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Cover Mutter.Sein.

Rezension: Mutter. Sein. (Susanne Mierau)

Susanne Mierau hat in den vergangenen Jahren viele Bücher und noch mehr Artikel darüber geschrieben, wie wir Eltern heutzutage unseren Kindern begegnen und sie auf ihre Zukunft vorbereiten, wie wir alte Denkmuster durchbrechen und als Familie neue Wege finden können. Das alles schreibt sie aus verschiedenen Perspektiven, sie ist selbst Mutter dreier Kinder und Kleinkindpädagogin.

Nachdem im vergangenen Jahr mit Rundum Geborgen und Einfach Familie leben das Umfeld der Kinder stärker in den Fokus rückte, hat sie sich mit dem gerade erschienenen Buch Mutter. Sein. nun einer weiteren großen Baustelle gewidmet, die in unser aller Familienleben präsent ist: dem Mutterbild, das uns alltäglich in Werbung oder Gesellschaft begegnet, mit dem wir groß geworden sind und welches uns bis heute in unserem Tun und Denken beeinflusst.

Susanne Mierau hinterfragt, wie dieses Mutterbild entstanden ist und was es mit uns macht. Sie schlägt den Bogen von Funden aus der Steinzeit, von Jäger*innen und Sammler*innen über das Mittelalter hin ins 20. Jahrhundert. Sie legt dar, wie sich die Situation für Mütter zwischen den beiden Weltkriegen veränderte und welche feministischen Bewegungen in den Sechzigern zu einem Umdenken führten. Insbesondere nimmt sie auch in den Blick, wo sich Mütter wann ihre Informationen in Bezug auf Erziehung besorgt haben.

Doch nicht nur Politik und patriarchale Strukturen identifiziert sie als etwas, was uns Mütter beeinflusst, auch beispielsweise Social Media und Bewegungen werden untersucht. So schreibt sie unter anderem von dem wesentlichen Schritt, den das Attachment Parenting von William Sears für eine liebevolle Begleitung der Kinder bedeutet hat, aber eben auch, dass die evangelikale Ausrichtung Sears’ dazu führte, Mütter als Haupterfüllerin der kindlichen Bedürfnisse festzulegen und Vätern weniger umsorgende Tätigkeiten zugeschrieben wurden.

Dieser reflektierte Umgang zieht sich durch das gesamte Buch. So wird auch Social Media nicht verteufelt – Susanne Mierau ist hier selbst sehr aktiv – aber die Risiken und Gefahren werden so dargestellt, dass Mütter entscheiden können, was sie aus der virtuellen Welt mitnehmen und was eben nicht. Besonders gut ist, dass all das nicht mit dem erhobenen Zeigefinger passiert, sondern sich wissenschaftliche Erkenntnisse mit sehr persönlichen Erfahrungen mischen. Susanne Mierau legt nicht ein “perfektes” Mutterbild vor, sondern spricht alle Facetten der Mutterschaft an, in denen sich Leser*innen wiederfinden könnten.

Dabei gibt es kein Schwarz/Weiß: Sie schreibt von sehr diversen Familienstrukturen, von “maternal gatekeeping” und nicht nur von Vätern, die nicht wollen, sondern auch von Vätern, die nicht sollen. Und damit regt sie an zum eigenen Hinterfragen, zum Streiten, zum Bestätigen, zum Reflektieren und zum Andersmachen. Aber sie ist dabei auch immer ehrlich, was mir besonders gut gefällt: Sie bietet keinen 10-Punkte-Plan, an dem man sich abarbeiten könnte. Es wird stattdessen immer wieder klar, dass das ein langwieriger und sehr individueller Prozess ist – aber es wird genauso deutlich, dass er sich lohnt.

Mutter. Sein. ist ein umfangreiches Buch, das Müttern Mut machen und Kraft geben kann. Und um noch einen ganz persönlichen Kommentar zuzufügen: Ich habe fast alle Bücher von Susanne Mierau gerne gelesen – aber das hier hat mich wirklich noch einmal nachhaltig bewegt. Wenn man nicht weiß, mit welchem Buch von ihr man anfangen sollte, lautet meine Empfehlung nun: damit!

