Kiel, Studium mit Kind
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Hausarbeiten schreiben in den Semesterferien

Das Semester ist vorbei, die „Ferien“ sind eingeläutet. Doch auch wenn die Uni pausiert, mein Baby tut es nicht. Der Vollzeitjob Mama besteht nach wie vor, was die Prüfungsphase nicht gerade erleichtert.
Momentan stehen bei mir drei Hausarbeiten, ein Praktikum und ein Praktikumsbericht/Portfolio an. Mein Freund schreibt auch vier Hausarbeiten – so ein gutes Zeitmanagement war noch nie erforderlich. Während er sich immer mal wieder für ein paar Stunden im Wohnzimmer seines besten Freundes oder in der Bibliothek einschließen kann, ist das für mich als Stillende schwieriger. Entweder müsste ich zwischendurch nach Hause fahren, um zu stillen, oder ich müsste die Milchpumpe mitnehmen und mir in der Bibliothek einen Platz suchen, um abzupumpen. Oder David müsste mit E. vorbeikommen, das wäre jedoch auch sehr kompliziert. Nur deshalb mit dem Stillen aufzuhören, kommt für mich jedoch auch nicht in Frage.
Ich habe festgestellt, dass es nicht so einfach ist wie gedacht, zuhause Hausarbeit zu schreiben. In meiner Vorstellung schlief E. mittags drei Stunden, ich würde eine Stunde aufräumen und die häusliche „Hausarbeit“ machen und dann zwei Stunden an den Schreibtisch gehen und die andere Form von „Hausarbeit“ machen. In der Realität schläft sie mit Ach und Krach mittags eine Stunde – im Kinderwagen, während ich schiebe. An Uni ist so nicht zu denken.
Heute habe ich meine Chance genutzt und so sitze gerade in einer französischen Bäckerei hier in Kiel. Die Kaffeehaus-Atmosphäre ist für mich immer gut zum Arbeiten, da ich mich in der Bibliothek zu schnell langweile und erstmal wieder einpacke und Kaffee trinken gehe. David ist gerade mit E. bei der Babymassage und ich habe 90 Minuten Zeit, bevor ich ihn ablöse und mit ihr zum Stillcafé gehe. Internet aus, Handy aus, Kopf an.
Also erst einmal schnell die Lage sondieren: drei Hausarbeiten, die ich eigentlich noch im Sommer hätte schreiben wollen. Für zwei habe ich immerhin schon die Vorarbeit geleistet, bei einer fange ich komplett bei 0 an. Das ist auch noch ausgerechnet Ältere Deutsche Literatur, ein Bereich, der mir in der Germanistik am wenigsten liegt – und mich auch ehrlich nicht so stark interessiert. Der wird weiter auf die lange Bank geschoben, ich fange mit Neuerer Deutscher Literatur an.
Während ich so sitze und mir meine alten Notizen durchlese, frage ich mich wiederholt, wo eigentlich der Sinn dieser Arbeiten ist. Es erscheint so nichtig, wenn doch der Rest des Tages daraus besteht, einen Menschen zu ernähren und beim Wachsen und Entdecken zu begleiten. Ich kann es kaum erwarten, dass diese Hausarbeiten und das Praktikum endlich abgehakt sind und der Druck nachlässt.
Ich lese bisherige Texte Korrektur, mache Notizen, wofür ich nochmal in die Bibliothek muss und was genau noch fehlt.

Nach 90 Minuten ist mein Bauch zwar um einen Latte Macchiato, eine Zitronenbrause, eine Apfeltasche und ein Lachsbrötchen reicher, mein Kopf ist dafür aber umso leerer. Es ist für mich noch sehr anstrengend, mich wirklich auf den Laptop zu konzentrieren und die Arbeit zu schreiben und es fordert all meine Aufmerksamkeit. Jeder Kinderwagen, der in die Bäckerei geschoben wurde, lenkte mich natürlich sofort ab. Nicht aufs Handy zu gucken habe ich nur so mittelgut durchgehalten und die ganze Zeit habe ich nachgerechnet, wann ich losgehen kann, um mit E. zum Stillcafé zu gehen. Darauf freue ich mich jetzt sehr. Kopf aus, Baby an. 

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