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Mutter mit Baby in der Trage auf dem Rücken

Veränderte Rollen: Wann bin ich die Mutter meiner Serienheldinnen geworden?

Es gab so viele Serien, die ich als Teenager gerne gesehen habe und mit deren “Held*innen” man sich zwangsläufig identifiziert oder sich von ihnen abgegrenzt hat. Meine Serienheld*innen waren im Laufe der Jahre beispielsweise Stephanie Tanner, Hermine Granger, Lena Schneider, Seth Cohen oder Rory Gilmore. Sie waren klug, witzig und hatten so wie wir als Teenager eine großartige und noch gänzlich ungeplante Zukunft vor sich.

Veränderte Rollen: Ich bin jetzt die Mutter

Auch heute gucke ich die dazugehörigen Serien und Filme noch sehr gerne. Als ich mit unseren Kindern schwanger war, habe ich beide Male Türkisch für Anfänger, Gilmore Girls und O.C., California noch einmal komplett gesehen, um mir die Zeit zu vertreiben. Doch insbesondere bei unserem zweiten Kind, als wir schon eine ganze Weile dieses Eltern waren, habe ich mit Erstaunen festgestellt, dass sich die Rollen und die Identifikation sehr verändert haben. Einerseits ist das ja ganz natürlich und gut so, denn es wäre schon etwas merkwürdig, wenn sich Zukunftsvorstellungen in den letzten 15 Jahren nicht geändert hätten.

Vor ungefähr zwei Jahren habe ich meine Bachelorarbeit über Identitätsbildung jugendlicher Protagonist*innen in ausgewählten Romanen geschrieben. Ich habe untersucht, ob es in aktueller Literatur wiederkehrende Situationen gibt, in denen Jugendliche sich selbst stark weiterentwickeln. Dabei las ich unter anderem ein Interview mit Wolfgang Herrndorf (Tschick), der als entscheidend für Jugendabenteuer unter anderem das schnelle Ausscheiden von Erwachsenen aus der Handlung und eine große Reise feststellte. Ich hätte nicht gedacht, dass ich in so wenigen Jahren die Seiten wechsle weg von der eigenen großen, nicht zu Ende geplanten Reise hin zu der Erwachsenen, die von ihren eigenen Kindern in wenigen Jahren aus deren Aktivitäten ausgeschlossen wird.

Wenn man sich plötzlich mit Serienmüttern identifiziert

Aber es ist vor allem bei den Serien tatsächlich so: Statt mit der feiernden Stephanie Tanner identifiziere ich mich plötzlich mit der älteren Schwester DJ, die für drei Kinder sorgt und froh ist, die Familie so nah bei sich zu haben. Statt mit Hermine Granger, die sich stundenlang in Büchern vertiefen und lernen möchte, identifiziere ich mich jetzt mit den Eltern von Harry Potter, die im Zweifel für ihr Kind sterben würden, nur damit es diesem gut geht. Statt mit Lena Schneider aus Türkisch für Anfänger, die die Regeln der Erwachsenenwelt auf Herz und Nieren prüft und hinterfragt, welche für sie relevant sind, identifiziere ich mich plötzlich mit der Mutter Doris, die mit ihren Kindern auf Umwelt-Demos geht und versucht, sich selbst im Alltag zwischen Familie und Beruf nicht zu verlieren.
Wann bitte bin ich Doris geworden?!

Es ist jetzt unsere Tür, die immer offen steht

Statt mit Seth Cohen, der mit seinen Freund*innen lange Wochenenden verbringt und Filme schaut, bin ich Kirsten geworden. Immer ein bisschen besorgt, immer etwas zu essen im Haus und immer eine offene Tür für Familie und Freund*innen. Nur mit weniger Alkohol und weniger Geld.

Und statt mit Rory Gilmore, meiner all-time-favorite-Serienheldin, identifiziere ich mich plötzlich zum ersten Mal mit der Mutter Lorelai. Statt Vorfreude auf Abschlussprüfungen und das Studium kommen Fragen nach einem festen Wohnort und danach, finanziell über die Runden zu kommen und unseren Kindern irgendwie die für sie bestmögliche Förderung herauszusuchen. Nur dass ich zu Beginn der ersten Schwangerschaft nicht 16 und alleinerziehend war, sondern 21 und in einer festen Beziehung.