Susanne Mierau: Mutter.Sein. Von der Last eines Ideals und dem Glück des eigenen Wegs.
BELTZ-Verlag, Weinheim 2019. 271 Seiten.
ISB-N: 978-3-407-86563-2
Paperback: 18,95€

Roboter Smarty beim Familienausflug ins Phaeno Wolfsburg

Familienausflug ins Phaeno Wolfsburg

Seifenblasen so groß, dass wir darin stehen können? Ein Roboter, der mit uns spricht? Ein Schwindeltunnel, in dem wir vergessen, wo oben ist? Das Phaeno in Wolfsburg stand schon lange auf der Liste unserer Ausflugsziele und endlich ist unsere Tochter nun alt genug, dass es sich für uns alle ausreichend ausreichend gelohnt hat. Ich freue mich daher sehr, dass wir vor zwei Wochen das Phaeno besuchen konnten und möchte euch heute etwas genauer vorstellen, warum ein Ausflug dorthin im wahrsten Sinne des Wortes #phaenomenal sein kann. Und ganz am Ende könnt ihr sogar etwas gewinnen. Dieser Beitrag entstand im Anschluss an einen Pressebesuch, daher Werbung.

Dauerausstellung “Die Welt der Phänomene”

Demonstration eines Blitzes
Erleben mit Augen und Ohren: Die Demonstration der Kraft von Blitzen

Das Phaeno in Wolfsburg ist ein ganz besonderes Experimentiermuseum. Schon die Architektur lädt dazu ein, das Gebäude zu erkunden, sich auf Neues einzulassen und die eigenen Sinne herauszufordern. Drinnen erwarten die Besucher*innen dann verschiedene Ausstellungen, zum einen die Dauerausstellung “Die Welt der Phänomene”, die mit über 350 verschiedenen Experimenten wohl für jede Familie passende Aktivitäten bereithält. Mir persönlich standen beispielsweise die Haare zu Berge, wir haben einen Tornado entstehen lassen, eine überdimensionale Kugelbahn bestaunt und mit einer Windkanone einen Vorhang an der Decke bewegt.

Frau, der die Haare durch Aufladung zu Berge stehen

Bubblemania im Phaeno Wolfsburg

Der eigentliche Auslöser für unseren Besuch zu diesem Zeitpunkt war das Seifenblasenfestival Bubblemania, eine Ausstellung, die nun leider schon zu Ende ist. Im Phaeno wechseln die übrigen Ausstellungen, weshalb sich auch ein erneuter Besuch immer wieder lohnt. Weiter unten stelle ich euch die Ausstellung vor, die als nächstes kommt.

Bei der Bubblemania kamen schon die kleinsten auf spielerische Art und Weise mit Experimenten in Verbindung: Uns hat beispielsweise die riesige Seifenblase, in der wir selbst stehen konnten, sehr gut gefallen! Die Kinder konnten auch selbst große Seifenblasen erstellen, sich das ultimative Seifenblasenrezept abschreiben und Seifenblasenkünstler*innen bei ihrer Arbeit zuschauen. Am Nachmittag haben wir uns die Seifenblasenshow von Tom Noddy angesehen und auch wenn es zum Großteil auf Englisch war, waren die Kinder alle sehr begeistert. Wer von euch schon immer mal wissen wollte, wie man eine Seifenblasenraupe oder eine eckige Seifenblase macht, sollte mal “Tom Noddy” in die Suchmaschine des Vertrauens tippen, man gelangt zu vielen Videos!

Mutter und Tochter innerhalb einer großen Seifenblase

Ausstellung “Smarte neue Welt”

Wovon wir ebenfalls nicht genug bekommen konnten, ist die aktuell laufende Ausstellung “Smarte neue Welt” – die könnt ihr immer noch sehen! Hier hätten wir noch ganze Tage verbringen und uns noch mehr Experimente anschauen können, was uns aufgrund der leichten Reizüberflutung bei den Kindern dann leider nicht möglich war. Wir möchten dafür aber auf jeden Fall noch einmal ins Phaeno fahren, denn das ist wirklich etwas, wo mit man nicht alltäglich in Kontakt kommen kann.

Sand mit Projektion in verschiedenen Farben zur Darstellung von Höhen und Tiefen
Die Augmented Sandbox

Unsere Tochter war begeistert von der “Augmented Sandbox”, einer Simulation, in der mit Sand eine Landschaft geformt werden kann und auf diese dann mittels verschiedener Kameras tatsächliche Landschaftsebenen projiziert werden. Auch uns hat das sehr viel Spaß gemacht, hier kann man selbst als Erwachsene nur schwer wieder aufhören.

Interessant war beispielsweise auch die Gesichtserkennungssoftware, die meinen Mann auf Mitte 20 schätzte und mich auf Ende 20 – anscheinend läuft der Verfall bei mir etwas schneller. Mit Perücke und ohne Brille wurde ich allerdings glatt zum Schulkind.

