Alle Artikel in: Studium mit Kind

Laptop mit Lektüre und Notizbuch

Studieren mit Kind: Der Alltag ist ein ständiges Verhandeln

Ich glaube, dass zum einen Resilienz ein großes Stichwort im Familienalltag ist. Resilienz ist eine Kompetenz, die Eltern zwangsläufig erwerben müssen, um nicht völlig durchzudrehen, wenn Planungen nicht aufgehen, die Wohnung unter Wasser steht, die Wand mit Filzstift angemalt wurde oder dem teuren Steiff-Kuscheltier die Haare abgeschnitten wurden. Ein anderes Stichwort ist allerdings auch Verhandlungskompetenz. Der Familienalltag ist immer und immer wieder ein Verhandlungstisch. Zum einen mit den Kindern, zumindest wenn man sie von Anfang an als mündige Individuen betrachtet und nicht als ausführende Wesen, die einem großen Leitbild folgen sollten. Kinder haben ihre Ansprüche an die Tagesgestaltung, die gehört werden müssen. Wir verhandeln schon beim Frühstück: Wie viel Brote mit Schokocreme sind erlaubt? Gibt es Grenzen? Was ist der Kompromiss, wenn das Kind bei Regen mit Sandalen statt mit Halbschuhen losgehen will? Zwingen wir es mit emotionaler Gewalt in die Turnschuhe oder akzeptieren wir die Sandalen und packen einfach die Gummistiefel mit ein? Können wir unterwegs anhalten, um dieses besonders schöne Exemplar eines Stocks einzusammeln und mitzunehmen? Wir verhandeln im Grunde den ganzen Tag …

Der erste Uni-Besuch nach der Geburt

Am Montag war ich das erste Mal wieder in der Uni, ungefähr fünf Wochen nach der Geburt. Ursprünglich wollte ich die vollen acht Wochen Wochenbett und Mutterschutz zu Hause bleiben, doch nun bekam ich langsam Panik, dass ich die Prüfungen, die im Februar anstehen, dann nicht schaffe. Seit diesem Jahr gibt es Mutterschutz für Studierende und die Uni hat eigentlich keine Anwesenheitspflicht – dennoch ist es nicht so, dass es überall angekommen ist, dass einem das Weiterstudieren nach der Schutzfrist dadurch möglich sein muss. Für dieses Semester hatte ich vier Dozent*innen angefragt und ihnen die Situation geschildert, dass ich zwar die ersten Wochen des Semesters physisch nicht anwesend sein würde, aber gerne von zu Hause aus die Seminarunterlagen bearbeite und dann nach Ablauf der Mutterschutzfrist wieder teilnehmen würde. Mit zwei Dozenten war dies alles kein Problem, die beiden angefragten Dozentinnen reagierten jedoch anders. Eine schrieb, ich könne es ja versuchen. Den Kurs habe ich schonmal nicht besucht. Eine andere schrieb, dass wir am Ende sehen müssten, “ob es reicht”. Wenn ich mir manchmal angucke, womit …

An Ferien muss man sich erst wieder gewöhnen

Seit einer Woche hat unsere Tochter hochoffiziell und zum allerersten Mal Ferien. Es ist ihr erster Kita-Sommer, nachdem sie im letzten Herbst mit ziemlich genau zwei Jahren eingewöhnt wurde. Nun haben wir die erste Schließzeit, für uns alle eine aufregende Erfahrung – denn wenn das Kind zum ersten Mal Ferien hat, ist es doch irgendwie schon ganz schön groß geworden.

Bjerregård, Dänemark mit Kleinkind – Urlaub mitten im Semester

Die Tasten quietschen noch etwas, während ich anfange, diesen Artikel zu schreiben. Unter ihnen hat sich Sand von Dänemarks Nordseeküste versteckt, genauso wie in allen Taschen, Schuhen und Brotdosen. Gestern sind wir aus unserem Dänemark-Urlaub zurückgekommen, die Tochter ist heute schon wieder fröhlich in die Kita gehüpft und ich brauche einen Kaffee, bevor ich mich an die Wäscheberge mache.

Die Pausetaste liegt oft direkt vor unseren Augen

Manchmal hätte ich wirklich gerne eine Pausetaste für das Leben, oder zumindest Hermines Zeitumkehrer. Damit ein Paralleluniversum aufgeht, alles stillsteht und ich 2-3 Stunden Zeit gewinne. Leider existiert das meines Wissens nach nicht und man muss immer wieder irgendwo ein kleines Schlupfloch finden, das einem die Zeit bringt, die man gerade benötigt. Das ist bei uns schon seit Jahren so, doch seit die vielen Familienaufgaben zum Alltag hinzugekommen sind, wird das benötigte Zeitfenster nicht gerade kleiner.

Studienbedingungen: manchmal steht mein Kopf kurz vor der Explosion.

Spiegel Online hat heute geschrieben, dass die Bafög-Anpassung verschoben wird. Wenn ich so etwas lese, fühle ich mich wie Sheldon Cooper, der sich sein Gesicht runterreißen möchte, wenn etwas nicht beendet wird. Mir geht es immer dann so, wenn ich mich einigermaßen hilflos fühle bei einem öffentlichen, offensichtlichen und lösbaren Problem – dem sich nur einfach gerade niemand ernsthaft annehmen möchte.

Anwesenheitspflicht ist keine gute Idee! Ein Brief an Frau Pfeiffer-Poensgen

Liebe Landesregierung NRW, liebe Frau Pfeiffer-Poensgen, mit Entsetzen und auch mit ein bisschen Wut habe ich gestern gelesen, dass das Verbot von Anwesenheitspflicht in NRW wieder aufgehoben werden soll. Liebe Frau Pfeiffer-Poensgen, das ist in meinen Augen keine gute Idee. Ich erkläre Ihnen gerne wieso: Ich habe mein Studium im Herbst 2012 aufgenommen, in den Jahren bis heute habe ich wirklich zeitaufwendige Ehrenämter innegehabt, ich habe ein Kind bekommen und ich habe dazu in insgesamt sechs verschiedenen Nebenjobs gearbeitet. Ich bin eine, die aus so vielen verschiedenen Studiensituationen sprechen kann. Ich bekam zwei Semester Bafög, ich bekam irgendwann zwei Semester Elterngeld, ich bekomme ein Stipendium. Liebe Frau Pfeiffer-Poensgen, Studiensituationen, Mieten und Lebenshaltungskosten sind so verschieden, dass ich mein ganzes Studium über das Geld aus den Nebenjobs gebraucht habe. Ich spreche bei allem hier nicht aus meiner individuellen Situation, sondern ich spreche für so viele, die den Kampf gegen die Anwesenheitspflicht kämpfen, die sich Tag für Tag in Studierendenparlamenten streiten und so viel Kraft und Energie aufwenden, um das Studium und die Lehre besser zu machen. …