Baby, Nachhaltigkeit
Schreibe einen Kommentar

“Flitterwochen” auf dem Archehof – Teil 2: Ohne Strom kochen und warm schlafen

In meinem letzten Blogeintrag konntet ihr lesen, dass wir unsere Tage auf dem Archehof ohne Strom verbracht haben. Was man als gelegentliche*r Festivalgänger*in durchaus mal gewohnt ist und was im Grunde keine große Herausforderung darstellt, ist mit Kind dann irgendwie doch schon anders. Vegetarische Ravioli aus der Dose würden zwar jeden Tag gehen, aber der wirklich große Hit ist es dann vielleicht doch nicht. Wir hatten auch etwas Respekt vor den Temperaturen beim Schlafen im Freien im Mai, vor allem mit Kleinkind.
Wir wussten vorher, dass es in unserem Zelt einen Holzofen inklusive Feuerholz geben würde. Ich hab dann also aus dem Internet Rezepte für One-Pot-Gerichte herausgesucht, sie etwas abgeändert und in unplugged-Version auf dem Collegeblock mitgenommen. Das Einkaufen dafür war tatsächlich recht einfach, weil man wenig Dinge benötigt, die kühl gelagert werden müssen, das meiste geht mit Reis oder Nudeln, Gemüse und Zutaten, die es in Dosen oder Gläsern gibt.

 

Bunter Nudeltopf mit Paprika, Möhren und Brokkoli auf dem Holzofen
Für den Nudeltopf genügt es, wenn man Möhren und Paprika mit Zwiebeln anschwitzt, anschließend ausreichend Brühe darüber gießt und darin die Nudeln und den Brokkoli garen lässt. Zum Schluss bleibt kaum überschüssige Flüssigkeit übrig, ansonsten kann man die Nudeln natürlich auch noch mit Sojacuisine andicken – die gibt es nämlich ungekühlt.
Zwei Tage später habe ich Penne mit Tomaten in etwas Wasser mit Kokosmilch gemischt kochen lassen, das war auch sehr lecker.
Pfannenbrot auf dem Holzofen
Da wir unabhängig von lokalen Bäckerei-Öffnungszeiten sein wollten, haben wir an einem Abend Pfannenbrot gemacht. Das ganze Rezept findet ihr hier, wir haben Knoblauch und Koriander durch ein Masala-Gewürz ersetzt.
Frühstück: Pfannkuchen auf der Holzbank vor dem Zelt mit Blick auf die Wiese
Der Klassiker geht natürlich auch ohne Strom: Pfannkuchen. Auf dem Hof gab es Hühner, an deren gelegten Eiern man sich bedienen konnte. So haben wir an einem Tag Eier eingesammelt und sie am nächsten Morgen mit Sojamilch und Mehl in Frühstücks-Pfannkuchen verwandelt.
Die kleine Kaffeekanne auf dem Ofen
Ohne Kaffee – ohne uns. Wir haben unsere kleine Kanne für bosnischen Kaffee mit in den Urlaub genommen, die uns schon manchen Festivalmorgen gerettet hat. Filterkaffee mit Sojamilch ist für mich trotz aller Bemühungen leider keine Option und auch von Kaffeesahne bin ich nur mittelmäßig überzeugt. Der bosnische Kaffee schmeckt mit Zucker und bringt auch gleich das nötige Urlaubsfeeling mit.
Der Frühstückskorb, der morgens vor das Zelt geliefert wurde
Für den ersten und letzten Morgen haben wir uns im Vorfeld einen Frühstückskorb gebucht, damit wir selbst nicht an jedem Tag das Frühstück machen müssen. So stand dann beide Male ein Korb mit Brötchen, Kaffee, Milch vom Hof, Käse, Eiern, Marmelade und Honig vom Hof vor der Tür. Es war auch eine Wildschweinpastete darin, aber die haben wir ehrlich gesagt nicht probiert, ich esse kein Schweinefleisch.
Über das Bett haben wir eine der Solarlichterketten gehängt, die wir für unsere Hochzeit gekauft hatten
Das Kochen und Essen war in den ersten Tagen auf jeden Fall einfacher als das Schlafen in der ersten Nacht. Es wurde schon abends kühler im Zelt, weil wir den Ofen nicht die ganze Nacht über laufen lassen konnten, ich habe mich aber schon gewundert, dass es SO kalt war. Ich bin nachts sogar davon aufgewacht, weil es so ungemütlich war und ich mir natürlich auch Sorgen um E. gemacht habe. Wir hatten zum Glück bei Räubersachen einen Kinderschlafsack gemietet, der sich schon beim Auspacken toll anfühlte und sich auch als das erwies. In der ersten Nacht haben wir ihn auf jeden Fall dringend gebraucht.
Am nächsten Morgen hat David dann festgestellt, dass die Zeltwand des Schlafzimmers nicht richtig festgebunden war und wir außen einen ca. 10 cm breiten Spalt hatten, durch den natürlich die ganze kalte Luft hereinzog. Das haben wir selbst behoben und die Verbindungsstellen noch von innen mit Decken abgedichtet, die Nächte darauf waren dann viel besser. Wir waren mit den zwei gestellten Bettdecken, Thermounterwäsche, zwei zusätzlichen Wolldecken und einer Wärmflasche sogar zu gut ausgerüstet und es genügte, den Ofen ca. bis 23 Uhr zu heizen.

 

Der bei Räubersachen gemietete Schlafsack
Genervt haben uns beim Schlafen lediglich die Wiesenbett-Monteure, die im Nachbarzelt geschlafen haben, um weitere Zelte aufzubauen und die sich benommen haben wie 16-Jährige auf Abschlussfahrt, gegen 23 Uhr wurde es abends langsam ruhiger. Der Hofbetreiber fand dies aber genauso daneben wie wir und daher dürfen wir dieses oder nächstes Jahr noch einmal vier Nächte umsonst kommen.
Alles in allem haben wir aber festgestellt, dass ein Urlaub ohne Strom eigentlich auch mit Kind keine Herausforderung ist. Mit größeren Kindern ist es wahrscheinlich noch etwas entspannter, aber auch mit Babys kann ich mir das bei ausreichenden Temperaturen sehr gut vorstellen. Auf dem Ofen bekommt man auch einen Brei hin, wer “breifrei” macht, denkt sich sowieso etwas anderes aus und sowohl Stillen als auch Fläschchen zubereiten und sie im Kochtopf sterilisieren ist kein Problem.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.