Als letztes Highlight möchte ich euch noch von den Robotern berichten, die wir gesehen haben. Ein Roboter (auf dem unteren Bild) konnte verschiedene Texte darbieten und beispielsweise wie Heidi Klum oder Benjamin Blümchen sprechen – oder sogar Goethe zitieren. Der zweite Roboter, Smarty, gleicht noch mehr dem, was man aus Dokumentationen über modernste Technologien kennt, ihr habt ihn oben im Beitragsbild gesehen. Er reagiert auf umstehende Personen, kann auf Fragen antworten und hat Kindergröße. Kein Wunder, dass er daher besonders beliebt war!

Großer menschenähnlicher Roboter mit Bedientafel davor

Am 16. November startet die nächste Ausstellung im Phaeno, die ich auch sehr spannend finde und über die man sich schon jetzt auf der Homepage des Phaeno informieren kann: Die “Märchenmaschinen”. Automaten des Cabaret Mechanical Theatre erzählen Märchen und können auf ihre Funktionsweise hin untersucht werden – und wer mag, kann mit Hilfe von Schaschlikspießen, Drehscheiben und einer Pappschachtel selbst einen Automaten bauen.

Unser Ausflug ins Phaeno war wirklich toll. Ich hätte nicht erwartet, dass dort so viele Experimente und Mitmach-Stationen auf uns warten und auch schon im Alter von vier Jahren erlebbar sind. Sicherlich ist es für Schulkinder, die die Texte zu jedem Experiment schon lesen können, noch etwas spannender, aber auch so haben wir unseren Aufenthalt sehr genossen. Zwei organisatorische Dinge haben mir gleich am Anfang besonders gefallen: Für die doch sehr laute Demonstration der Blitze konnten wir uns Kopfhörer ausleihen und dem Baby aufsetzen. Und als Eintrittskarte gibt es ein Armbändchen für alle Tagesbesucher. So kann man stressfrei zwischendurch auch mal das Gebäude verlassen, frische Luft schnappen oder die Ohren etwas entspannen lassen, bevor man sich erneut ins Getümmel stürzt.

Im Phaeno selbst gibt es ein Bistro, für mitgebrachte Speisen ist im Garderobenbereich ein Abschnitt gekennzeichnet. Auch die Anfahrt ist sehr einfach: Mit dem PKW kann man direkt in eine Tiefgarage unter das Phaeno fahren, mit dem Zug ist es fast noch einfacher, denn das Phaeno liegt direkt am Wolfsburger Hauptbahnhof.

Das Gebäude des Phaeno in Wolfsburg
Das Phaeno beeindruckt auch architektonisch.

Familienausflug ins Phaeno für euch: Verlosung!

Wenn ihr euch all das auch ansehen möchtet, dann habt ihr heute Glück, denn mit großem Dank ans Phaeno kann ich hier und auf Instagram drei Mal jeweils einen Tageseintritt für eine Familie mit bis zu zwei Kindern (6 bis 17 Jahre, Kinder bis 5 zahlen keinen Eintritt) verlosen! Kommentiert dafür gerne unter diesem Post, ob ihr schon einmal im Phaeno wart oder noch nicht. Ob ihr schon da wart oder nicht, beeinflusst nicht eure Gewinnchancen.

Teilnahmebedingungen:

  • Das Gewinnspiel läuft bis zum 03.11.2019 um 23:59.
  • Gewinnen können Einzelpersonen, die mindestens 18 Jahre alt sind und einen Wohnsitz in Deutschland haben, an den der Gewinn anschließend versendet wird.
  • Über den Gewinn entscheidet das Los, in den Lostopf fließen Kommentare hier auf dem Blog und im Instagramprofil eenemeenemama.
  • Ausgeloste Personen gewinnen je 1 x Eintritt für eine Familie mit bis zu zwei Kindern zwischen 6-17 Jahren für einen Tag ihrer Wahl ins Phaeno Wolfsburg.
  • Instagram selbst steht in keinerlei Verbindung zum Gewinnspiel.

Strand in Warnemünde

Nachhaltigkeit auf Reisen: #djhfairunterwegs in der Jugendherberge Warnemünde

Am Wochenende war ich mit meinem Mann und beiden Kindern auf Einladung der deutschen Jugendherbergen in Warnemünde, um mich mit 15 anderen Bloggerinnen sehr intensiv mit dem Thema “Nachhaltigkeit auf Reisen” auseinanderzusetzen. Da wir teilweise auch verschiedene Perspektiven auf Nachhaltigkeit beim Reisen hatten, haben wir sehr spannende Diskussionen geführt und ein wirklich “nachhaltiges” Wochenende verbracht.

Dieser Beitrag entstand anschließend an eine Pressereise auf Einladung der Jugendherbergen. Daher Werbung.

Ich habe die Wahl: Wen unterstüze ich mit meiner Reise?

