Schwangerschaft
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Nach einer Fehlgeburt neuen Mut fassen

Triggerwarnung: Fehlgeburt

Wer mir auf Instagram folgt, hat es da schon gelesen: Ich bin wieder schwanger, mit Kind Nr. 2. Die zweite Schwangerschaft ist das allerdings nicht, sondern die dritte – eine endete letzten Sommer in Woche 8. Während ich damals dachte, dass ich das alles nicht verkrafte, sitze ich heute hier und schreibe meine Erfahrungen auf – reflektiert und mit deutlich weniger Traurigkeit.

Fehlgeburten, vor allem frühe Fehlgeburten, sind leider nicht so selten, wie man sich gerne wünschen mag. Etwa jede fünfte Schwangerschaft endet vor der 12. Woche, die meisten allerdings schon so früh, dass die Schwangerschaft häufig gar nicht bemerkt wird. Da dies aber der Zeitraum ist, in dem nur die wenigsten ihre Schwangerschaft schon “öffentlich” machen, erfährt man selber kaum von Fehlgeburten – ich konnte mir daher nicht vorstellen, dass dieses Risiko tatsächlich irgendwie besteht. Es kam jedoch alles so, wie das Schicksal es geplant hatte und wir mussten lernen, damit umzugehen. Was mir bzw. uns dabei geholfen hat und wie ich es geschafft habe, mich wieder zu trauen, habe ich für all diejenigen von euch aufgeschrieben, die eine solche Motivation vielleicht gerade brauchen. Dabei ist allerdings wichtig: Jedes Schicksal ist ein Einzelschicksal, jede Frau ist anders. Was uns geholfen hat, kann bei euch falsch sein oder einfach nicht zu euch passen – aber vielleicht gibt es die ein oder andere Idee.

Medizinische Fakten und Austausch

Es gibt Dinge im Leben, die man emotional nicht erklären kann. Kein “Warum passiert uns das?” wird eine Antwort bekommen und egal wie oft man hofft, dass das nur ein Traum war, es wird nicht so sein. Es ändert nichts, an meiner Traurigkeit, wenn ich weiß, dass ca. jede fünfte Schwangerschaft nicht erfolgreich ist, aber es hilft mir beim Verstehen. Es passiert und es passiert nicht nur uns. Wir wissen das nur nicht, weil es sowohl ein sehr privates als auch leider oft ein Tabu-Thema ist. Letzten Sommer kannte ich keine Frau, mit der ich wirklich Erfahrungen hätte tauschen können. Seit ich beschlossen habe, offen damit umzugehen, fallen mir spontan schon eine Handvoll Frauen mit ähnlichen Erfahrungen ein. In Gesprächen mit Hebammen haben wir nochmal ganz andere Informationen bekommen als von den Ärzt*innen, mit denen wir gesprochen haben, auch dies hat sehr geholfen. Dies ist einer der Gründe, warum man sich früh eine Hebamme suchen sollte.

Traurigkeit zulassen

Es ist vollkommen okay, traurig zu sein. Oft habe ich mir gesagt, dass es ja “erst” acht Wochen waren, dass es anderen viel schlimmer ergeht oder ich ja schon ein gesundes Kind habe. Aber all das hilft nicht wirklich gegen eine Emotionen, es ist nur ein Versuch, sie zu unterdrücken. Es ist eine traurige Erfahrung, es gehen Pläne, Träume und Vorstellungen kaputt und gerade, wenn man es länger geplant hatte, muss man sich nicht plötzlich “zusammenreißen” und so tun, als wäre nichts geschehen.

Ablenkung

Während der Fehlgeburt war ich wie in einem Paralleluniversum – wie bei einer Geburt eben. Ich wollte nicht raus, nicht spielen, nicht nachdenken müssen. Schon nach zwei Tagen war dann aber damit Schluss – zum einen hatte ich ja meine Tochter zuhause, die mich funktionierend brauchte, zum anderen warteten auch Uni-Abgaben und Referate auf mich. Ich hatte zwar eine Krankschreibung in der Tasche, aber ich war nicht bereit, mit jemandem in der Uni darüber zu sprechen und mich erklären zu müssen. Ich zog lieber alles durch, was Not tat und holte mir zuhause die Entspannung. Das war im Nachhinein alles stressig und sicher nicht die allergesündeste Entscheidung, aber die Ablenkung hat mir doch auch gut getan. Irgendwann während dieser Tage hatte ich meinen persönlichen entscheidenden Moment. Es war meine Entscheidung, ob ich diese Wochen als nur negativ in Erinnerung behalten wollen würde. Es war unser Sommer und auch, wenn er anders geplant war, müsste es jetzt wiedergehen. Ich wollte nicht, dass etwas die Zeit im Nachhinein negativ bestimmt. Also haben wir Konzertkarten gekauft, ein Festival besucht, die Wohnung umgeräumt, einen Camping-Urlaub geplant und ich habe mich auf meine Prüfungen konzentriert, die tatsächlich beide eine 1 wurden. Es war ein guter Sommer, es war nur eben nicht jede Woche gut.

Zeit

Die Zeit heilt nicht, so wie es sprichwörtlich oft heißt, alle Wunden. Aber Zeit lässt Narben verblassen und gibt uns Tage, an denen wir sie nicht bemerken. Ich hatte nach diesem Erlebnis wahnsinnige Angst, dass mir das nochmal passieren und ich meinen Mut verlieren könnte. Dass ich das Schicksal nicht in der Hand habe, hatte ich ja mittlerweile gelernt. Statt es zeitnah noch einmal zu versuchen, warten wir ab, bis die 9 Monate ganz um waren und ließen die Entscheidung, ob wir bereit wären, so lange ruhen. Das war gut, denn obwohl ich nicht mehr damit gerechnet hätte, war der ursprünglich errechnete Geburtstermin dann doch ein sehr emotionaler Tag.

Noch immer denke ich wöchentlich an die Erfahrungen des letzten Jahres, denn sie haben mich und uns sehr verändert. Auch meine Gedanken haben sich verändert, aus Wut und Traurigkeit wurden Akzeptanz und positive Energie. Ich hoffe, dass ich einigen von euch, die sich mit den gleichen Sorgen und Ängsten auseinandersetzen müssen, zeigen kann: Danach kommt noch was. Nicht immer, aber oft sogar etwas Positives. Und auch wenn die Ängste nicht verschwinden werden, so können wir doch lernen, sie zu beherrschen und uns neuen Abenteuern zu stellen.

Bald geht jetzt schon der sechste Monat zuende und alles sieht perfekt aus, das Baby ist soweit gesund, meldet sich jeden Tag mehrmals und zaubert mir immer wieder ein Lächeln auf das Gesicht.

 

 

 

 

2 Kommentare

  1. Leo sagt

    Ich glaube, ich muss dich gar nicht loben für diesen Text, denn du weißt selbst, wie wichtig und mutig es ist, dass du ihn geschrieben hast. Trotzdem sei es hier ausgesprochen, wie gut ich das finde! Auch für eine Nicht-Mama kommt da eine kraftvolle Message rüber <3

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