Alle Artikel in: Kleinkind & Familienleben

Kinder und Entschuldigungengen: Vater und Tochter mit Sandspielzeug am Meer

“Es tut mir leid.” Kleine Kinder und Entschuldigungen

Müssen sich Kinder entschuldigen? Und in welcher Form überhaupt? Und ab wann? “Johannes lass’ das. Johannes hör’ auf damit. Johannes, nicht die anderen Kinder hauen. Johannes du entschuldigst dich jetzt SOFORT bei dem Kind. Johannes umarme das Kind und zeig ihm, dass es dir leid tut”. Das letzte Mal, als ich mit unserer Tochter beim Kinderturnen war, ist mittlerweile über zwei Jahre her und endete mit dieser Szene. Kinderturnen für Ein- und Zweijährige, die sich in der dunklen Jahreszeit indoor austoben konnten. Das war eigentlich ganz nett, wenn nicht alle Eltern immer versucht hätten, den anderen Eltern zu zeigen, dass sie auch ja alles “richtig” machen mit ihrem Kind. Johannes, dessen Name in echt anders war, hatte nicht so wirklich viel Lust, mitzumachen und offensichtlich an diesem Tag ganz andere Baustellen. Er war wütend, er wollte nicht mitmachen, aber seine Mutter hatte ihn doch extra angemeldet, dann kann er ja wohl mal mitmachen. Johannes war ungefähr zwei Jahre alt und hatte natürlich noch keinerlei Verständnis dafür, warum er dieses Kind jetzt umarmen und ein “Entschuldigung” …

Baby auf dem Arm von mir, der Mutter

Auch das zweite Kind stellt das Familienleben auf den Kopf

Wenn ein Kind geboren wird, stellt sich das Leben der Eltern auf den Kopf. Vor dem ersten Kind denkt man, man wisse genau wie es läuft. Man wundert sich, warum Eltern so viel von Problemen sprechen, warum es für sie so anstrengend ist und glaubt, die Weisheit der Kindererziehung mit Löffeln gegessen zu haben. Dann kommt das erste Kind und wirbelt alles durcheinander und zeigt den Eltern, wie wenig sie beeinflussen können. Es zeigt, dass es schon ein eigener Mensch mit eigenem Charakter ist und überhaupt keine Lust hat, nach der dritten Runde “Lalelu” einzuschlafen, OBWOHL man das Nachtlicht mit den ansprechenden Motiven gekauft hat. Wenn dann das zweite Kind unterwegs ist, dann ist man vorbereitet, dann hat man es aber nun wirklich raus – man kennt die Tricks, kennt das Bauchmassageöl und den Fliegergriff und weiß, dass Babys nachts gelegentlich aufwachen. Weil das Baby sich über Monate nicht ablegen lässt, hat man sogar die Federwiege gekauft, von der man früher gehört hatte. Eigentlich alles ganz easy, wenn man nicht bis hierhin vergessen hätte, dass …

Die Hände zweier Geschwister übereinander

Geschwisterbeziehung mit dem fünf Monate alten Baby

Der Babysohn ist tatsächlich schon fünf Monate alt. Im Vorfeld seiner Geburt hatten wir uns viele Gedanken gemacht, wie sich wohl die Geschwisterbeziehung im Laufe der Zeit entwickeln würde. Wir lasen viel und versuchten, uns so gut wie möglich vorzubereiten. Unsere Tochter ist mittlerweile 3,5 Jahre alt und geht tagsüber in den Kindergarten, aber nachmittags und am Wochenende gibt es genügend Zeit, sich gegenseitig immer weiter kennenzulernen. Heute gibt es ein Update dazu, wie sich hier alles zurechtruckelt. Geschwisterbeziehung: Wie sie angefangen hat Über unserem Küchentisch hängt ein Foto von dem Moment, in dem unsere Tochter ihren Babybruder das erste Mal auf dem Schoß liegen hatte. Wir kamen nach der Geburt mit ihm nach Hause, wo sie die Nacht mit Oma und Opa verbracht hatte und schon in der Tür kam sie uns aufgeregt und zurückhaltend zugleich entgegen. Voller Bewunderung und Stolz hat sie ihren Bruder das erste Mal berührt und ihn sich auf den Schoß legen lassen. Bis dahin dachte ich immer, das größte Glück für mich als Mutter wäre es, wenn mein Kind …

Schokoladenkuchen mit Venussymbol

Was ich meinen Kindern zum Internationalen Frauentag wünsche

Am 08. März ist internationaler Frauentag. Ein Tag, der für Gleichberechtigung und Emanzipation steht. Für meine Tochter und meinen Sohn habe ich daher heute viele Wünsche, die ich gerne teilen möchte. Internationaler Frauentag: Was bedeutet das? Den internationalen Frauentag gibt es im Grunde schon seit über 100 Jahren, mittlerweile hat sich der 8. März als Datum festgesetzt. Dass es ihn bereits seit über 100 Jahren gibt, ist einerseits toll und andererseits frustrierend. Denn wie oben schon erwähnt, geht es um Gleichberechtigung und Emanzipation – und davon sind wir leider immer noch weit entfernt, solange Themen wie Gender Pay Gap oder das Verneinen der körperlichen Selbstbestimmung der Frau nicht Geschichte sind. Noch immer gibt es starke Unterschiede in den Karrieremöglichkeiten oder in der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Wie oft mein Mann nach der Geburt unserer Kinder gefragt wurde, “wo denn das Kind nun sei”, während er auf der Arbeit oder in der Uni ist, könnt ihr euch sicherlich denken. Wie oft ihm ein “Krass, dass du jetzt wieder/noch arbeitest oder weiter studierst” entgegengebracht wurde? Könnt …

