Schwangerschaft
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Geburtsvorbereitungskurs

In Deutschland ist es üblich, für alles Kurse zu belegen: Theoriestunden und Erste-Hilfe-Kurs für den Führerschein, Berufsschule für den Abschluss, Tutorien zum Bestehen universitärer Seminare. Eigentlich darf man nichts “einfach so” machen, sondern muss erst Kompetenzen erwerben.

Diese Denke saß in unserem Kopf, als wir uns für den Geburtsvorbereitungskurs (Fachsprache internetnutzender Muttis und Vatis: GVK) angemeldet haben. Das ist so gängig, “das macht man einfach so”. Im Krankenhaus direkt, einen anderen haben wir uns gar nicht angeguckt. Natürlich den Paarkurs, wir sitzen doch alle im selben Boot. Wir haben überhaupt nicht darüber nachgedacht, dass Menschen über Jahrhunderte Kinder ohne Vorbereitungskurs, ja sogar ohne Krankenhaus auf die Welt gebracht haben.

Aufgeregt saßen wir also in den ersten Kursstunden neben anderen Paaren, alle mindestens ein paar Jahre älter als wir. Teilweise noch im Hemd aus dem Job gerannt. Wie wir es uns so auf den Gymnastikmatten zwischen Stillkissen und Gymnastikbällen gemütlich gemacht hatten, ging es auch schon los: Die Hebamme fragte nach den Stichtagen und anschließend, ob jemand wisse, wieviele Kinder eigentlich am errechneten Termin kommen. Wir beide saßen auf der Matte, dachten es sei eine rhetorische Frage oder die Antwort käme sicher gleich.

Hätten sie schnipsen können, hätten es einige aus dem Kurs getan.
Wie aus der Pistole geschossen kam es aus allen Ecken: “4 Prozent!!”
Wir haben kurz überlegt, ob es irgendeine Vorbereitungsbroschüre gab, die wir hätten lesen sollen. Diese Unwissenheit, ich sage hier aber lieber Unvoreingenommenheit, hat uns während der folgenden Wochen bzw. Monate begleitet. Kaum eine Frage konnten wir aus dem Stehgreif beantworten, wir kannten kaum eine Statistik und hatten keine Panik darüber, was passieren würde, wenn der Kreißsaal eventuell belegt sein würde. Vielleicht hat uns das etwas entspannter gemacht.

Wir haben wochenlang Traumreisen zur Entspannung und Atemübungen gemacht. Das Atmen habe ich während der Wehen jedoch schnell ignoriert und hätte jede*n angesprungen, der/die das von mir verlangt hätte (habe ich auch fast, als eine Hebamme sagte “Atmen Sie. Sie müssen es nur wollen”).
Ich habe Dinge über körperliche Begebenheiten fremder Frauen erfahren, die ich nicht unbedingt wissen wollte und jede Woche wieder über die 2-3 Streber-Pärchen geschmunzelt. Auch ihr Kind würde genauso auf die Welt kommen wie meins, egal, wieviele Bücher man lesen würde.

Ich habe aber auch noch einiges über meine eigene Anatomie gelernt, eine tolle Hebamme kennengelernt, die mich während der Geburt mental gerettet hat und während der Monate voll Umgestaltung und Neuheiten eine wöchentliche Konstante gehabt, die mich gut abgelenkt hat.

Ein Hinweis zu Paarkursen: Wenn du lieber andere zukünftige Muttis kennenlernen möchtest, empfehle ich im Nachhinein einen Kurs, der überwiegend für Frauen ist und wenige Paar-Stunden bereithält. Bei uns saßen überwiegend die Paare zusammen und ein Austausch kam nicht wirklich zustande. Das muss aber jede Frau für sich selbst entscheiden – man muss sich wohl fühlen. 

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