Schwangerschaft & Baby, Studium mit Kind
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Es kann auch mal schön sein, Babykurse zu schwänzen

Ja, Kindergruppen machen Spaß. Ja, PEKiP ist sicher in irgendeiner Weise förderlich für E.. Ja, die Leiterin des Kurses ist total nett. Und ja, trotzdem kann es mal sehr schön sein, den Kurs zu schwänzen.

Vor meiner Schwangerschaft habe ich immer über die Beschreibungen zu PEKiP-Kursen geschmunzelt. Auf der Homepage www.pekip.de wird der Sinn des sogenannten Prager-Eltern-Kind-Programmes so beschrieben: “Ab der 4. – 6. Lebenswoche treffen sich junge Eltern mit ihren Babys in kleinen Gruppen. Im Mittelpunkt stehen in der Gruppenarbeit die PEKiP® – Spiel-, Bewegungs- und Sinnesanregungen für Eltern und Kinder. Generationsübergreifend sind Eltern und Kinder gemeinsam spielend tätig.” 

Für mich klang das alles schon sehr nach Singen, Klatschen und im Kreis tanzen. Das tue ich normalerweise gerne, aber ich suche mir Mittänzer*innen und Musik auch ganz gerne selber aus.

Wenn man dann aber ein Kind hat, wirkt es fast so, als käme man um solche Kurse gar nicht herum. Alle machen das, alle finden das gut und es ist schwer, einen der begehrten Plätze zu ergattern.
E. und ich haben auch schon bei der ersten Aufgabe versagt – wir haben statt früher erst mit ca. 6 Monaten angefangen. Dann erst wurde ein Platz bei dem uns bekannten Angebot (ein bisschen lockerer, ein Mix aus PEKiP, DELFI und allem möglichen anderen) frei und wir haben gemeinsam mit einer befreundeten Mutter + befreundetem Baby angefangen.
Was ich mir erhofft hatte? Ich weiß es nicht genau. Auf jeden Fall viele Spielmöglichkeiten, neue Lieder  (damit mir was einfällt, wenn ich ein  Lied brauche) und vielleicht auch andere Mütter zum Austausch zu finden.

Tatsächlich war für mich die erste Stunde eher so, wie ich es mir vorstelle, wenn man als “Neue*r” erst nach der Klassenfahrt in die Klasse kommt. Die anderen Mütter wirkten sehr eingeschworen (sie machen schon länger zusammen PEKiP), mittelmäßig offen für Neue – und wieder einmal wesentlich älter als ich. Ich bin mit 23 mit Abstand die jüngste, danach kommt wohl meine ca. 6 Jahre ältere Freundin. Dafür können weder die anderen noch ich etwas, aber es macht mir den Einstieg in so eine Runde nicht wesentlich leichter.

E. konnte zwar gleich viel spielen und ich hab neue Lieder mit nach Hause genommen, soweit also alles super.
Was ich nicht mitgenommen habe, war große Lust auf die kommenden Wochen. Ich hatte keine Lust darauf, wieder Woche zu Woche darüber reden zu müssen, ob sich manche beeilen müssen, weil die “biologische Uhr tickt”, wann die Mütter nach dem Kind wieder anfangen zu arbeiten oder welche tollen Rezepte man mal ausprobieren könnte. Und vor allem hatte ich keine Lust darauf, in so einer großen eingeschworenen Gruppe zu sein, in der sich maximal zwei Leute gegenseitig zuhören, wenn es eigentlich alle tun sollten.
Ich habe allerdings jetzt auch verstanden, warum PEKiP auch ein Kurs für Eltern ist: Auch von denen müssen manche Gruppenregeln erst noch lernen 😉
Wenn man selbst Kind & Ausbildung koordinieren möchte, sind die Themen einfach wieder mal andere. Man möchte sich viel mehr mit anderen darüber unterhalten, wie man es schafft, Job und Kind unter einen Hut zu bringen – es soll ein sowohl als auch sein und kein entweder oder.

Ich sehe allerdings auch, ist dass solche Runden für viele Mütter das Highlight der Woche sind – und das ist dann auch gut so. Sie sind ansonsten tagsüber meist alleine mit dem Kind, da muss man sich natürlich Angebote suchen und den Tag irgendwie auch mit anderen Erwachsenen füllen. Ich glaube auch, dass PEKiP oder DELFI oder wie die Kurse alle heißen eine gute Alternative sein können, wenn es keine Geschwisterkinder gibt und man möchte, dass das Kind auch mit anderen Kindern spielt, so ist es bei uns ja auch. Ehrlicherweise könnten wir zuhause auch nur schwer so ein Angebot an Spielen auffahren, letzte Woche haben wir im Kurs beispielsweise mit Fingermalfarbe Hand- und Fußabdrücke auf eine Leinwand gemacht. E. fand das aber doof und so sind wir beide nach einem Versuch zum Matschen mit Farbe übergegangen.

Unser Kunstwerk

Auch wenn der Kurs keinen strengen Richtlinien folgt, die Kinder nicht nackt sein müssen und alles eher wie eine betreute Krabbelgruppe ist, stört mich bei allem dieser frühe Förderungsgedanke.
Wir gehen zum Babyschwimmen, weil wir Angst vorm Wasser vorbeugen möchten, nicht weil E. schnell schwimmen können soll. Ich wollte nicht zum PEKiP, damit E. irgendwelche Standards erfüllt – sondern damit sie einfach viel spielen kann. Dafür werden wir uns wohl aber einen anderen, lockereren Rahmen suchen.

Nächste Woche ist der Kurs vorbei, momentan werden in der WhatsApp-Gruppe die Aufgaben für’s Buffet verteilt (warum gibt es eigentlich immer überall solche Buffets???).
Schon im Babyalter scheint dies ein Wettstreit unter Müttern mit viel Zeit und Ambitionen zu sein, ein vorgeschlagenes Essen ist aufregender als das andere. Während manche nun also die Mini-Muffins, Käsespieße (hallo, Babykurs) oder Gemüsesticks vorbereiten, würde ich wahrscheinlich morgens den Kühlschrank öffnen und gucken, was es noch gibt. Wenn Gemüsesticks geschnittene Paprika, Gurke und Karotte bedeuten, würde ich das wohl spontan noch hinkriegen, leider ist das nun schon vergeben.

Wahrscheinlich werde ich meine Zeit dann lieber mit E. verbringen, als in der Küche aufwendige Platten vorzubereiten, weshalb ich nächste Woche wohl noch einmal den Kurs schwänzen werde. Es hat in einer Umgebung von Anwesenheitspflicht ja auch irgendwie etwas Rebellisches, was ich E. auf keinen Fall vorenthalten möchte. Eine Freundin hat schon zum Geburtstagsfrühstück eingeladen, da gibt es mit Sicherheit auch viel Spaß.

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