Wir waren nicht zum ersten Mal in Warnemünde. Im Februar, nach der letzten Prüfungsphase und pünktlich zu meinem Geburtstag, haben wir mit Freund*innen ein schönes Wochenende in einem Hotel dort verbracht. Dieses Mal habe ich den Ort allerdings noch einmal aus einer ganz anderen Perspektive kennengelernt und möchte an euch weitergeben, mit welchen Aspekten von “Nachhaltigkeit auf Reisen” wir am Wochenende in Kontakt gekommen sind.

Zugegeben – vor diesem Wochenende habe ich zuletzt vor acht Jahren in einer Jugendherberge übernachtet. Als Familienurlaubsziel hatte ich sie auch gar nicht allzu sehr auf dem Schirm. Aber uns ist wieder einmal bewusst geworden, welche Stimme unser Geld auch bei der Wahl des Urlaubsortes hat. Wenn ich zum Beispiel in einer Jugendherberge übernachte, leiste auch ich einen Beitrag zu ihren Bildungsprogrammen, in diesem Fall auch im Bereich der Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE). Gemeinsam mit der EUCC, der Küstenunion Deutschlands, wurde beispielsweise für mehrere Jugendherbergsstandorte die sogenannte Ostseekiste entwickelt, in der sich verschiedenste Bildungsangebote für Schulklassen befinden, die wir auch selbst ausprobiert haben. Auf spielerische Art kann hier der Ostseeraum kennengelernt oder der Strand daraufhin untersucht werden, was dort eigentlich alles nicht hingehört.

Eine Aufgabe der Ostseekiste: Verstehen, wo man überhaupt ist

Nachhaltige Verpflegung: Bio, regional und saisonal

Wir hatten während des Wochenendes eine Vollpension, die irgendwie nichts mehr mit den Erinnerungen an Jugendherbergen “damals” zu tun hatte. Es war sehr lecker und abwechslungsreich, mit vegetarischen und veganen Alternativen. Die Jugendherbergen, das wurde in unserem Gespräch mit der stellvertretenden Herbergsleitung sehr deutlich, bemühen sich sehr darum, ihre Gäste nachhaltig und gesund zu bewirten. Der Fokus liegt auf möglichst regionaler und saisonaler Bio-Kost. Das ist gut für Mensch, Umwelt und die Landwirtschaft vor Ort. Ein Mal in der Woche gibt es zudem einen Veggie-Day, an dem nicht einfach das Schnitzel fehlt, sondern an dem gesunde und nährstoffreiche Alternativen aufgezeigt werden. Es sind im Jahr 2019 ja eigentlich keine breaking news mehr, dass beispielsweise Rindfleisch sehr viele Ressourcen verbraucht.

Nachhaltiger Austausch: Institutionen in Rostock-Warnemünde

Wirklich nachhaltig im weitesten Sinne wurde unser Aufenthalt dadurch, dass wir mit sehr vielen Institutionen in Kontakt kamen, die vor Ort arbeiten und sich für den Schutz der Gebiete einsetzen. Der NABU Mittleres Mecklenburg erklärte uns beispielsweise, warum der künstliche Küstenschutz mit Maßnahmen wie dem Abtragen und Anspülen von Sand ein Problem sein kann und auch, weshalb die Trecker, die morgens den Warnemünder Strand nach Müll durchsieben, das Umweltsystem teilweise mitzerstören: Durch ihre Siebeinstellungen filtern sie zwar großen Müll, aber auch große Steine – Lebensraum für bestimmte Tiere – mit heraus. Und die Zigarettenfilter beispielsweise sind zu klein, bleiben im Sand und gelangen so ins Meer.

Meeresmüll an der Ostsee: Die Reste der vergangenen Jahrzehnte aufsammeln

Uns ist tatsächlich sehr viel Müll begegnet. Nicht nur die Zigarettenkippen am Strand, obwohl in Warnemünde zehn “Ostseeascher” hängen, dies ist ein Kooperationsprojekt der Stadt Rostock und der EUCC, der Küstenunion. Um zu verstehen, warum Kippen so ein großes Problem und welche Giftstoffe in der Kanalisation so problematisch sind, habe ich euch hier einmal eine sehr gute (aber auch schockierende) Doku von planet.e (ZDF) verlinkt, in der auch Warnemünde vorkommt.

