfalls sehr beeindruckend waren auch die Funde, die der NABU uns präsentiert hat. Besonders oft werde Capri-Sonne angespült: Das Material ist leicht und weht daher schnell aus Sammelanlagen oder Mülleimern – und da es ein Verbundsstoff aus Alu und Plastik ist, braucht es mehrere Jahrhunderte, bis es sich in Einzelteile trennt. Die älteste Capri-Sonne, die Rebecca, eine Rangerin vom NABU in Warnemünde gefunden hat, hatte ein Mindesthaltbarkeitsdatum aus den 1990ern. Auch ein gar nicht so seltener Fund, so verrieten es die Blicke in Sammeleimer der Jugendherberge und des NABU, sind Wurstdosen aus Zeiten der in der Nähe stationierten NVA (die es seit 1990 nicht mehr gibt). Auch dies ist immer noch im Meer.

In letzter Zeit am Strand gefunden: Dosen von vor mindestens 30 Jahren.

Die Jugendherberge Warnemünde ist übrigens genauso wie der NABU oder das von Jugendlichen organisierte Projekt Cleaning with Meaning Teil des sogenannten Rostocker Meeresmüll-Stammtisches. Ich war sehr begeistert davon, wie viele verschiedene Organisationen sich hier zusammenfinden, um sich dem Thema Müll im Meer auf ganz verschiedene Weisen zu widmen.

Es ist noch viel Arbeit, unsere Gewohnheiten zu hinterfragen und einen wirklichen Wandel in der Gesellschaft hinzubekommen. Ich freue mich sehr, dass es auch hier auf dem Blog in Zukunft noch stärker um verschiedenste Aspekte des Themas “Nachhaltigkeit” gehen wird.

Hinterlasst gerne mal einen Kommentar, wo ihr das Gefühl habt, dass Nachhaltigkeit schwer umzusetzen ist!

Rezension: Rotkäppchen (Gebrüder Grimm, Nadia Fabris, Ester Tomè)

Im Verlag arsEdition ist in diesem Sommer eine der wohl schönsten Verisonen vom Grimmschen Märchen Rotkäppchen erschienen, die ich euch heute hier ans Herz legen möchte.

Grimms Märchen als Kinderbuch

Märchen erfreuen sich schon lange großer Beliebtheit beim Vorlesen für Kinder. Was viele dabei aber gar nicht wissen: Der Großteil der Märchen war ursprünglich gar nicht für Kinder gedacht. Oft sind sie gruselig oder für Kinderohren gar grausam, zum Beispiel wenn Hänsel und Gretel im Wald ausgesetzt werden.
Auch stammt Rotkäppchen nicht original von den Gebrüdern Grimm, sie haben es aus einer früheren Vorlage adaptiert und ihre Märchenbücher mit aufgenommen.

Auf Kinder üben Märchen eine große Faszination aus und spätestens im Kindergarten kommen sie mit ihnen in Kontakt. Sehr häufig ist auch Rotkäppchen hier beliebt, weil sich damit eine Beziehung zum Thema “nicht mit Fremden reden” herstellen lässt. Werden die Märchen schon in einem so frühen Alter vorgestellt, ist es schön, wenn sie etwas kinderfreundlicher und weniger gruselig aufgemacht sind.

Rotkäppchen nacherzählt und in neuem Design

Aus dem Englischen übersetzt von Susan Niessen und nacherzählt von Ester Tomè kommt auch Rotkäppchen bei arsEdition 2019 etwas anders daher: Statt Wein bringt es der Großmutter beispielsweise Kuchen und Milch und am Ende frisst der Wolf zwar Großmutter und Rotkäppchen, doch als der Jäger kommt und sie befreit, wird das Ende des Wolfes offen gelassen – ganz im Gegensatz zu älteren Versionen, in denen ihm Steine in den Bauch genäht werden, damit er einen leidvollen Tod stirbt.

Noch schöner als der Text sind aber in dieser Version die herausragendenen Illustrationen von Nadia Fabris. Anschaulich können Kinder Rotkäppchen auf ihrem Weg durch den Wald begleiten und die Scherenschnitte, die auf jeder Doppelseite die Neugier auf den weiteren Verlauf der Geschichte schüren, machen das Buch zu einem der schönsten, die ich in langer Zeit gelesen habe. Das Buch fühlt sich dadurch und durch das Gucklock auf dem Buchcover sehr hochwertig und wie ein wahrer Schatz in der Bücherkiste an.

Scherenschnitt in der Rotkäppchen-Version von arsEdition 2019

Leseempfehlung

Rotkäppchen von arsEdition ist perfekt für verregnete Herbsttage und kuschelige Lesestunden am Nachmittag. Nicht nur für das eigene Bücherregal, auch als Geschenk eignet es sich sehr gut. Die Scherenschnitte sind sehr zart, weshalb das Buch für langanhaltende Freude an einem besonderen Platz aufbewahrt und behütet werden sollte.

Empfehlen würde ich das Buch für Kinder ab vier Jahren.

Gebrüder Gimm/Nadia Fabris/Ester Tomè: Rotkäppchen.
arsEdition, München 2019. 28 Seiten.
ISBN: 978-3-8458-3158-9.
Hardcover: 16,00€