Ich bin im Laufe der Jahre tatsächlich die Mutter meiner Serienheld*innen geworden und identifiziere mich zunehmend mit ihnen, auch wenn ich meine Held*innen selbst als Figuren noch gerne mag. Das ist wohl ein Anzeichen für dieses Erwachsensein, oder? Wirklich schön daran ist, dass ich all die Lieblingsserien noch einmal mit einer ganz neuen Perspektive sehen kann, wenn denn mal Zeit dazu ist. Und wer weiß, vielleicht gucken unsere Kinder sie in 10 Jahren ja selbst und setzen sich dann ebenfalls gerne mit einem Buch nach draußen, während ich keine Lust zu kochen habe und Bratnudeln bestelle. Es könnte schlimmer kommen.

Babykleidung aufbewahren oder nicht? Eine sehr emotionale Frage.

Vor ungefähr einem Jahr, zwei Monate vor dem errechneten Geburtstermin unseres zweiten Kindes, haben wir die Kisten mit Babykleidung aus dem Keller geholt. Viel war nicht mehr übrig, weil wir damals den Großteil der Kleidung, aus der die Tochter herausgewachsen war, gespendet oder weitergegeben haben – aber einige wenige Lieblingsstücke sind geblieben. Vor ungefähr einem Jahr haben wir dann die Erstausstattung für den Babysohn zusammengekauft, mittlerweile lagen die kleinen Größen nun allerdings auch schon wieder seit einem halben Jahr aussortiert im Schrank.

Gestern habe ich mich an diese immer voller werdende Box gewagt und etwas getan, was mich emotional doch stärker getroffen hat, als ich vorher gedacht hätte: Ich habe aussortiert. Und zwar so richtig. So “falls wir jemals ein drittes Kind kriegen sollten”-richtig. Alles von Größe 50-68 wurde auf den Prüfstand gestellt: Heben wir es wirklich auf? Geben wir es weiter? Verleihen wir es nur?

Babykleidung aufbewahren: Was darf bleiben?

Ich hätte alles aufbewahren können, klar. Dann sähe unser Keller allerdings in zwei Jahren aus wie ein kleiner Second-Hand-Shop. Ob wir jemals ein drittes Kind bekommen, steht in den Sternen. In den letzten vier Jahren Elternschaft haben wir gelernt, dass man vieles einfach auf sich zukommen lassen muss. Aber selbst, wenn wir kein drittes Kind mehr bekommen sollten, möchte ich mich nicht von allen Babysachen trennen. Einerseits hängen da viele Erinnerungen dran, viele Momente auf dem Sofa, in denen wir das Baby in GENAU DEM Schlafanzug stundenlang beobachtet haben. Spaziergänge mit GENAU DEM Wollpullover, den schon mein Mann als Baby trug. Die winzigen Bodys, bei denen man nicht gedacht hätte, dass da noch winzigere Babybeinchen herausschauen könnten. Zusätzlich wird irgendwann vielleicht auch der Moment kommen, in dem unsere Kinder Eltern werden und in dem wir ihnen gerne Lieblingsstücke aus ihrer eigenen Kindheit mitgeben möchten.

Jedes einzelne Teil habe ich mir noch einmal bewusst angesehen, Momente Revue passieren lassen und es dann auf einen der Stapel “bleibt”, “wird verschenkt” oder “Flohmarkt” gelegt. Wenn das so weiter geht, werde ich die Marie Kondo der Babysachen.

Babykleidung, die weitergegeben wird

Alles, woran unser Herz nicht extrem stark hängt, geben wir weg. Wie auch beim ersten Kind möchten wir einen Teil spenden, einen Teil an Freund*innen und Familie verschenken und den letzten Rest vermutlich mal auf einem Flohmarkt verkaufen. So wie wir bisher allerdings flohmarkttechnisch unterwegs waren, verschenken wir es am Ende sowieso wieder. Wir haben selbst einige Teile genutzt, in denen schon mindestens zwei Kinder vorher die Welt erkundet haben und ich finde den Gedanken sehr schön, gut gepflegte Dinge weiterziehen und für neue Momente bereit sein zu lassen.