Einer von zehn Ostseeaschern in Warnemünde

Ebenfalls sehr beeindruckend waren auch die Funde, die der NABU uns präsentiert hat. Besonders oft werde Capri-Sonne angespült: Das Material ist leicht und weht daher schnell aus Sammelanlagen oder Mülleimern – und da es ein Verbundsstoff aus Alu und Plastik ist, braucht es mehrere Jahrhunderte, bis es sich in Einzelteile trennt. Die älteste Capri-Sonne, die Rebecca, eine Rangerin vom NABU in Warnemünde gefunden hat, hatte ein Mindesthaltbarkeitsdatum aus den 1990ern. Auch ein gar nicht so seltener Fund, so verrieten es die Blicke in Sammeleimer der Jugendherberge und des NABU, sind Wurstdosen aus Zeiten der in der Nähe stationierten NVA (die es seit 1990 nicht mehr gibt). Auch dies ist immer noch im Meer.

In letzter Zeit am Strand gefunden: Dosen von vor mindestens 30 Jahren.

Die Jugendherberge Warnemünde ist übrigens genauso wie der NABU oder das von Jugendlichen organisierte Projekt Cleaning with Meaning Teil des sogenannten Rostocker Meeresmüll-Stammtisches. Ich war sehr begeistert davon, wie viele verschiedene Organisationen sich hier zusammenfinden, um sich dem Thema Müll im Meer auf ganz verschiedene Weisen zu widmen.

Es ist noch viel Arbeit, unsere Gewohnheiten zu hinterfragen und einen wirklichen Wandel in der Gesellschaft hinzubekommen. Ich freue mich sehr, dass es auch hier auf dem Blog in Zukunft noch stärker um verschiedenste Aspekte des Themas “Nachhaltigkeit” gehen wird.

Hinterlasst gerne mal einen Kommentar, wo ihr das Gefühl habt, dass Nachhaltigkeit schwer umzusetzen ist!

Rezension: Rotkäppchen (Gebrüder Grimm, Nadia Fabris, Ester Tomè)

Im Verlag arsEdition ist in diesem Sommer eine der wohl schönsten Verisonen vom Grimmschen Märchen Rotkäppchen erschienen, die ich euch heute hier ans Herz legen möchte.

Grimms Märchen als Kinderbuch

Märchen erfreuen sich schon lange großer Beliebtheit beim Vorlesen für Kinder. Was viele dabei aber gar nicht wissen: Der Großteil der Märchen war ursprünglich gar nicht für Kinder gedacht. Oft sind sie gruselig oder für Kinderohren gar grausam, zum Beispiel wenn Hänsel und Gretel im Wald ausgesetzt werden.
Auch stammt Rotkäppchen nicht original von den Gebrüdern Grimm, sie haben es aus einer früheren Vorlage adaptiert und ihre Märchenbücher mit aufgenommen.

Auf Kinder üben Märchen eine große Faszination aus und spätestens im Kindergarten kommen sie mit ihnen in Kontakt. Sehr häufig ist auch Rotkäppchen hier beliebt, weil sich damit eine Beziehung zum Thema “nicht mit Fremden reden” herstellen lässt. Werden die Märchen schon in einem so frühen Alter vorgestellt, ist es schön, wenn sie etwas kinderfreundlicher und weniger gruselig aufgemacht sind.

Rotkäppchen nacherzählt und in neuem Design

Aus dem Englischen übersetzt von Susan Niessen und nacherzählt von Ester Tomè kommt auch Rotkäppchen bei arsEdition 2019 etwas anders daher: Statt Wein bringt es der Großmutter beispielsweise Kuchen und Milch und am Ende frisst der Wolf zwar Großmutter und Rotkäppchen, doch als der Jäger kommt und sie befreit, wird das Ende des Wolfes offen gelassen – ganz im Gegensatz zu älteren Versionen, in denen ihm Steine in den Bauch genäht werden, damit er einen leidvollen Tod stirbt.

Noch schöner als der Text sind aber in dieser Version die herausragendenen Illustrationen von Nadia Fabris. Anschaulich können Kinder Rotkäppchen auf ihrem Weg durch den Wald begleiten und die Scherenschnitte, die auf jeder Doppelseite die Neugier auf den weiteren Verlauf der Geschichte schüren, machen das Buch zu einem der schönsten, die ich in langer Zeit gelesen habe. Das Buch fühlt sich dadurch und durch das Gucklock auf dem Buchcover sehr hochwertig und wie ein wahrer Schatz in der Bücherkiste an.

Scherenschnitt in der Rotkäppchen-Version von arsEdition 2019

Leseempfehlung

Rotkäppchen von arsEdition ist perfekt für verregnete Herbsttage und kuschelige Lesestunden am Nachmittag. Nicht nur für das eigene Bücherregal, auch als Geschenk eignet es sich sehr gut. Die Scherenschnitte sind sehr zart, weshalb das Buch für langanhaltende Freude an einem besonderen Platz aufbewahrt und behütet werden sollte.

Empfehlen würde ich das Buch für Kinder ab vier Jahren.

