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Geschwisterbeziehung mit dem fünf Monate alten Baby

Die Hände zweier Geschwister übereinander

Der Babysohn ist tatsächlich schon fünf Monate alt. Im Vorfeld seiner Geburt hatten wir uns viele Gedanken gemacht, wie sich wohl die Geschwisterbeziehung im Laufe der Zeit entwickeln würde. Wir lasen viel und versuchten, uns so gut wie möglich vorzubereiten. Unsere Tochter ist mittlerweile 3,5 Jahre alt und geht tagsüber in den Kindergarten, aber nachmittags und am Wochenende gibt es genügend Zeit, sich gegenseitig immer weiter kennenzulernen. Heute gibt es ein Update dazu, wie sich hier alles zurechtruckelt.

Geschwisterbeziehung: Wie sie angefangen hat

Über unserem Küchentisch hängt ein Foto von dem Moment, in dem unsere Tochter ihren Babybruder das erste Mal auf dem Schoß liegen hatte. Wir kamen nach der Geburt mit ihm nach Hause, wo sie die Nacht mit Oma und Opa verbracht hatte und schon in der Tür kam sie uns aufgeregt und zurückhaltend zugleich entgegen. Voller Bewunderung und Stolz hat sie ihren Bruder das erste Mal berührt und ihn sich auf den Schoß legen lassen. Bis dahin dachte ich immer, das größte Glück für mich als Mutter wäre es, wenn mein Kind glücklich ist und mich anstrahlt. Aber ich hatte mich geirrt: Das größte Glück ist, wenn das Kind sein Geschwisterkind anstrahlt. Wir sprachen viel darüber, dass man mit dem Brüderchen noch etwas vorsichtig sein muss, dass er öfter weint und in den ersten Wochen quasi an mir festklebte. Sie wachte nie auf, wenn er nachts wach wurde und schrie, weshalb sie davon zumindest schonmal nicht genervt war.

Schwierigkeiten im Alltag

Auch wenn sie ihren Bruder liebt und man es ihm deutlich ansieht, dass er ihre Stimme erkennt, wenn sie zur Tür reinkommt und dann aufgeregter wird, ist natürlich nicht alles rosarot hier. Es gibt Tage, an denen sich der Babysohn hochschaukelt, nicht zur Ruhe kommt und einfach nicht gut schläft. Vielleicht ist es zu laut, vielleicht ist es die Stimmung in der Wohnung, die er spürt, wenn alle anderen wach sind. Diese Tage sind dann immer anstrengender und es ist schwer, beiden gerecht zu werden. Die große Tochter müsste doch eigentlich leiser sein, wenn er schlafen soll und er müsste doch eigentlich müde sein. Irgendwo dazwischen: wir. Auf der einen Seite das Kind, an das wir zu hohe Erwartungen stellen, obwohl es erst 3,5 Jahre alt ist, auf der anderen Seite das Kind, an das wir noch keine Erwartungen stellen können, das aber intensive Erwartungen an uns hat.

Trotz aller Kommunikation treten natürlich immer mal wieder Themen wie die berechtigte Eifersucht auf. Wie schwierig es sein muss, wenn man plötzlich alles teilen muss. Den Platz im Bett, die Zeit der Eltern und Großeltern, die Aufmerksamkeit am Essenstisch und das alte Babyspielzeug. Wenn das Baby die Klamotten anhat, in die man selber nicht mehr reinpasst. Wenn nicht mehr jedes unbekannte Spielzeug für eine*n selbst ist. Wenn man keine Geschichte vorgelesen bekommen kann, weil die Mama gerade das Baby schaukelt und keine Hand frei hat. Oder wenn das Essen gerade etwas länger dauert, weil das Baby gestillt wird und man selbst doch auch Hunger hat.

Was der Geschwisterbeziehung gut tut

Nach und nach schleichen sich hier gute Wege ein, um einer Geschwisterrivalität entgegen zu wirken und jedes der Kinder für sich wahrzunehmen und ihm Raum zu geben. Wenn wir zu zweit zu Hause sind, klappt es tatsächlich meist besser, ansonsten haben wir auch gute Erfahrungen damit gemacht, Freund*innen oder Verwandte zu Besuch zu haben und mal die Hände frei zu haben für das große Kind.

Auch das Baby bekommt bereits seine Exklusiv-Zeit, nämlich dann, wenn die Große im Kindergarten ist. Oft brauchen wir uns an den Tagen noch gar nichts vorzunehmen, keinen Babykurs besuchen oder sonst etwas, denn wenn die Tochter nach einem Wochenende wieder in den Kindergarten geht, braucht das Baby 1-2 Tage, um wieder in seinen Rhythmus zu kommen. Dienstag bis Donnerstag wird hier mittags häufig lange geschlafen – natürlich nur auf uns und dann dürfen wir uns bloß nicht bewegen. Das ist zwar manchmal unpraktisch, aber gleichzeitig wahnsinnig schön, diese Exklusivzeit auch mit dem zweiten Baby zu genießen. Der Haushalt kann und muss an solchen Tagen dann eben warten.

Für die Tochter muss natürlich ein etwas anspruchsvolleres Programm her. So versuchen wir aktuell, pro Woche mindestens einen Zeitraum für Aktivitäten zu finden, beispielsweise einen Besuch im Buchladen mit Kakao & Kuchen auf dem Rückweg vom Kindergarten oder der Supermarkt-Einkauf, bei dem sie in dem Einkaufswagen-Auto sitzen kann, weil man selber gerade keinen Kinderwagen schieben muss. Das bedeutet in der Regel nur eine Stunde mehr Abwesenheit von Zuhause, für die Tochter ist es aber ganz besonders.

Wir sind die Übersetzer*innen der Kinder

Der Geschwisterbeziehung tut auch gut, wenn wir als Übersetzer*in agieren. Das Baby spricht mit seinen fast fünf Monaten natürlich noch nicht und auch wenn wir uns im Verstehen des Babys beispielsweise nach der Dunstan-Babylanguage ausprobieren, sieht die Dreijährige nur, was unmittelbar vor ihr ist. Da kann es zu Frust kommen, wenn das Baby weint, obwohl man ihm doch gerade über die Wange streichelt. Wenn man sich alle Mühe gibt und das Baby mit einem “Hooo” beruhigen will, so wie Bibi und Tina es mit den Pferden machen, aber der Bruder daraufhin einfach noch mehr weint. Und wenn der Bruder sich beispielsweise in den Haaren festkrallt oder auf den Finger beißt, tut das einfach erstmal nur weh.

In solchen Situationen hilft es hier sehr, wenn wir die Sprache des jeweils anderen übersetzen und die Bedürfnisse veralisieren. Wenn das Baby suchend nach uns blickt, können wir es beruhigen. Wenn es die Schwester anlacht, obwohl sie gerade unzufrieden ist, können wir erklären, dass er so etwas wie “auslachen” noch gar nicht kennt. Der Schlüssel zu einem harmonischen Miteinander liegt hier – wie so oft – für uns in der Kommunikation und in der Achtung der Bedürfnisse jedes einzelnen Mitglieds dieser Familie. Unabhängig davon, ob es sie schon kommunizieren kann oder wir sie erahnen müssen.

Was hilft bei euch?


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