Babykleidung, die bleibt

Die Kiste mit der Babykleidung, die bleibt, war tatsächlich emotional schwieriger zu füllen, als die Stapel mit den Sachen, die nicht bleiben. Das Weggeben der Kleidung, an der wir nicht hängen, fällt mir nicht so schwer. Aber der Kloß im Hals war groß, als ich die verbleibenden Dinge in die Kiste legte und mir plötzlich die Frage in den Kopf schoss, ob das nächste Kind, das diese Klamotten tragen wird, tatsächlich nochmal ein Kind von meinem Mann und mir sein wird – oder eins unserer Enkelkinder. Dieser Gedanke traf mich sehr unerwartet, denn er bringt gleich noch einen zweiten mit: War es das vielleicht schon mit den Babyphasen? Habe ich “alle meine Kinder” schon bekommen? Mit 26? Werden wir vielleicht nie eine “klassische” Elternzeit, ohne Uni-Stress und Arbeiten erleben? Haben wir das alles genug genossen? Puh. Da ist er schon wieder, der Kloß.

In der Kiste für den Keller liegen nun noch wenige Kleidungsstücke, die mein Mann oder ich selbst als Babys getragen haben, Kleidungsstücke, die unsere beiden Kinder getragen haben und wenige Neuanschaffungen vom zweiten Kind.

Die Kleidung, die unsere Kinder trugen, als wir mit ihnen jeweils aus dem Krankenhaus nach Hause gefahren sind, habe ich schon länger gesondert aufgehoben. Noch lagert sie in einer kleinen Box, soll aber demnächst in Bilderrahmen ihren Platz in unserer Wohnung finden.

Und bei euch? Was macht ihr mit aussortierter Baby- oder Kinderkleidung?

Titelcover Erziehen ohne Schimpfen

Rezension: Erziehen ohne Schimpfen (Nicola Schmidt)

Warum schimpfen Erwachsene mit ihren Kindern? Was passiert im Gehirn, bevor geschimpft wird – und warum helfen so viele gutgemeinte Tipps wie das berühmte “Zählen Sie bis zehn!” nicht weiter? Nicola Schmidt, die Gründerin des artgerecht-Projekts und Autorin verschiedener Ratgeber für Eltern, widmet sich in ihrem neuen Buch Erziehen ohne Schimpfen. Alltagsstrategien für eine artgerechte Erziehung den Strategien, die tatsächlich eine Veränderung bringen können.

Erziehen ohne Schimpfen – aber warum wird überhaupt geschimpft?

Dieser Frage widmet sich Nicola Schmidt direkt zu Beginn des Ratgebers. Als Wissenschaftsjournalistin gelingt es ihr hier sehr gut, wissenschaftliche Erkenntnisse aufzubereiten und den Leser*innen verständlich zu machen: Welche Areale im Gehirn werden beispielsweise aktiviert, wenn ein Glas umkippt oder ein Kind auf die Straße rennt? Welche Hormone werden wann ausgeschüttet und verhindern rationales Denken – und was hat eigentlich die Steinzeit damit zu tun?

Stress als Schimpf-Motor

Dass unser heutiges Leben schneller ist, als die Evolution erlaubt, hat Nicola Schmidt bereits in ihren anderen Ratgebern dargestellt, doch in Erziehen ohne Schimpfen geht sie sehr speziell darauf ein, wie unser Alltag und Stress mit dem Schimpfen in Zusammenhang stehen, wie wir lernen, unser “Dorf” an Unterstützung aufzubauen und zu Aufgaben “nein” zu sagen.

In vielen Beispielen aus alltäglichen Situationen werden deren Ursachen aufgezeigt, aber auch kreative Lösungen dargeboten. Beispielsweise dazu, wie wir unsere Kinder ohne Meckern und Drohen vom Klettergerüst bekommen, wenn wir spät dran sind, oder wie wir versuchen können, unseren Morgen stressfreier zu gestalten. Natürlich sind dies Beispiele und keine Garantien, dass es in der eigenen Familie genauso klappt oder die Kinder genauso reagieren werden, dieser Anspruch wird allerdings auch nicht erhoben. Vielmehr soll es dazu anregen, die eigene Familie zu reflektieren und eigene passende Wege zu finden.

Wird dann nur noch gespielt? Und was ist mit Regeln?

Erziehen ohne Schimpfen muss dabei nicht bedeuten, dass die Erwachsenen nicht dennoch als Leitsterne fungieren: Eins der Kapitel trägt denn interessanten Titel “Kein Laisser-faire!” Wie wir Regeln trotzdem durchsetzen. Das ist wohl eine der Fragen, die die Eltern am meisten interessiert: Wie schaffe ich es dennoch, das umzusetzen, was ich für mein Familienleben als essenziell erachte? Welche Alternativen gibt es zum Schimpfen, Meckern, Drohen usw., um meinen Kindern mit einem besseren Gefühl das mitzugeben, was wichtig ist? Hier geht Nicola Schmidt unter anderem darauf ein, was ein Kindergehirn überhaupt kann und was es nicht kann, wie Kinder zuhören und wie wir lernen, Situationen richtig abzupassen.