Gebrüder Gimm/Nadia Fabris/Ester Tomè: Rotkäppchen.
arsEdition, München 2019. 28 Seiten.
ISBN: 978-3-8458-3158-9.
Hardcover: 16,00€

Mutter und Tochter am Wasser sitzend

Jetzt bist du vier – irgendwo zwischen Kleinkind und Vorschulkind

Unsere große Tochter ist in der letzten Woche vier Jahre alt geworden. Vier! Seit vier Jahren sind wir Eltern. Jahre, in denen wir alle so viel gelernt haben und in denen wir miteinander wachsen konnten.

Wie groß unsere Tochter ist, fiel mir unter anderem vorgestern auf, als wir neue Halbschuhe und Hausschuhe kaufen mussten. Wir gucken nämlich neuerdings nicht mehr in der Kleinkindabteilung. Es gibt keine Pom-Poms und keine Froddo-Hausschuhe mehr in ihrer Größe. Ein bisschen geht eine Ära zu Ende.

Ich weiß noch genau, wie es sich vor drei Jahren anfühlte, als aus unserem Baby ein Kleinkind wurde, als wir die ersten richtigen Schuhe kauften und das Geschenk zum 1. Geburtstag aussuchten. Es ging mir alles zu schnell, ich hätte das erste Jahr gerne noch bewusster erlebt und wir waren gespannt, was in den nächsten Jahren auf uns zukommen würde. Und plötzlich ist auch diese Kleinkindzeit schon wieder vorbei. Das merken wir sehr deutlich: Weniger Verständnisprobleme, mehr Kooperation, mehr Eigenständigkeit.

Zwischen Kleinkind und Vorschulkind: Was ist man denn mit vier?

Letztens habe ich gegoogelt, “was” man dann mit vier eigentlich ist. Kein Kleinkind mehr, aber auch noch kein Vorschulkind – irgendwas dazwischen. Genau dieses “Dazwischensein” trifft unseren momentanen Status auch ganz gut. Die Tage schwanken zwischen “Hoppe Hoppe Reiter” und sich alleine im Zimmer verbarrikadieren, um stundenlang Hörspiele zu hören und Barbie zu spielen. Es schwankt zwischen mit dem Babybruder in der Sandkiste Sand schippen und andere darauf hinweisen, ihren Müll gefälligst in den Mülleimer zu werfen.

Wir sind zwischen Peppa Wutz und dem Ponysitter Club, zwischen Rolf Zuckowski und Deine Freunde. Zwischen Teddybär und Glitzereinhorn, zwischen Grießbrei zum Abend und Pizza bestellen. Zwischen Abschiedsumarmung und “Du kannst jetzt gehen, Mama.” Zwischen Knete und Filzstift. Zwischen Fencheltee und Fanta.

Auch wir Erwachsenen sind irgendwie dazwischen: Froh darüber, dass spontane Frustausbrüche im Supermarkt schon länger passé sind und gleichzeitig aber auch noch nicht wirklich bereit, eine Schule auszuwählen. In einem Jahr müssen wir unser Kind für die Grundschule im Folgejahr anmelden, in Brandenburg werden nämlich alle Kinder eingeschult, die bis zum 30.09. sechs werden. Wir steuern stark auf die sogenannte Wackelzahnpubertät zu, wir geben das Kind alleine zum Spielen ab und schmeißen Geburtstagspartys mit Schatzsuche.

Wurzeln und Flügel und wir

Das richtige Mittelmaß zwischen den berühmten Wurzeln und Flügeln zu finden, fühlt sich gerade etwas schwer an. Wir haben noch nicht den einen Weg gefunden, um mit den alltäglichen Herausforderungen umzugehen, versuchen uns aber wie in den letzten Jahren weiterhin daran, die Regeln und Vorstellungen immer wieder an die Realität anzupassen. Manche Tage erfordern unsere vollste Aufmerksamkeit, ein Mitspielen und eine Einschlafbegleitung. Und an anderen Tagen werden wir einfach nicht benötigt. An manchen Tagen ist das Kind ganz groß und an anderen müssen wir doch die Klamotten wieder heraussuchen. Das ist okay. Hier muss niemand “schon groß” oder “kein Baby mehr” sein.

Ich habe im Gefühl, dass das ein sehr wildes Jahr wird. Und das nicht nur, weil bei uns bald ein Kita-Wechsel ansteht oder auch das Baby sehr bald kein Baby mehr ist. Unsere Familie bekommt durch die sich verändernden Interessen unserer Tochter erneut eine andere Dynamik. Das ist zwar manchmal anstrengend und unvorhersehbar, aber auch so, so aufregend.

