Baby
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Es ist anstrengend – im Moment

Wie anstrengend der Alltag mit dem neugeborenen Kind wahrgenommen wird, hängt von vielen Faktoren ab. Sowohl unsere Erwartungen als auch die Unterstützung durch das Umfeld, die individuellen Geburtserlebnisse und die aktuelle körperliche Verfassung sind dafür wichtig.

Während wir einige dieser Bereiche gut steuern oder beeinflussen können, ist unser kleines Gegenüber wie eine Wundertüte. Temperament und Vorlieben kennen wir (noch) nicht. Manche Babys schreien sehr viel, alle sind unterschiedlich in Bezug auf ihre Gefühlsstärke. Auch sie wurden von der Geburt geprägt und haben noch keine Möglichkeit, darüber mit uns zu sprechen. Wir können nur raten, was sie gerade brauchen und uns langsam an Lösungen herantasten.

Bis wir die richtigen Tipps und Kniffe haben vergeht viel Zeit, manches bleibt für immer ein Rätsel. Die Zeit, die dazwischen liegt, kann anstrengend sein. Sehr anstrengend, ehrlich. Beim zweiten Kind ist es, wie wir gerade feststellen, nicht weniger anstrengend, sondern nur anders. Vieles wissen wir mittlerweile, wir machen uns weniger Stress und ignorieren beispielsweise Kommentare auf dem Spielplatz und an der Supermarktkasse leichter. Das ist unser Stresslevel, das wir senken können. Worauf wir aber beispielsweise weniger Einfluss haben, sind Schlafmangel und ein dünner werdendes Nervengerüst. Letzte Woche waren wir alle erkältet, der Babysohn ist alle 1-2 Stunden zum Trinken wach geworden, auch nachts. Da schaltet der Körper in einen Funktionsmodus, warme Worte sind um 3:00 Uhr nachts durchaus auch Mangelware – aber wahnsinnig wichtig, wenn man sich fragt, wie man bis zum Ende des Stillens halbwegs wach bleiben soll.

An den Tagen, an denen ich mit der großen Tochter damals nicht in die Uni musste, konnte ihr Baby-Rhythmus auch meinen Alltag leiten. Nun müssen Kita-Zeiten, Uni-Zeiten, Job-Zeiten, Aufmerksamkeitsbedürfnisse der Großen und Stillbedürfnisse des Babys koordiniert werden. Das klappt nicht immer. Das ist anstrengend.   

Es ist anstrengend, wenn das Baby sich im Moment nicht ablegen lässt – aber das geht irgendwann vorbei.
Es ist anstrengend, wenn das Baby im Moment alle zwei Stunden gestillt wird und ich schauen muss, wie ich die Kita-Abholzeit dazwischen bekomme – auch das geht vorbei.
Es ist anstrengend, dass wir im Moment in den seltensten Fällen gemeinsam am Tisch sitzen, weil eine*r das Baby schaukelt – auch das geht vorbei.
Es ist anstrengend, dass wir im Moment nicht einfach mal ins Kino gehen können und ich abends um 20 Uhr regelmäßig einschlafe – auch das geht vorbei.

Was mir letzte Woche passenderweise in die Timeline gespült wurde, war ein Video der großartigen Kristina Kuzmic, deren Youtube-Kanal ich euch hier einmal verlinke. Sie postet regelmäßig amüsante Truth Bombs über Elternschaft. Sie postete ein Video mit dem Titel “It’s not permanent”, in dem sie über finanziell harte Zeiten spricht und dafür wirbt,  sich immer vor Augen zu halten, dass es momentane Zustände sind, die nicht für immer so bleiben.

Daher an mich selbst und auch an dich: Es ist anstrengend – im Moment. Das weiß ich, weil das alles hier vor wenigen Jahren schon einmal vorbeigegangen ist und ich mich an vieles nicht mehr erinnert habe. Was hier hilft, sind Gleichgesinnte wie Familienmitglieder, die Kinder in ähnlichem Alter haben, Freund*innen oder Gruppen, in denen Eltern sich austauschen können. Manchmal erwartet man gar keinen großartigen Tipps, sondern einfach nur ein offenes Ohr oder ein müde gehauchtes “Ich weiß genau, was du meinst – mir geht es genauso.”

Zum Schluss noch drei Buchempfehlungen für Eltern, die verstehen wollen, warum ihr Gegenüber sich so verhält:

  • Allgemein: Herbert Renz-Polster: Kinder verstehen. Born to be wild: Wie die Evolution unsere Kinder prägt. Kösel-Verlag 2015.
  • Schreibabys: Anja Constance Gaca, Susanne Mierau: Mein Schreibaby verstehen und begleiten: Der geborgene Weg für High Need Babys. GU 2018.
  • Gefühlsstärke: Nora Imlau: So viel Freude, so viel Wut: Gefühlsstarke Kinder verstehen und begleiten. Kösel-Verlag 2018.


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