Nur Theorie?

Während der Anfang des Ratgebers natürlich (auf sehr spannende Weise!) tiefer in die Theorie geht, gesellen sich immer wieder Praxisbeispiele zu theoretischen Ausführungen. Am Ende des Buches gibt Nicola Schmidt die Anregung, sich selbst in einer “21-Tage-Challenge” herauszufordern. Sie motiviert mit ausführlichen Gedanken zu einem Experiment, sein eigenes Schimpf-Verhalten zu beobachten, sich erreichbare Ziele zu stecken und schließlich in einen Prozess zu starten, um Situationen ohne Schimpfen zu meistern. Dadurch kann langfristig nicht nur das Familienleben harmonischer werden, auch die im Ratgeber dargestellten Folgen, die Schimpfen für das kindliche Gehirn (und unsere eigene Scham) hat, können dadurch aktiv bearbeitet werden!

Leseempfehlung?

Nicola Schmidt gibt mit Erziehen ohne Schimpfen Eltern einen wertvollen Ratgeber an die Hand, wie sie ihr Familienleben mit Kindern verschiedener Altersstufen harmonischer und wertschätzender gestalten können. Was dabei besonders positiv auffällt: Es gibt keinen erhobenen Zeigefinger, sondern vielmehr ein “Wir sitzen doch alle im selben Boot”. Um Konflikte auszutragen, müssen die Kinder auch noch gar nicht im Teenager-Alter sein, auch Eltern von Kleinkindern können hier wertvolle Informationen über die Arbeit kindlicher Gehirne und gleichwertiger Kommunikation mitnehmen.

Nicola Schmidt: Erziehen ohne Schimpfen. Alltagsstrategien für eine artgerechte Erziehung.
GRÄFE UND UNZER VERLAG, München 2019. 176 Seiten.
ISB-N: 9783833868566.
Taschenbuch: 16,99€

Das Bild zeigt das Lastenrad Babboe Curve E mit Sonnenverdeck und eingebauter Babyschale zum Transport von Babys

Ein Jahr mit dem Lastenrad – Das Babboe Curve im Test

Weniger Zeit im Auto verbringen – das war unsere Hauptintention, als wir uns vor einem Jahr mit verschiedenen Lastenrädern auseinandergesetzt haben. Kind Nummer 2 war unterwegs und es war klar, dass es in Zukunft irgendwie mitkommen muss – zu zweit im Fahrradsitz ist allerdings eher schlecht. Unsere Wahl fiel letztendlich auf das Babboe Curve E, ein dreirädriges Lastenrad mit Tretunterstützung.

Das Lastenrad ist selbstgekauft, es handelt sich hierbei nicht um bezahlte oder beauftragte Werbung.

Lastenrad oder Fahrrad-Anhänger?

Preislich ist ein Lastenrad wirklich eine Anschaffung, für die man sich nicht leichtfertig entscheidet. Daher war bei uns auch etwas länger noch ein Fahrrad-Anhänger im Gespräch, jedoch hatte ich damit im Stadtverkehr ein mulmiges Gefühl. Wir fahren zur Kita ungefähr 25-30 Minuten mit dem Fahrrad, teilweise an einer großen Straße, an der auch LKW fahren und deren Radweg nicht baulich von der Fahrbahn getrennt ist. Das war mir etwas zu heikel, vor allem da habe ich die Kinder gerne vor mir im Blick. Hinzu kommt bei uns noch die Situation, dass ich seit Jahren ein eingeschränktes Knie habe und mir die Strecke mit dem zusätzlichen Gewicht eines Anhängers nicht täglich zutrauen würde. Wenn ich dann letztendlich doch wieder das Auto nehmen würde, hätte sich die Investition nicht wirklich gelohnt.

Wir entschieden uns also für ein Lastenrad und hierbei für eins der “günstigsten” dreirädrigen Geschosse: Das Babboe Curve E. Ohne E, ohne mich bei dem Gewicht des Rades. Es gibt immer wieder Händler*innen, die Finanzierung anbieten, ansonsten bieten auch Lastenräder wie das Gazelle gleich auf der Homepage eine Finanzierung an. Hier lohnt es sich also, Möglichkeiten abzuwägen, bevor man sich von der zunächst sehr hohen Summe abgeschreckt sieht. Einige Bundesländer und Städte bezuschussen sogar den Kauf von Lastenrädern als PKW-Alternative.

