Kleinkind & Familienleben
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Faschingskostüme für Kinder: Mädchen und Jungen können (fast) alles sein

Kind in einem Faschingskostüm. Astronaut*innenanzug mit eesa-Patch und Helm aus Pappmaché

Heute ist Fasching in unserem Kindergarten. Unsere Tochter sagte vor einiger Zeit, dass sie gerne als “Astronautin” gehen würde, was ich ehrlich gesagt ziemlich cool fand. Wie genau sie darauf gekommen ist, weiß ich nicht, aber ich wollte auch nicht zu viel fragen, um sie nicht zu verunsichern. Faschinsgkostüme sind ja doch etwas, was Mut erfordert, immerhin zeigt man sich allen so in anderem Gewand. In den Wochen danach stand immer auch mal “Piratin” im Raum, aber die Astronautin hat letztendlich doch gewonnen, sicherlich unterstützt durch die Sendung mit der Maus und die Videos mit Alexander Gerst.

Astronautin ist vielleicht nicht das “klassische Mädchenkostüm”, wenn ich mich in Spielzeugläden im Februar so umschaue. Das wurde mir auch im Stoffladen bewusst, als ich die Verkäufern nach hellem Sweatstoff für ein Astronautinnenkostüm fragte und sie reflexartig antwortete, dass wir ja einen finden müssen, “in dem er dann nicht so schwitzt”. Manchmal frage ich mich, ob das in meiner Kindheit schon so extrem war, oder ob es trotz besseren Wissens und gesellschaftlicher Entwicklung eher noch zunimmt. Vielleicht liegt es daran, dass ich auf dem Dorf groß geworden bin, aber außer an Cowboy und Prinzessin kann ich mich nicht an viele Faschingskostüme erinnern, die nur einem Geschlecht zugeschrieben waren. Stattdessen vielmehr an Gespenster, Fußballfans, “Punks”, Tiere und Früchte.

Als was verkleiden Kinder sich heute?

Die gute Nachricht: Fast alles ist erlaubt. Zumindest hier bei uns. Völlig egal, ob Kostüme eher für Jungen oder für Mädchen gedacht sind, wenn die Kinder gerne in eine bestimmte Rolle schlüpfen möchten, dann ist das eine schöne Gelegenheit, etwas über ihre Interessen oder ihren Charakter herauszufinden. Ob das sterotype Verkleidungen sind, die allgemein eher einem bestimmten sozialen Geschlecht zugeordnet werden, kann man dabei auch mal getrost ignorieren. Das klingt jetzt ein bisschen wie ein Mathelehrer, den man fragt, ob man auf Toilette gehen kann und der darauf antwortet: “Ich weiß nicht ob du kannst, aber du darfst”. Aber tatsächlich können sowohl Mädchen als auch Jungs sich als Löw*innen verkleiden, können Ärzt*innen sein, Pilot*innen oder Gespenster. Mädchen können sogar sehr gut als Ritter gehen und auch Jungen können problemlos als Meerjungfrau verkleidet sein. Geht alles. Hätte meine Tochter gesagt, dass sie als “Astronaut” gehen möchte, hätte ich hier zuhause auch von einem “Astronautenkostüm” gesprochen. Da sie aber gerne eine “Astronautin” sein möchte, wird es eben ein “Astronautinnenkostüm”.

Das einzige, wo wir uns überlegen, wie wir damit umgehen, sind Faschingskostüme, die Stereotype verfestigen und sich beispielsweise darin äußern, dass man zwei-drei Accessoires besorgt und plötzlich als Mensch mit anderen kulturellem Hintergrund auftritt. Viele Erwachsene “verkleiden” sich beispielsweise als (sowohl unterdrückende als auch unterdrückte) Personen der früheren Kolonialgeschichte, was ich nicht nachvollziehen kann. Ich kann allerdings auch verstehen, warum es für ein Kind faszinierend ist, in die Welt der Indianer*innen einzutauchen.

Klarer finde ich es hingegen bei Kostümen, die Unterschiede zwischen den Geschlechtern machen – die sind hier nicht willkommen. Damit meine ich beispielsweise gar nicht das Prinzessinnenkleid, denn Prinzessinnen trugen früher eben klassischerweise Kleider, sondern die Tatsache, dass Online-Shops beispielsweise zwei Kostüme für “Polizist*in” oder “Pirat*in” anbieten: Eins für Jungen mit Hose, ein engeres für Mädchen mit Rock oder Kleid. Natürlich wäre es meine Entscheidung, welches ich kaufe, doch dann bastle ich lieber gleich selber.

Die Vorteile, Faschingskostüme selber zu basteln

Schwer tue ich mich auch mit Kostümen, die nur ein einziges Mal getragen werden können. Ganz nach dem Motto no excuse for single use müssen es also Kostüme sein, die a) danach weitergegeben werden können oder b) so beschaffen sind, dass zumindest Teile davon auch danach noch im Alltag getragen werden können. Wir haben leider wohntechnisch noch nicht so viel Platz, als dass wir eine riesige Verkleidungskiste im Keller vorhalten können, aus der die Kinder sich das ganze Jahr über Kostüme ziehen können. Daher möchte ich auf einen Vorrat aus Polyestergemischen in kleinen Größen eher verzichten und nähe Faschingskostüme, die sich auch weiterhin gut tragen lassen und einem anderen Kind mit anderer Statur ebenso passen würden.

Im letzten Jahr war unsere Tochter ein Krokodil, das Kostüm bestand aus einem grünen Pullover mit Zacken über den ganzen Rücken und einer Krokodils-Kapuze, dazu eine Pumphose mit Krokodilen drauf – das war super für eine Zweijährige. Die Hose wird bis heute als Pyjama-Hose verwendet und auch der Pulli wurde oft getragen, bis er zu klein wurde und wird sicherlich in zwei Jahren an den kleinen Bruder weitergereicht – entweder als Kostüm oder als ganz normales Kleidungsstück.

Für dieses Jahr habe ich das Astronautinnenkostüm aus Sweat-Stoff genäht und ihn mit Aufnähern der Raumfahrtmissionen bestückt. Nach dem Fasching kann er zuhause, auf Reisen, von mir aus auch jeden Tag im Kindergarten weiter angezogen werden, weil er gemütlich ist, nicht piekst und kratzt und noch eine Weile mitwächst. Den Helm haben wir aus einem Luftballon, der von meinem Geburtstag übrig blieb, Papier und Kleister gebastelt. Lediglich die Spiegelfolie für das Visier mussten wir besorgen. So einen Helm kann man auch sehr gut mit dem Kind zusammen basteln und involviert es so in seine Darstellung. Was wir nach dem Fasching mit dem Helm anstellen, weiß ich allerdings noch nicht so genau.

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