Nützliches, Studium mit Kind
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Die Pausetaste liegt oft direkt vor unseren Augen

Manchmal hätte ich wirklich gerne eine Pausetaste für das Leben, oder zumindest Hermines Zeitumkehrer. Damit ein Paralleluniversum aufgeht, alles stillsteht und ich 2-3 Stunden Zeit gewinne. Leider existiert das meines Wissens nach nicht und man muss immer wieder irgendwo ein kleines Schlupfloch finden, das einem die Zeit bringt, die man gerade benötigt. Das ist bei uns schon seit Jahren so, doch seit die vielen Familienaufgaben zum Alltag hinzugekommen sind, wird das benötigte Zeitfenster nicht gerade kleiner.

Vor uns liegen ein paar Wochen, die unsere Zeitmanagement-Skills durch verschiedenste Uni-Prüfungen und Hausarbeiten mal wieder auf Hochleistung beanspruchen. Es ist ja quasi ein Naturgesetz, dass jemand zuhause krank wird, wenn die Prüfungen bevorstehen. Wenn ich mir die Gruppen zum Studieren mit Kind mal ansehe, gibt es wahrscheinlich niemanden, der oder die alle Prüfungen wie geplant ablegen konnte, einfach weil man nicht mehr nur von seiner eigenen Gesundheit beeinflusst wird.

Wenn unser Kind krank ist und nicht in die Kita kann, fehlen uns ungefähr sieben Arbeitsstunden pro Tag, in denen wir sonst entweder auf der Arbeit oder in der Uni wären. Wenn man selber krank ist, versucht man ja meistens, doch noch irgendwie etwas zu lesen oder schont sich nur einen Tag. Gerade in Prüfungsphasen kann man sich selbst ja nicht damit belügen, dass man die Zeit schon wieder einholt, denn meistens sind wegen ca. drölf anderer Verpflichtungen die Stunden für das Lernen ohnehin schon begrenzt. Da kann man noch so gut im Voraus planen, die Zeit, die weg ist, bekommt man nicht irgendwo wieder.

Wenn das Kind krank ist – und sei es nur eine Erkältung – lässt man alles andere liegen und möchte ihnen jede Verschlimmerung ersparen. Ein krankes Kind kann man nicht in die Betreuung geben, dann wird die Krankheit meist nur noch schlimmer und die Situation für alle anstrengender. Heute Vormittag sind die Tochter und ich zuhause geblieben, denn sie hustet und schnieft und hat heute Nacht kaum geschlafen. Wir auch nicht. Ich konnte meine Arbeitszeit sowohl nach Hause als auch in die Abendstunden verlegen und bin darüber sehr froh, denn so häufen sich diese Stunden nicht an und ich versinke nicht völlig im Erkältungschaos um mich herum. In meinem Prüfungslernplan stand für heute wahrscheinlich aus Intuition nichts drin und ich konnte auch dahinter erstmal einen Haken setzen und die Prüfungen für ein paar Stunden ausblenden. Es tat sehr gut, sich den ganzen Vormittag nur auf das Hier und Jetzt konzentrieren zu können, wir haben in Ruhe gegessen, Schubladen aufgeräumt und Wäsche gewaschen, Bücher angeschaut und ich habe das Kind mit einer Engelsgeduld sogar zu Hustenwickeln überreden können.

Und während sich sonst bei jeder kleinsten Änderung im Wochenplan vor meinem inneren Auge verschiedenfarbige Zeitblöcke ummodellieren, gab es in diesen Stunden dann plötzlich nichts mehr, was umgebaut werden musste, alles für diesen Zeitraum war bereits erledigt oder konnte später am Tag erledigt werden, als David von der Arbeit kam. Meine einzige Aufgabe war es, dafür zu sorgen, dass die Tochter die Socken anbehält und sich gesundschläft. Sowas ist wahnsinnig beruhigend und in Prüfungsphasen für mich ein willkommener Ausgleich.

Es heißt ja immer so schön, dass Kinder unsere direkten Spiegel sind. Wenn wir gestresst sind, spüren sie das und wir wundern uns, dass sie plötzlich schlechter schlafen. Wenn wir ausgeglichen und entspannt sind, haben unsere Kinder viel mehr innere Ruhe. Bei uns stimmt das zumindest. Und deshalb ist es manchmal vielleicht gar nicht verkehrt, wenn wir dazu gezwungen werden, für ein paar Stunden die Aufgaben ruhen zu lassen und uns zu fragen, warum das Kind eigentlich nicht schlafen gehen möchte. Nicht genervt zu sein, wenn das Kind nachts noch einmal Hunger hat, weil wir am Abend vorher doch selbst um 22 Uhr mit Teller auf dem Sofa saßen. Und während ich oft innerlich fluche, weil sich manche Deadlines nunmal nicht verschieben lassen und weil es manchmal auch wahnsinnig anstrengend ist, nach zwei Stunden “erfolgloser” Einschlafbegleitung wieder aufzustehen und sich dann später noch an den Schreibtisch zu setzen, bin ich doch auch froh über diese erzwungene work-life-balance. Nur work funktioniert auf Dauer nicht und nur life macht auch nicht glücklich. Ich bin immer wieder dankbar für flexible Studienzeiten und tolle Jobs und eine tatsächliche Vereinbarkeit von Familie, Studium und dem, was wir sonst so machen wollen. Und für diese kleine Pausetaste hier, die sich jetzt gerade um 22 Uhr die Zeit nimmt, ausgiebig mit dem Papa am Tisch zu sitzen und Brote zu schmieren, weil sie noch nicht schlafen möchte. Diese kleine Pausetaste, die uns sagt: Das hier ist jetzt wichtig. Ich muss jetzt bei euch sein und ich brauche eure Aufmerksamkeit und alles andere kann jetzt mal egal sein. Und wenn man mal ganz ehrlich ist, weiß man auch, dass das besser investierte Lebenszeit als so manche Pflichtlektüre ist. “Pause” ist ja immer auch eine Frage der Perspektive und des aktuellen Bedarfs. Morgen brauche ich vielleicht eine andere Pause.

Und weil ich auch nicht immer zur Ruhe komme in anstrengenden Phasen und dich verstehen kann, bleibe ich gerade gerne mit dir wach mein Kind, höre mir zum 100. Mal das Eichhörnchen-Geräusch im Tierbuch an und streiche gedanklich Aufgaben aus niedrigeren Prioritätsklassen aus dem Plan, damit nur die wichtigen übrig bleiben. Slow down just a little.

 

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