Wie können die Kinder im Babboe Curve mitgenommen werden?

Unsere Tochter war zum Zeitpunkt der Anschaffung fast drei, wir brauchten für sie keinen Kleinkind-Sitz mehr, den Babboe allerdings auch anbietet. Stattdessen haben wir ein Bankpolster gekauft und sie sitzt nun mit den Anschnallgurten gesichert auf der Holzbank.

Mit Hilfe eines Metallgestells können auch Babyschalen wie der MaxiCosi im Lastenrad eingesetzt werden, aktuell sitzt unser Sohn (9 Monate) auch im MaxiCosi im Lastenrad. Die Babyschale haben wir mit einem Fahrradschloss am Gestell gesichert, damit sie beim Einkaufen nicht einfach entwendet werden kann. Das Gestell ist gefedert, dennoch würde ich mit ihm noch nicht über jedes Kopfsteinpflaster der Stadt fahren, es holpert doch oft noch sehr. Mit dieser Lösung bin ich bis heute noch nicht 100% zufrieden, ich würde mir wünschen, dass hier eine besser gefederte Lösung entwickelt wird.

Das Babboe Curve im Alltags-Test: Wie fährt sich das Lastenrad bei Regen, Wind und Schnee?

Verschiedene Wetter-Situationen sind mit dem Lastenrad tatsächlich kein Problem mehr. Es gab im vergangenen Jahr so einige Tage, an denen man beim Blick aus dem Fenster nicht unbedingt auf die Idee gekommen wäre, das Fahrrad dem Auto vorzuziehen. Mit dem Lastenrad ist das bei uns allerdings tatsächlich anders geworden, viel häufiger fahren wir nun Fahrrad statt Auto. Bei Wind hilft die elektrische Tretunterstützung dabei, trotzdem mit möglichst geringer Mühe den Weg zu bestreiten. Bei Hitze und Sonne hilft uns aktuell das Sonnendach, damit die Kinder schattig transportiert werden können. Und bei Regen und Schnee war es unter dem Regenverdeck bisher immer schön warm und trocken. Dieses Zubehör funktioniert wirklich sehr gut.

Das Babboe Curve E mit Regenverdeck und eingebautem MaxiCosi.
Auch bei Regen ein treuer Begleiter: Das Babboe Curve E.

Nicht so überzeugt bin ich hingegen vom Licht, was daran liegt, dass es kein Licht ist, dass für den deutschen Straßenverkehr ausreicht. Das Lastenrad kommt ab Werk mit batteriebetriebenen Mini-Lampen, die auf keinen Fall ausreichen, um im Dunkeln zu fahren. Das Fahrradgeschäft unseres Vertrauens wird jetzt nachsehen, ob sie andere Lampen mit an den E-Motor anschließen können, aber dies kostet natürlich zusätzlich Geld.

Während mein Mann eigentlich auch gerne ein zweirädriges Lastenrad hätte, bin ich mit dem dreirädrigen sehr zufrieden. An der Ampel bleibt es einfach stehen, man muss kein Gewicht ausbalancieren und wenn eins der Kinder mal in die Trage möchte und man das Lastenrad schiebt (weil Trage auf dem Fahrrad ein No-Go ist!), ist es wesentlich einfacher, als ein zweirädriges mit dem zweiten Kind und Gepäck zu schieben. Dafür muss man allerdings auch die eingeschränkte Wendigkeit in Kauf nehmen. Die Radwege sind leider nicht immer auch tatsächlich auf Fahrräder eingestellt, häufig werden sie hier in der Stadt plötzlich sehr schmal oder es steht eine Ampel oder ein Baum mitten auf dem Weg. Dann sind zweirädrige sicherlich etwas einfacher in der Handhabung, aber bisher sind wir auch so sehr gut klargekommen.

Lohnt sich die Anschaffung denn?

Nach einem Jahr mit dem Fahrrad kann ich sagen: ja. Wir haben es bisher nicht bereut, so viel Geld (auf Raten) in das Lastenrad zu investieren. Wir haben mehrere hundert Kilometer damit zurückgelegt, für die wir sonst das Auto genommen hätten. Das hilft nicht nur der Umwelt, sondern auch wir bewegen uns dadurch regelmäßiger an der frischen Luft und sind mit den Kindern während der Fahrt stärker in Interaktion. Ich habe dazu keine statistischen Daten, aber meistens sind unsere Tochter und auch wir wesentlich ausgeglichener nach der Kita-Fahrt mit dem Rad. Für einen Wocheneinkauf ist (ohne eingebautem MaxiCosi) genug Platz, wir meiden die verstopften Straßen und sind teilweise sogar schneller als mit dem Auto.

