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Meine Meinung zum “Erziehungsexperiment” auf RTL

Am Mittwoch haben wir das “Erziehungsexperiment” auf RTL gesehen. Eigentlich wussten wir schon vorher, was uns erwartet und welche Schlussfolgerungen man daraus ziehen wird. Aber man vergibt ja neue Chancen, auch an RTL.
Die Vorschau war schon herzzerreißend, das “Mamaaa” des kleinen Mädchens geht mir schon seit Tagen nicht aus dem Kopf und es tat schon fast weh, ihre Verzweiflung zu sehen, wenn die Mutter das Zimmer verließ.

Worum es in der Show ging? Insgesamt drei Familien wurde bei Einschlafproblemen geholfen. Also eigentlich kein “Erziehungsexperiment”, sondern ein “Einschlafexperiment”. Da stellten sich mir schon im Vorfeld die Nackenhaare hoch, wieder ist das Einschlafen der Kinder ein brandheißes Thema. Es scheint einen ja überall zu verfolgen, Diskussionen über die “Schlaflernprogramme”, von denen ich gar nichts halte bis hin zur Idee, dass Kinder ihren Schlafzeitpunkt selbst bestimmen sollten.
Der Wunsch nach dem gut schlafenden Kind ist schon nachvollziehbar – wenn E. größer wird, freue ich mich auch, wenn sie nach einer Gute-Nacht-Geschichte einschläft und in ihrem Bett bleibt. Aber davon sind wir noch weit entfernt und das weiß ich. Weil sie noch keine Gute-Nacht-Geschichten versteht, weil sie die Bücher immer gleich zur letzten Seite umblättert, weil sie Nähe und Ruhe braucht.

Natürlich sind die Nächte mit einem Baby in der Regel stressig. Ich habe seit 22 Monaten nicht mehr durchgeschlafen. Natürlich geht das an die Substanz und ich würde nicht behaupten, dass mein Gehirn auf Hochtouren läuft. Wenn sie mittags schläft, muss ich mich meistens mit hinlegen. Aber das ist okay, sie kann mir ja noch nicht sagen, was ihr Problem ist. Dafür würde ich keinen Fernsehsender in ihr Kinderzimmer lassen.

In der RTL-Show gab es sechs Gäste, drei Mütter und drei Väter, die mit Oliver Geissen und Nazan Eckes über die gezeigten Familienfälle diskutierten. Ja, die gezeigten Fälle. Da waren Nachtsichtkameras in Kinderzimmern installiert, die die Kinder teilweise verzweifelt in ihren Betten zeigten. Daneben teilweise verzweifelte Eltern, die per Knopf im Ohr Anweisungen erhielten, wie sie die Kinder möglichst schnell zum Schlafen bekommen. Ein so intimer Moment, der dann auf RTL breitgetreten wird. Es gibt Diskussionen darüber, dass Babyfone mit Videofunktion gehackt werden könnten und dann ja andere Personen in das Kinderzimmer schauen. Im Fernsehen scheint das wohl etwas anderes zu sein. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass kein Kind weinend beim Schlafengehen einem Millionenpublikum gezeigt werden möchte.

Man sah die später schlafenden Kinder, während die eigentlichen Tipps nicht wirklich genannt wurden. Die Fälle dienten also keiner exemplarischen Analyse, sondern wahrscheinlich nur der Quote. Zwischendurch gab es dann noch bescheuerte Fragen, die zwei Jungs “stellvertretend für alle Kinder” an die Prominenten richten sollten. Knaller wie “Warum können Frauen nicht einparken?”, die ja wirklich wahnsinnig viel mit Einschlafen zu tun haben. Sie hätten allerdings zur Erziehung nützen können, wenn Birgit Schrowange nicht auf die Frage, ob Männer einen dicken Bauch haben dürfen, geantwortet hätte, dass auch Frauen keinen dicken Bauch haben dürften. Sympathisch waren dafür wie immer Sarah und Pietro.

Es folgte noch ein wissenschaftlich schlecht durchgeführter und nicht aussagekräftiger Test, was Smartphones mit dem Schlaf von Jugendlichen machen können und dann war die Show eigentlich schon wieder vorbei.
Warum sie Erziehungsexperiment hieß? Keine Ahnung. Vielleicht, weil man häufig die Meinung hört, Schlaf hätte etwas mit Erziehung zu tun. Ich glaube, dass das falsch ist. Schlaf ist Erholung, Verarbeitung, Abschalten. Erholsamer Schlaf geht am besten in Ruhe, Entspannung und Geborgenheit. Entspannung und Geborgenheit kann man nicht anerziehen, die kann man nur ausstrahlen und leben.
Und das kann eben mal bedeuten, dass man im Kinderzimmer auf dem Fußboden schläft oder das Kind mit im eigenen Bett. Kann ich alles nachvollziehen, man selber schläft ja auch gerne neben einem Menschen, den man liebt. Die wenigsten Elternpaare schlafen in getrennten Zimmern. Die Show am Mittwoch hat aber meiner Meinung nach wieder vermittelt, dass Kinder gut einschlafen müssen. Dass es keine Option ist, dass sie mitbestimmen. Ich muss RTL allerdings zugutehalten, dass die gezeigten Kinder alle schon über 2 Jahre alt waren – besonders erwähnt wurde das meiner Meinung aber nicht und das kann dazu führen, dass Eltern das auch von ihren jüngeren Kindern erwarten.

Ein besonderes Schmankerl: Danach lief auf RTL “Adam sucht Eva”. Sich einander unbekannte Nicht-Promis und D-Promis versuchen, sich auf einer Insel ineinander zu verlieben. Eine weitere Kuppelshow, bei der der Sender im wahrsten Sinne des Wortes keine Scham kennt. Liebe scheint wohl durch Nähe möglich zu sein – alle Kandidat*innen schlafen Matratze an Matratze, niemand schläft alleine.

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