Hoffentlich vergeht das Jahr nicht so schnell – für “fünf” bin ich noch nicht bereit.

Kind klettert in Pullover der Hamburger Firma Manitober

Nachhaltige Kinderkleidung: Manitober aus Hamburg

Nachhaltige Kinderkleidung zu finden, ist heutzutage eigentlich nicht mehr schwer – man muss nur wissen, wo! Viele Unternehmen vertreiben “nachhaltige Kindermode”, doch wenn man hinter die Kulissen schauen möchte, sieht es oft schon gar nicht mehr so nachhaltig aus.

Ganz anders ist das bei Manitober, einer Firma aus Hamburg, die Kinderkleidung herstellt und dabei so transparent wie möglich arbeitet. In unserem Haushalt finden sich Manitober-Kleidungsstücke seit ungefähr zwei Jahren. Heute möchte ich sie euch auch auf dem Blog vorstellen, aber Vorsicht: Zwischendurch werdet ihr manchmal denken, dass es zu schön klingt, um wahr zu sein.

Dieser Post enthält unbezahlte Werbung für Manitober. Die Kleidungsstücke auf den Bildern wurden mit einem Rabatt selbstgekauft.

Manitober: Bio-zertifizierter Anbau und plastikfreie Verschickung

Bei nachhaltiger Kindermode denkt man oft zuerst an die Materialien, aus denen die Kleidung hergestellt wird. Manitober verwendet Bio-Baumwolle und auch kbT-zertifizierte Wolle (kbT bedeutet “kontrolliert biologische Tierhaltung”) zur Herstellung ihrer Kleidungsstücke. Auch darüber hinaus wird Wert auf nachhaltiges Material gelegt: Bei der Wollwalk-Bomberjacke, die unsere Tochter diesen Herbst/Winter tragen wird, sind die Labels beispielsweise aus recyceltem Polyester.

Seit der aktuellen Kollektion verschickt Manitober auch plastikfrei, was mich sehr freut. Während vorher die einzelnen Kleidungsstücke jeweils in Plastikhüllen verpackt waren, genügt jetzt ein wiederverwendbares Baumwollband – das ist nicht nur nachhaltiger, sondern auch schöner.

Nachhaltigkeit auch hinter den Kulissen: Produktion der Kinderkleidung

Beim Thema Nachhaltigkeit geht es mir nicht nur um das, was schließlich bei mir als Kundin ankommt, sondern mich interessieren immer auch die Herstellungsprozesse. Bei jedem Kleidungsstück im Manitober-Shop ist ein Link zu den Produktionsstätten hinterlegt, hier kann man selbst Einblicke in den Prozess gewinnen. Statt Kleidung über mehrere Kontinente zu verschicken, werden die Stücke in Europa hergestellt. Das ist zum einen natürlich besser für Umwelt, Klima und co, zum anderen – und das ist mir persönlich auch sehr wichtig – bedeutet das aber auch, dass alle an einem Kleidungsstück beteiligten Menschen unter geltendem europäischen Recht arbeiten: Manitober garantiert faire Herstellungsbedingungen.

Nachhaltige Kinderkleidung passt möglichst vielen Kindern

Label von Manitober, Beschriftung: Hand me down down down. Created in funky Europe.

So richtig nachhaltig wird Kinderkleidung erst, wenn sie von möglichst vielen Kindern getragen wird und nicht nur für eine Saison angeschafft wird. Kinder wachsen so schnell, da kommt man teilweise kaum hinterher. Deshalb ist es mir immer wichtig, hochwertige Kleidung zu kaufen, die mindestens noch das zweite Kind und ein paar Freund*innen übersteht. Selten ist es jedoch, dass ein Hersteller direkt damit wirbt, Kleidung weiterzugeben und aufzutragen, weshalb mich das Etikett in große Freude versetzt hat.

Damit Kindermode aber möglichst viele Träger*innen übersteht, ist es ganz gut, wenn nicht gerade “cute Princess” vorne draufsteht. Manitober erstellt Schnitte, die von allen Kindern getragen werden können, sie haben gute Passformen und sind nicht einem spezifischen biologischen oder sozialen Geschlecht zugeordnet. Das mag ich wirklich sehr.

Nach dem Tragen zurückgeben? Kein Problem.

Spätestens jetzt werdet ihr denken: Das kann nicht sein. Aber doch, Manitober gewährt ein lebenslanges Rücknahmeversprechen auf gebrauchte Kleidung und erstattet dann je nach Zustand des Kleidungsstücks einen Prozentsatz des Kaufpreises zurück. Sehen die Teile beispielsweise noch sehr gut aus und haben keine Mängel, bekommt man noch 50% zurück, dann geht es nach unten gestaffelt weiter. Und selbst, wenn sie absolut runtergerockt und nicht mehr zu verwenden sind, bekommt man noch 5% vom Kaufpreis wieder – wenn man das Angebot annehmen möchte.