Es gibt sicherlich besser gefederte Lastenräder oder länger haltende E-Akkus, aber für den “kleineren” Geldbeutel erfüllt das Babboe Curve bei uns bisher absolut seinen Zweck!

Laptop mit Lektüre und Notizbuch

Studieren mit Kind: Der Alltag ist ein ständiges Verhandeln

Ich glaube, dass zum einen Resilienz ein großes Stichwort im Familienalltag ist. Resilienz ist eine Kompetenz, die Eltern zwangsläufig erwerben müssen, um nicht völlig durchzudrehen, wenn Planungen nicht aufgehen, die Wohnung unter Wasser steht, die Wand mit Filzstift angemalt wurde oder dem teuren Steiff-Kuscheltier die Haare abgeschnitten wurden.

Ein anderes Stichwort ist allerdings auch Verhandlungskompetenz. Der Familienalltag ist immer und immer wieder ein Verhandlungstisch. Zum einen mit den Kindern, zumindest wenn man sie von Anfang an als mündige Individuen betrachtet und nicht als ausführende Wesen, die einem großen Leitbild folgen sollten. Kinder haben ihre Ansprüche an die Tagesgestaltung, die gehört werden müssen. Wir verhandeln schon beim Frühstück: Wie viel Brote mit Schokocreme sind erlaubt? Gibt es Grenzen? Was ist der Kompromiss, wenn das Kind bei Regen mit Sandalen statt mit Halbschuhen losgehen will? Zwingen wir es mit emotionaler Gewalt in die Turnschuhe oder akzeptieren wir die Sandalen und packen einfach die Gummistiefel mit ein? Können wir unterwegs anhalten, um dieses besonders schöne Exemplar eines Stocks einzusammeln und mitzunehmen? Wir verhandeln im Grunde den ganzen Tag und suchen bei Unstimmigkeiten Kompromisse. Und zwar Kompromisse mit jemandem, der noch völlig andere Vorstellungen von Relevanz und Notwendigkeit hat, als wir selbst.

Wir Eltern verhandeln den ganzen Tag

Aber nicht nur mit den Kindern verhandeln wir. In unserem Alltag wird es stark deutlich, dass im Grunde jede Stunde verhandelt wird. Ich hoffe sehr, dass das anders wird, wenn wir beide mit dem Studium fertig sind, denn ich bin ganz ehrlich: Ich habe auf dieses ständige Verhandeln keine Lust mehr. Es ist ermüdend, immer in dem Dilemma zu stecken, dass eigentlich beide gerade arbeiten bzw. am Schreibtisch sitzen müssten. Wenn eine*r arbeitet, muss der oder die andere den Eltern-Job übernehmen. Baby bespaßen, zur Kita fahren, Nachmittags-Spieldates wahrnehmen, Essen kochen usw. Das machen wir beides total gerne und lieben es, Eltern zu sein. Aber es wäre wesentlich leichter, das entspannt zu machen, wenn einem nicht ständig das schlechte Gewissen im Nacken sitzen würde: einen Feierabend gibt es im Studium ja im Grunde nicht. Unzählige Abende saßen wir bis nach Mitternacht in der Küche und haben für Klausuren oder Prüfungen gelernt. Aktuell startet unser Tag zwischen 4 und 5 Uhr morgens und endet erst gegen 23 Uhr. Wenn man selbst verantwortlich für den Lernerfolg ist, gibt es immer noch etwas, was erledigt werden müsste. Ein Text, der gelesen oder ein Protokoll, das geschrieben werden müsste. Jede Stunde Schreibtischzeit ist Verhandlung.

Viele unserer abgegebenen Hausarbeiten bleiben dennoch weit hinter dem zurück, was wir gerne leisten und vor allem auch gerne wissen würden. Wir müssen verhandeln, auch mit uns selbst: Welche Texte werden noch gelesen? Was ist das Minimum, wo ist Zeit für Zusätze? Welches Wissen können wir verantworten nicht zu haben? Welche Intensität der Grippe lässt uns noch losgehen, ab wann kapitulieren wir, um noch ein Mindestmaß Alltag zu schaffen? Immer mit dem Gedanken: Da geht noch mehr.