Kind in einem Faschingskostüm. Astronaut*innenanzug mit eesa-Patch und Helm aus Pappmaché

Faschingskostüme für Kinder: Mädchen und Jungen können (fast) alles sein

Heute ist Fasching in unserem Kindergarten. Unsere Tochter sagte vor einiger Zeit, dass sie gerne als “Astronautin” gehen würde, was ich ehrlich gesagt ziemlich cool fand. Wie genau sie darauf gekommen ist, weiß ich nicht, aber ich wollte auch nicht zu viel fragen, um sie nicht zu verunsichern. Faschinsgkostüme sind ja doch etwas, was Mut erfordert, immerhin zeigt man sich allen so in anderem Gewand. In den Wochen danach stand immer auch mal “Piratin” im Raum, aber die Astronautin hat letztendlich doch gewonnen, sicherlich unterstützt durch die Sendung mit der Maus und die Videos mit Alexander Gerst. Astronautin ist vielleicht nicht das “klassische Mädchenkostüm”, wenn ich mich in Spielzeugläden im Februar so umschaue. Das wurde mir auch im Stoffladen bewusst, als ich die Verkäufern nach hellem Sweatstoff für ein Astronautinnenkostüm fragte und sie reflexartig antwortete, dass wir ja einen finden müssen, “in dem er dann nicht so schwitzt”. Manchmal frage ich mich, ob das in meiner Kindheit schon so extrem war, oder ob es trotz besseren Wissens und gesellschaftlicher Entwicklung eher noch zunimmt. Vielleicht liegt …

Mutter und Tochter im Gespräch auf einer Parkbank

Kommunikation mit Kleinkindern: Was wir nicht sehen können

Der Abend ist eine spannende Zeit: Die Familie kommt nach Hause, verschiedene Erlebnisse des Tages prallen aufeinander und alle müssen sich erst wieder finden. Nicht immer ergibt sich die Möglichkeit, über die Erlebnisse des Tages ausführlich zu sprechen. Während wir Erwachsenen das vielleicht noch bei einem Kaffee oder Tee schaffen, ist es für Kinder wesentlich schwieriger, genau in dem Moment eine Antwort zu formulieren, in der man versucht herauszufinden, wie der Tag war. Auf die Frage “Wie war es in der Kita?” bekommt man ja höchstens mal ein “gut” zurück, weil diese Frage und ihr Bedeutungshorizont noch nicht mit dem übereinstimmen, was die Kinder darunter verstehen. Sie können noch nicht wissen, dass wir Erwachsenen in der Regel mit einer Abwägung positiver und negativer Erlebnisse antworten würden. Statt eines reflektierenden Moments entlädt sich stattdessen an manchen (vielen) Tagen die Stimmung, es ist laut und wild und irgendwie ist jemand unzufrieden, ohne dass das Problem allen Beteiligten bewusst sein könnte. Vielleicht gab es in der Kita Streit mit einem anderen Kind, vielleicht ist die Lieblingshose zu klein …

„… ich zähle jetzt bis drei!“

Es gibt ja so Sätze, von denen man sich vornimmt, sie nie zu sagen. Also so auf gar keinen Fall. Sätze, die uns entweder aus unserer eigenen Kindheit, aus dem Fernsehen, aus Büchern oder aus den Erzählungen anderer begegnen. Diese Sätze sind dennoch in unserem Gehirn gespeichert und können abgerufen werden. Manchmal purzeln sie auch einfach raus, aus Reflex, bevor wir richtig darüber nachdenken können. Am Wochenende haben wir gemerkt, dass wir bei dem aktuellen Uni-Stress, dem akuten Schlafmangel, der innerlichen Zerrissenheit zwischen all den anstehenden Aufgaben und der auch vor uns nicht Halt machenden Grippewelle manchmal nicht unser ruhigstes Selbst sind. Mein Mann verglich unsere Situation letztens mit einem Reisebus, der mit überhöhtem Tempo durch eine verwinkelte historische Innenstadt fährt in dem schweißtreibenden Versuch, nirgendwo gegenzufahren und dessen Bremsen leider kaputt sind, weshalb er nicht anhalten und den Ausweg suchen kann. Das traf es sehr gut. Meine Visualisierung meiner selbst trifft aktuell eher einen Oktopus mit etwas zu kleinen Armen, der nirgendwo richtig rankommt. Ein Arm für die Dreijährige, einer für das Baby, einer …