Baby krabbelt im Sand im Manitober-Pullover
Auch das Baby trägt Manitober

Wir haben vom Rücknahmeversprechen noch keinen Gebrauch gemacht, weil die Kleidung so unverwüstlich ist, dass unsere erste Wollwalkhose und der erste Manitober-Pullover von vor zwei Jahren ungelogen noch fast aussehen wie neu.

Auf meinem Instagram-Profil (Achtung: Weiterleitung zur Plattform Instagram) gibt’s dazu momentan noch einen Promo-Code, mit dem ihr 15% Rabatt auf eure Bestellung bekommen könnt! Das gilt übrigens auch für Erwachsene, denn Partnerlook ist hier durchaus möglich.

Mutter und Tochter im Partnerlook
Partnerlook war selten so cool 😉

Rezension: Die Welt, die dir gefällt (Gretas Schwester)

Welche Welt wäre eigentlich eine, die unserem Kind gefallen würde? Dieser Frage widmet sich das neu erschienene Buch Die Welt, die dir gefällt. Ein Mitmachbuch von Gretas Schwester, erschienen im Verlag arsEdition.

Mit nur wenigen Fragen, dafür aber vielen niedlichen und realistischen Illustrationen von Sarah Neuendorf lädt dieses Buch Kinder und ihre Vorlesenden ein, sich ein Wunschszenario auszumalen. Die Fragen bauen aufeinander auf und gehen Seite für Seite weiter ins Detail. So startet man beispielsweise mit der Frage “Wo wärst du gerade am liebsten?” und erforscht den Wunschort dann weiter: Wen man dort wohl treffen würde, in was für einem Bett man dort gerne schlafen würde und was man dort wohl gerne essen würde. Die Fragen können einerseits sehr breit sein, andererseits aber auch schon bestehende spezielle Interessen der Kinder ansprechen – zum Beispiel bei der Frage danach, was sie in ihrem Koffer auf jeden Fall bei sich tragen würden.

Kindgerechte Illustrationen von Sarah Neuendorf

Durch die Illustrationen erhalten die Kinder bereits Vorstellungen davon, was alles möglich wäre – und auch davon, dass den eigenen Wünschen hier keine Grenzen gesetzt werden. Sie könnten durchaus einen Dinosaurier als Haustier haben oder unterwegs eine Piratin treffen. Sie können auch ein Eis essen oder einen Badeanzug tragen, mit dem Paddelboot oder dem Heißluftballon verreisen.

Besonders toll an diesen Illustrationen ist, dass sie keine gängigen Klischees verfestigen, sondern alle Seiten sehr offen gestaltet sind. Beispielsweise gibt es eine Doppelseite mit Kleidung, die man in der Wunschwelt anziehen könnte. Diese ist bunt durcheinander angeordnet, statt dass Kleider und Röcke dem Ritterhelm gegenüber gestellt wären. Vielmehr regt es dazu an, die verschiedensten Teile auch miteinander zu kombinieren und sich wilde Kreationen zu überlegen.

Bei allen Themen ist es zudem so, dass die Illustrationen überwiegend losgelöst von Figuren sind, sodass Aktivitäten beispielsweise nicht suggerieren, dass man dafür laufen oder werfen können müsse, dass man Freund*innen bräuchte oder sie nur alleine machen könnte. Sind für einige Fragen doch Figuren dargestellt, zum Beispiel auf der Seite der möglichen Berufe, die die Kinder ausüben könnten, wurde darauf geachtet, dass auch Frauen “typische Männerberufe” ausüben und viele verschiedene Hautfarben dargestellt sind.

Leseempfehlung?

Eine ganz klare Leseempfehlung für alle, deren Kindern bei Wimmelbüchern die Struktur fehlt oder die gerne jeden Tag die Geschichte ein wenig neu erfinden würden. Die verschiedenen Illustrationen regen zum Dialog mit den Kindern an, sie sind realistisch und schön anzuschauen. Das “Vorlesen” wird nicht langweilig und auch beim zehnten Anschauen erfährt man noch immer neue Gedanken, die die Kinder gerade beschäftigen!

Empfehlen würde ich das Buch ab ca. drei Jahren.

Sarah Neuendorf/Gretas Schwester: Die Welt, die dir gefällt. Ein Mitmachbuch von Gretas Schwester.
arsEdition, München 2019. 32 Seiten.
ISBN: 978-3-8458-3068-1.
Hardcover: 15,00€