Studieren mit Kind: Das schlechte Gewissen macht müde

Das macht müde. Das schlechte Gewissen macht müde, das Gefühl des Nicht-genug-Machens macht müde, das Verhandeln macht müde und raubt Zeit. Es schärft zwar das Empfinden für Bedürfnisse, es lässt uns hier auf Augenhöhe zusammenleben und uns gegenseitig zuhören und ist vielleicht irgendwann so intuitiv, dass konstruktive Zusammenarbeit und demokratische Entscheidungsfindung für unsere Kinder Selbstverständlichkeiten sind. Ich hoffe es zumindest, denn dann hat sich all der tägliche Wahnsinn der Herausforderungen beim Studieren mit Kindern auf jeden Fall gelohnt.

Titelbild "Tragen im Sommer": Mutter mit dem Kind im Tragetuch (als Hüftschlinge gebunden)

Baby tragen im Sommer: Worauf ich achte

Bei Temperaturen um die dreißig Grad taucht schnell die Frage auf, was wir unseren Babys eigentlich noch anziehen sollten, um sie vor Überhitzung und der direkten Sonneneinstrahlung zu schützen. Hier findest du einen Überblick über die wichtigsten Rahmenbedingungen, wonach ich mein Baby trage, doch es sei ausdrücklich erwähnt: Das ist keine Garantie und keine Haftungsübernahme. Es sind meine Erfahrungen als Trageberaterin, aber du und dein Kind seid individuell. Wenn du dir unsicher bist, lasse dich lieber noch einmal von einer Trageberaterin vor Ort beraten.

Tragen im Sommer: Die wichtigsten Rahmenbedingungen

  • Die Mittagshitze sollte bestenfalls gemieden werden. Babys sind noch empfindlicher in Bezug auf Sonneneinstrahlung und in Bezug auf den Temperaturausgleich
  • Haut-zu-Haut-Kontakt kann unangenehm werden und Ausschlag verursachen. Versuche, zwischen dir und dem Baby eine Stoffschicht zu tragen, beispielsweise dein T-Shirt oder ein Spucktuch
  • Alles kann, nichts muss: Wenn es beiden zu warm ist, sollte das Tragen nicht erzwungen werden
  • Ausreichend Flüssigkeit ist das A und O. Dem Alter entsprechend sollte man dafür sorgen, dass das Baby Flüssigkeit zu sich nimmt (Muttermilch, Pre, später auch Wasser oder ungesüßter Tee)
  • Es gibt für richtig heiße Tage und die Mittagssonne spezielles Zubehör wie Sonnenschirme und Sonnencover (z.B. von Didymos). Normale Regenschirme ohne UV-Schutz erfüllen diese Funktion nicht. Ich persönliche habe dieses Zubehör noch nie gebraucht, bin aber auch selten mit Baby mittags draußen

Bindeweisen und Tragen

Für den Sommer wird meistens kein spezielles Tragetuch benötigt, aber einige Tipps helfen, damit es nicht zu warm wird:

  • dünne Stoffe sind angenehmer. Bei Tragetüchern sind das beispielsweise Baumwolltücher mit einem Flächengewicht von unter 200g/m2
  • Tragetücher unterscheiden sich im Material. Hanf, Leinen oder auch Seide sind im Sommer wesentlich besser geeignet als beispielsweise Wolle
  • das Tragetuch wirkt wie eine Extra-Schicht Kleidung. Sogenannte einlagige Bindeweisen (= nur eine Schicht Stoff) sind im Sommer besser geeignet. Hierzu zählen beispielsweise das Känguru als Bindeweise vor dem Bauch oder der einfache Rucksack auf dem Rücken
  • auch Ring-Slings sind luftiger als beispielsweise die klassische Wickelkreuztrage. Auf dem Bild oben trage ich ein Tragetuch in Größe 4 als Hüftschlinge
  • Wenn du eine Trage benutzt, schaue, dass sie aus Baumwolle ist und kein Polyester enthält, in Polyester wird stärker geschwitzt. Einige Tragen haben in ihren Kopfstützen sogar einen integrierten UV-Schutz

Was sollte das Baby anziehen?

Bei der Kleidung lautet das Motto: Babyhaut sollte vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt sein.

