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“Mütter sind nicht krank” – warum das nicht stimmt und Stress hervorruft

Wann immer ich seit Beginn der Schwangerschaft mit E. krank wurde, kam als erster Satz “Mütter sind nicht krank” in meinen Kopf. “Mütter haben keine Ausrede” und “Mütter können nicht frei machen” kommen dann auf Platz 2 und 3. Hintergrund der Sätze ist, dass Mütter immer “Mütter” sind, egal ob sie krank sind oder nicht – allerdings eher im klassischen Rollenbild, in welchem die Mutter ja den ganzen Tag mit den Kindern zuhause ist, während der Vater erst spät von der Arbeit kommt. In solchen Fällen ist es wirklich schwierig, sich tagsüber hinzulegen – vor allem, wenn die Kinder noch klein und den ganzen Tag zuhause sind.

Auch wenn ich keine klassische Stay-at-home-Mum bin, waren diese Sätze immer in meinem Kopf, man muss bloß durchhalten, auf keinen Fall die Grippe durchkommen lassen, am besten trotzdem noch den Haushalt schmeißen und auf den Spielplatz gehen.

Doch manchmal macht das alles nur noch schlimmer. In den letzten Wochen war ich immer mal wieder erkältet oder hatte andere Grippesymptome, die ich aber konsequent zu unterdrücken versuchte. Mal zwei Stunden im Bett liegen, danach wird es schon wieder gehen. Die Quittung dafür habe ich diese Woche bekommen, als wir zum “Urlaub” in die alte Heimat Kiel gefahren sind.

Geplant waren vier-fünf Tage, von denen ich an zwei Tagen arbeiten musste und die wir ansonsten am Meer und bei Freund*innen und Familie verbringen wollten. Bereits am zweiten Tag hatte ich schon starke Kopf- und Halsschmerzen und bin nach der Arbeit nur noch ins Bett gefallen, um nachts mit Fieber wieder aufzuwachen. Am dritten Tag ging gar nichts mehr und ein Besuch beim Arzt bestätigte dann die Mandelentzündung. So haben wir den Urlaub kurzerhand abgebrochen und sind nach Hause gefahren. Seitdem liege ich im Bett, heute an Tag 4 des Antibiotikums kann ich immerhin wieder für eine kurze Zeit einen Bildschirm ertragen und etwas essen. Ohne Davids Unterstützung und das Einspringen seiner Kollegin für ihn auf der Arbeit wäre das so auch nicht möglich gewesen, aber es war definitiv erforderlich, da ich ansonsten nach zehn Schritten schon wieder umgefallen wäre.
Und während ich hier so krank herumliege, läuft im Fernsehen eine Werbung für ein Medikament, dass mit einem Slogan wie “Mütter sind nicht krank” wirbt und Mütter fit macht, wenn sie mal nicht spielen können. Das ist manchmal sicherlich hilfreich, aber auch kein Universalheilmittel. Die Werbung macht mich sogar etwas stinkig, denn es ist nicht so, dass eine Mutter immer funktionieren muss. Natürlich kann man mit einer Erkältung noch spielen, aber wenn man so krank ist, dass man den ganzen Tag im Bett liegen muss, dann geht es eben nicht. Da kann einem auch die Pharmaindustrie nicht helfen, dann braucht man Unterstützung und ein familienfreundliches Arbeitsklima, das es dem anderen Elternteil ermöglicht, das Kind mitzunehmen oder von zu Hause zu arbeiten – es ist ja nicht jeden Tag so.
Ich bitte daher jetzt alle, sich gut festzuhalten, während ich die Wahrheit einfach so herausspucke: Auch Mütter sind mal krank. Und Mütter dürfen sich dann auch krank fühlen und ins Bett. Und sie brauchen dabei vor allem kein schlechtes Gewissen zu haben. 
Man lässt sich nämlich viel zu leicht unter Druck setzen von Sätzen wie denen oben, man versucht zu funktionieren und alles perfekt zu machen. “Irgendwie schaffen es andere ja auch.” Da helfen einem dann natürlich auch soziale Medien nicht, in denen Fotos von perfekten Haushalten und gestylten Müttern (+ Babys) einen förmlich erschlagen und einem sagen, dass es bei einem selbst zuhause ja trotz Krankheit genauso aussehen könnte. Als gäbe es in dem Moment nichts Wichtigeres.
Der dadurch entstehende Stress sorgt dann nämlich nur dafür, dass man noch langsamer wieder gesund wird.
Ich gehe deshalb jetzt auch direkt wieder ins Bett, damit ich in der kommenden Woche wieder fit bin. Da muss David viel arbeiten und wir gehen das erste Mal mit E. zum Turnen, außerdem warten noch Blogartikel darauf, niedergeschrieben zu werden. Dann berichte ich euch davon, für welchen Kindersitz wir uns nach der Babyschale entschieden haben und warum uns der Stoffwindelgedanke nie so ganz losgelassen hat!

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