Baby, Kleinkind
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Mit dem Kind aufs Festival – ja oder nein?

Heute entbrannte in einer Facebook-Gruppe zum Studieren mit Kind eine spannende Diskussion darüber, ob man sein Kind mit auf ein Festival nehmen sollte oder nicht. Pro- und Contralager hatten sich schnell gefunden und leider hat es auch bis zu den ersten virtuellen Angriffen nicht lange gedauert, mittlerweile wurde der Beitrag samt aller Kommentare sogar gelöscht.
Die Ausgangsfrage war jedoch gar nicht darauf ausgelegt, dass es so eskaliert, eine Mutter wollte einfach mal andere Erfahrungen hören, sie war sich unsicher. Beide Meinungsextreme sind irgendwo nachvollziehbar, denn jedes Festival und jede Festivalerfahrung ist unterschiedlich. Wir waren auch schon in Camps, in denen alle gegenseitig aufgepasst haben und in denen es einfach nett war und fünf Meter weiter im nächsten Camp würden wir nicht sein wollen. Wenn man selber nur auf “Druffi-Festivals” war, ist es vielleicht schwieriger, sich ein Festival mit Kind vorzustellen als bei den Erfahrungen, die wir gemacht haben.
Denn wir haben bisher gute Erfahrungen mit Festivals gemacht und werden daher in diesem Jahr auch mit E. auf ein Festival fahren. Zum Ausprobieren nur für einen Tag, glücklicherweise haben wir bei Two for Fashion zwei Tagestickets für das A Summer’s Tale, ein familienfreundliches Festival gewonnen. Darüber freuen wir uns sehr, weil es uns so nach über zwei Jahren mal wieder möglich ist, zumindest ein Stück altes Festivalfeeling wiederzubekommen. Sicher wird es anders. Wir werden nicht morgens aus dem Zelt oder Auto klettern und bei einem Bier am Campingkocher mit vielen Freund*innen frühstücken. Wir werden stattdessen wahrscheinlich erst an dem Tag mit dem Auto anreisen und weil wir abends noch fahren müssen auf das Bier zur Musik verzichten. Dazu müssen wir auf einen sehr wichtigen Menschen mehr aufpassen, der nicht alleine den Weg zurückfindet, wenn er uns verliert. Das ist auf jeden Fall anders. Aber wenn es klappt, wollen wir nächstes Jahr wieder hin und ein paar Tage dort bleiben, mit Zelt.
In der Facebook-Diskussion war das meistgenannte Argument der Pro-Fraktion, dass man nichts aufgeben möchte, wenn das Kind da ist. Dieses Nichts-aufgeben-wollen, was ich durchaus verstehen kann, ist wahrscheinlich ein generelles Problem unserer Generation. Nichts aufgeben, nichts verpassen, immer bei allem dabei sein und alles miterleben. Aber nur, weil alles anders ist, ist es noch nicht gleich so, dass man etwas aufgibt. Vielmehr gewinnt man doch eine neue Perspektive und sucht sich andere Traditionen. Da jede*r auch sonst anders auf Festivals unterwegs ist, sich nicht jede*r dann automatisch zuschüttet oder wie in der Gruppe befürchtet unter starkem Drogeneinfluss über das Gelände irrt, ist mit Kind wahrscheinlich gar keine große Umstellung nötig – auf die gleichen Festivals wie früher würden wir jetzt sowieso nicht mehr fahren. Es wird einfach eine schöne neue Erfahrung.
Die Gegenseite argumentierte mit Passivrauchen als Risikofaktor für plötzlichen Kindstod, betrunkenen Menschen, die auf das Zelt fallen und prekäre hygienische Situationen. Mir ist noch nie jemand aufs Zelt gefallen und auf Dixi-Toiletten gehe ich aus Prinzip nicht gerne. Es gibt aber auf Festivals auch meist andere Möglichkeiten und wenn man sich ein familienfreundliches sucht, kann man davon ausgehen, dass man mit dem Kind auf eine vernünftige Toilette gehen kann. Ich persönlich habe auch keine große Angst vor dem Passivrauchen bei einer Draußenveranstaltung, die man für einen oder wenige Tage besucht, das wird vermutlich nicht mehr sein als bei einem Gang durch die Innenstadt. Es zwingt zum Glück auch niemand diejenigen, die Festivals weniger verlockend finden, hinzufahren und über den eigenen Schatten zu springen.
Die Frage, ob man ein Kind mit aufs Festival nehmen sollte, lässt sich gar nicht pauschal beantworten. Es hängt immer vom Kind, von den Eltern und auch vom Festival selbst ab. Natürlich würde ich kein Neugeborenes mitnehmen, da hat man sicherlich anderes zu tun, als sich dem Stress einer Großveranstaltung auszusetzen. Aber wenn ich beispielsweise ein aufgewecktes Kleinkind habe, das gerne unter Leuten ist und Kopfhörer akzeptiert, kann ich es durchaus probieren. Ein einjähriges Kind ist auch nicht mit einem siebenjährigen Kind zu vergleichen, ein High Need Kind nicht mit jedem anderen. Genauso ist Rock am Ring etwas anderes als kleinere familiäre Festivals, auf die man mit Freund*innen fährt.  Wichtig ist es, die inviduelle Situation zu betrachten und sich zu fragen, was in Frage kommen würde. Dann kann ein Festival eine Möglichkeit sein – oder eben auch nicht. Nur bitte hört auf, euch im Internet deswegen gegenseitig fertigzumachen. Es kann ja immer noch jede*r seine eigene Meinung dazu haben. Seid nett zueinander und tut das, was eurer individuellen Familie – und zwar allen Familienmitgliedern – gut tut.
Ich werde in vier Wochen berichten, wie unsere erste Festivalerfahrung mit Kind war!

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