  • Eine UV-Schutz-Mütze mit Schirm und Nackenschutz ist unerlässlich
  • Bei Hitze reichen am Körper beispielsweise ein Langarmbody/Langarmshirt, eine lange Hose oder Beinstulpen und dünne Socken
  • Wenn es noch etwas kühler ist, ziehe ich meinem Baby ein kühleres Jäckchen über einen Kurzarmbody
  • Auch das Material der Kleidung kann helfen, in Polyester wird schnell geschwitzt, während beispielsweise ein Wolle/Seide-Mix temperaturausgleichend wirkt

Ob dem Baby mit der Kleidung zu warm oder zu kalt ist, kann man immer mal im Nacken erfühlen. Dort merkt man sehr gut, ob dem Baby zu kalt oder zu heiß ist.

Das erste Jahr mit Baby - Mutter mit Kind im Tragetuch, das als Hüftschlinge gebunden ist

Das erste Jahr geht so schnell vorbei…

Das erste Jahr mit dem Baby geht schnell vorbei. Wir haben gerade das zweite Baby, die Zeit rast und irgendwie wissen wir das, irgendwie aber auch nicht. Gerade eben war noch Herbst, die Pullover gingen nicht mehr über den dicken Bauch und die Übergangsjacke ging gerade noch so zu. Dann kam das Baby, die Wochen im Wochenbett in der Wohnung, der Winter, in dem das Baby unter der Jacke mit uns spazieren ging.

Und nun? Nun ist plötzlich Sommer. Keine Ahnung, wo der Frühling geblieben ist. Der ist uns irgendwo unterwegs verloren gegangen. Der Babysohn sitzt plötzlich auf der Hüfte und isst im Tragetuch Hirsekringel. Wir kochen wieder Kartoffeln ohne Salz und schauen bei den ersten Krabbelversuchen zu.

Oft fragen wir uns dabei, ob wir das eigentlich alles genug wahrnehmen, ob wir intensiv genug hinsehen und ob wir uns das wohl je alles merken können. Die ersten Laute, die großen Augen, die sich über das Kuckuck-Spiel freuen. Dabei kennen wir die Antwort eigentlich bereits: Nein. Nein, wir werden uns das nicht alles merken können. Sicherlich bleiben einige Erinnerungen hängen, die ersten Worte oder besondere Tage. Aber von den Jahren mit unserer Großen wissen wir, dass wir viele Tage vergessen werden. Nicht, weil sie unwichtig wären, gar nicht. Aber weil jeden Tag neue Erinnerungen dazukommen.

Unsere Kinder lernen jeden Tag etwas Neues dazu, wir leben im Moment und versuchen, sie bestmöglich zu unterstützen. Wenn wir so sehr auf den Moment konzentriert sind, geht das davor manchmal verloren. Es fällt uns schwer, uns vorzustellen, wie unsere Tochter vor drei Jahren genau ausgesehen hat, weil schon so viele Entwicklungen danach kamen und das für uns jetzt “normal” ist. Das wird bei unserem Sohn genauso sein.

Einige wenige Momente halten wir auf Videos fest, die sind wesentlich besser zu archivieren als tausende Fotos. Sie geben unser Kind wieder und auch uns im Hintergrund. Dass wir so oft daran gedacht haben, macht mich heute so glücklich, denn es transportiert so viel mehr Familienalltag als ein Foto. Aber ganz ehrlich? Beim ersten Kind haben wir viel mehr gefilmt. Wir haben Ordner angelegt und Fotos nach Monaten sortiert. Dafür fehlt jetzt leider oft die Zeit.

Das macht immer mal nachdenklich, doch das Folgende hilft mir dabei:

Annehmen. Das ist okay. Das ist normal. Ich möchte nicht andauernd das Gefühl haben, das alles nicht intensiv genug zu erinnern, sondern mich über die Momente freuen, die tatsächlich bleiben. Wir reden gemeinsam über Momente und erinnern uns immer wieder dran, wir sichten gelegentlich alte Fotos auf dem Computer und hängen Bilder aus den Urlauben auf. Und irgendwann werden wir gemeinsam lange darüber rätseln, “wo das denn noch gleich war” und das wird ein neuer schöner Abend werden.

Einmal im Monat ziehe ich jetzt Fotos raus, die in ein Jahresalbum kommen werden. So bleibt immerhin etwas am Ende des Jahres als Datei übrig, mit viel Glück kommt man auch tatsächlich zum Ausdrucken und Einkleben. Für beide Kinder lege ich auch ein Erinnerungsbuch ohne Bilder an. Beide bekommen das gleiche, bei der Großen schreibe ich tatsächlich schon seit ihrer Geburt Erinnerungen, erste Schritte und gemeinsame Urlaube auf. Und beim Baby fange ich bestimmt auch demnächst an 😉