Studium mit Kind
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Der erste Uni-Besuch nach der Geburt

Am Montag war ich das erste Mal wieder in der Uni, ungefähr fünf Wochen nach der Geburt. Ursprünglich wollte ich die vollen acht Wochen Wochenbett und Mutterschutz zu Hause bleiben, doch nun bekam ich langsam Panik, dass ich die Prüfungen, die im Februar anstehen, dann nicht schaffe. Seit diesem Jahr gibt es Mutterschutz für Studierende und die Uni hat eigentlich keine Anwesenheitspflicht – dennoch ist es nicht so, dass es überall angekommen ist, dass einem das Weiterstudieren nach der Schutzfrist dadurch möglich sein muss.

Für dieses Semester hatte ich vier Dozent*innen angefragt und ihnen die Situation geschildert, dass ich zwar die ersten Wochen des Semesters physisch nicht anwesend sein würde, aber gerne von zu Hause aus die Seminarunterlagen bearbeite und dann nach Ablauf der Mutterschutzfrist wieder teilnehmen würde. Mit zwei Dozenten war dies alles kein Problem, die beiden angefragten Dozentinnen reagierten jedoch anders. Eine schrieb, ich könne es ja versuchen. Den Kurs habe ich schonmal nicht besucht. Eine andere schrieb, dass wir am Ende sehen müssten, “ob es reicht”. Wenn ich mir manchmal angucke, womit Kommiliton*innen so bestehen, bin ich mir ziemlich sicher “dass es reicht”. Die Rückmeldungen klangen nach “Wenn Sie meinen, dass Sie das so machen wollen”. Dabei ist das keine Meinung, Mutterschutz ist gesetzlich verankert. Fertig aus. Das macht mich vor allem wütend, weil ich gleich geschrieben hatte, dass ich den Stoff zu Hause nachholen würde, was ich im Mutterschutz nicht einmal müsste.

Nun plagte mich die Panik, zu viel zu verpassen doch zu sehr, vor allem, weil in dem einen Kurs, in dem ich eine Prüfung machen muss, keine Materialien online gestellt werden und ich im Januar ein Referat halten muss. Ich habe entschieden, zumindest in diesen Kurs trotz Mutterschutz schon wieder zu gehen – ein anderer ist als Blockseminar organisiert und findet erst wieder im Januar statt und bei dem, an dessen Ende geguckt wird, “ob es reicht”, genieße ich noch eine Weile meine Freistellung von der Uni.

Wieder in die Uni zu gehen glich einem logistischen Meisterakt. Die große Tochter musste von der Kita abgeholt werden und wir mussten rechtzeitig an der Uni sein, damit ich den Babysohn nochmal stillen kann. Die Stillzeiten zuvor waren alle etwas getaktet, damit er einigermaßen im richtigen Moment wieder hungrig sein würde. Mein Mann würde dann mit beiden Kindern im Familienzimmer der Uni warten und sich melden, falls irgendwas nicht klappt und ich aus dem Seminar rauskommen muss. Die Tasche, die ich für alle gepackt hatte, enthielt Bücher, Wechselkleidung für beide Kinder, Essen und Trinken, eine Milchpumpe für den Notfall und Wickelzeug. Ich wollte ruhig ins Seminar gehen können und wissen, dass ich so viel vorbereitet hatte wie möglich. Zum Schluss hatte ich noch drauf geachtet, einen Pullover ohne Spuckflecken anzuziehen, auch für mich ein Getränk einzupacken, das grobe Thema der Sitzung zu recherchieren und pünktlich im Seminar zu sein. Und dann?

Ja dann bekam ich beim Anblick der ranzigen Uni-Toiletten, die entweder verstopft waren oder deren Klobrillen irgendwo auf dem Fußboden lagen leichte Anflüge einer Wochenbettdepression der anderen Art, dann kam der Dozent zu spät, es waren inklsuvie mir nur vier Studierende da und das heutige Referat wurde in Jogginghose gehalten. Das Thema kannte ich bereits, wie ich während des Vortrages feststellte und hatte mir darunter auch irgendwie etwas anderes vorgestellt. Stundenlange emotionale und praktische Vorbereitung des Wiedereinstiegs für 90 Minuten Wiederholung. Ich weiß noch nicht, ob das wirklich Not tat. Nach einer Stunde fühlte ich mich fiebrig, weil ich so viel darüber nachdachte, warum ich hier war und wollte nach Hause. Die letzte Nacht machte sich zunehmend bemerkbar und gegen 17:30 Uhr hatte ich Schwierigkeiten, meine Augen aufzuhalten. Die Tochter ist auf dem Rückweg im Auto eingeschlafen und möchte nächste Woche unbedingt wieder in die Uni – immerhin.

Es war dennoch “entspannter” als der erste Uni-Besuch nach E.s Geburt damals, als ich vier Wochen nach der Geburt dank der Anwesenheitspflicht in Kiel keine andere Wahl hatte, alleine mit Kinderwagen vor dem kaputten Aufzug stand und weder wusste, wie ich im Hörsaal ankommen noch dort 90 Minuten sitzen sollte. Aber nun bin ich froh, dass ich erst in einer Woche wieder hinmuss und danach erst einmal Weihnachten ist.


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