Kiel, Studium mit Kind
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HomeOffice vs. Anwesenheitspflicht – Familienfreundlichkeit an der Uni

Vor zwei Wochen bin ich mit meinem Hiwi-Job ins HomeOffice gestartet und stelle mal wieder fest, wie sehr meine Uni das familienfreundliche Zertifikat verdient hat – nämlich dann, wenn es um sie als Arbeitgeberin geht.
Schon vor E.s Geburt habe ich dort als studentische Hilfskraft drei Mal die Woche morgens vor den Kursen gearbeitet. Durch die Morgenübelkeit in der Schwangerschaft konnte ich den Job leider nicht weitermachen, nach E.s Geburt aber in einem anderen tollen Aufgabenfeld wieder anfangen.

Übrigens: Als Beschäftigte hatte ich Mutterschutz. Ich habe erst 8 Wochen nach der Geburt wieder angefangen zu arbeiten, in die Vorlesung musste ich aber schon nach 4 Wochen wieder (teilweise im selben Gebäude!) – weil ja Anwesenheitspflicht besteht. 
Wie das zusammenpasst, ist für mich nicht begreiflich, ich hoffe aber für alle zukünftigen werdenden Mütter auf die Neuregelung des Mutterschutzgesetzes und den damit einsetzenden Mutterschutz für Studierende.

In meinem neuen Job seit November habe ich flexible Arbeitszeiten, E. kann mit ins Büro und wenn es in den letzten Monaten nicht anders ging, konnte ich auch in Kiel von Zuhause aus arbeiten. Aber auch hier gilt wie im Studium: Die Familienfreundlichkeit steht und fällt mit den Personen. Ich arbeite einfach in einer tollen Einrichtung mit Kolleg*innen und Vorgesetzten, die das möglich machen. Ich kann mir vorstellen, dass es anderen Hiwis sogar an der gleichen Uni anders ergeht.

Mein HomeOffice

Erst dachte ich, diesen tollen Arbeitsplatz mit unserem Umzug nach Potsdam zu verlieren. Aber auch hier hat mich diese Einrichtung überrascht: Da ich auch im Wintersemester noch in Kiel studiere, kann ich meinen Job erstmal behalten – ich mache jetzt überwiegend HomeOffice und fahre alle paar Wochen nach Kiel ins Büro. Das kann wirklich ein Vorbild für andere sein!

Meine Uni in Kiel ist sogar als familienfreundlich zertifiziert, bestätigen tut dies das sogenannte audit-Zertifikat. Als ich gerade schwanger war und das las habe ich mich darüber gefreut, denn ich dachte, dass diese Zertifizierung das Studium mit Kind leichter machen würde. Ich habe das nicht hinterfragt und auch erst spät gegoogelt, wofür es eigentlich steht – nämlich dann, als ich merkte, dass ich davon nichts merkte.

Dass eine Uni dieses Zertifikat trägt, bedeutet nicht zwingend, dass auch alle Anforderungen der Zielgruppen beachtet werden oder dass andere Unis, die es nicht haben, weniger familienfreundlich wären. Manchmal ist das Geld für den Zertifizierungsprozess auch besser in familienfreundliche Maßnahmen selbst investiert.

In meinem Studienalltag erlebe ich nämlich tatsächlich wenig von dieser familienfreundlichen Zertifizierung. Ich merke schon, dass es Angebote für Studierende mit Kind gibt, etwa die Gleichstellungsbeauftragte, die Sozialberatung des Studentenwerks oder die studentisch organisierten Eltern-Kind-Treffen.
Aber all diese Angebote stehen und fallen auch mit den Persönlichkeiten dahinter und nicht mit einem teuren Zertifikat und meistens schlagen sie sich auch nicht bis zum Ende der Kette durch. Nur weil es eine Gleichstellungsbeauftrage gibt, sind noch lange nicht alle Professor*innen und Dozent*innen an Gleichberechtigung interessiert.

Für mich ist Familienfreundlichkeit generell nicht mit Anwesenheitspflicht und willkürlichen Ersatzentscheidungen vereinbar. Dass Dozent*innen an meiner Uni individuell entscheiden können, ob und welche Ersatzleistungen für Fehlzeiten erbracht werden müssen, finde ich prinzipiell ja gut – jedes Fach hat andere Anforderungen. Allerdings sehe ich in Davids Studium, dass man ohne Anwesenheitspflicht mit wesentlich weniger Druck gleich viel lernen und leisten kann, wenn man selbstverantwortlich arbeitet und selbst entscheidet, welcher Stoff für die Klausur gelernt wird und welcher nicht.
Er muss keine Ersatzleistungen erbringen, wenn er nicht in der Vorlesung sitzt und hat dadurch auch nicht diesen Druck, sich für jede Fehlzeit entschuldigen zu müssen, weil ihm sonst der Kurs eventuell nicht anerkannt wird.

Individuelle Prüfungszeiträume bei Hausarbeiten, Abschaffung der Anwesenheitspflicht, Erreichbarkeit von Lernstoff und Dozent*innen auch von Zuhause aus – u.a. das braucht es für ein familienfreundliches Studium.

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