Nachhaltigkeit & DIY
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Plastikfasten als Familie

Plastikfasten als Familie - Schraubglas mit Plastikmüll mehrerer Wochen

Wir hatten uns dieses Jahr in den Wochen vor Ostern dazu entschieden, konsequentes Plastikfasten als Familie zu veranstalten. Dass wir eher Ökos sind, ist jetzt kein Geheimnis, trotzdem gingen auch bei uns die ein oder anderen Plastiksünden in den letzten Jahren durch. Schaut man sich allerdings mal die Ozeane, Strände und Grünflächen der Welt an – oder sogar unsere eigene Wohnung – dann stellt man fest, dass viel zu viel Plastik in der Umwelt herumirrt, um dessen Entsorgung sich niemand wirklich kümmert.

Dass all unser Plastik irgendwo hier recycelt werden würde, ist ein Irrglaube. Wenn wir also nicht genau kontrollieren können, wo unser Müll hingeht, können wir stattdessen darauf achten, nicht zu viel zu produzieren. Das ist hier in der Stadt relativ leicht. Ich weiß, dass es auf dem Land durchaus schwieriger sein kann, aber kleine Verbesserungen kann jede*r schaffen. Wir haben hier mittlerweile zwei Unverpackt-Läden, in denen wir unsere eigenen Behältnisse wieder und wieder verwenden können, um Kaffee, Müsli, Waschmittel, Schokolade und co. nach Hause zu transportieren. Wer keinen Laden in der Nähe hat, kann aber beispielsweise auch darauf achten, eher größere Packungen zu kaufen oder im Drogeriemarkt auf wenige, nachhaltige Produkte umzusteigen.

Wir haben sechs Wochen Plastik gefastet und sind tatsächlich mit etwas mehr als einem Schraubglas für den entstehenden Müll ausgekommen. In diesem Glas haben wir alles gesammelt, was wir in der Zeit an neuem Plastik gekauft haben. Das bedeutet allerdings natürlich nicht, dass das alles an Plastik ist, was für diese Zeit unserem Fußabdruck zuzuschreiben ist, denn auch in Produktion und Bereitstellung von unverpackten Lebensmitteln fällt Plastik und anderer Müll an, aber irgendwo muss man ja anfangen.

Wie funktioniert Plastikfasten als Familie mit kleinen Kindern?

Haushalt, Kleidung und Ernährung funktionieren erstaunlich gut. Wir kaufen sowieso eher wenige, dafür gute Klamotten für die Kinder, im Laden hängt es unverpackt und die gängigen Öko-Marken verschicken auch oft plastikfrei. Durch die Luxus-Situation mit dem Unverpacktladen in der Nähe fahren wir für Lebensmittel nur noch sehr selten in andere Märkte, das Gemüse und Obst kommt aktuell in der Abo-Kiste direkt nach Hause.

Manche Dinge funktionieren nicht so gut. Schnuller aus Naturkautschuk werden hier beispielsweise nicht akzeptiert, das Saugbedürfnis vom Babysohn ist aber noch stark, also machen wir hier eine Ausnahme. Und wenn die Tochter sich zu Ostern einen stinkgewöhnlichen Schokohasen wünscht, dann gibt es den eben und ich fange nicht an, eine extra Form für Schokohasen zu kaufen. Genauso ist es mit der Zahnbürste für den Kindergarten oder Zahnpasta.

Es funktioniert also mal besser und mal schlechter. Wir haben uns zu Beginn des Plastikfastens das Ziel gesetzt, das primär für uns Erwachsene zu tun. Ich kann von einer Dreijährigen nicht erwarten, dass sie auf alles verzichtet, so wie ich es tue. Ich kann nicht erwarten, dass sie das große Ganze überblickt, auch wenn wir natürlich ganz langsam mit Themen wie Umweltschutz anfangen und sie sich dafür interessiert. Von daher haben wir beschlossen, das Familienleben in Bahnen zu lenken, in denen die Versuchung gar nicht so groß ist. Natürlich darf sie sich Schokolade aussuchen – aber wir gehen eben zusammen in den Unverpackt-Laden und nicht in die Drogerie. Natürlich darf sie Quetschies haben so wie alle anderen Kinder auf dem Spielplatz auch – aber wir haben meist einen wiederbefüllbaren, den wir zu Hause mit ihrem Lieblingsobst auffüllen und schon in der Tasche haben, wenn wir im Bio-Markt an der Kasse stehen. Nach einem “fertigen” hat sie in den ganzen sechs Wochen tatsächlich nicht gefragt.

Ist das nicht wesentlich teurer?

Manches ist teurer, ja. Anderes wiederum wesentlich günstiger, sodass es sich im Schnitt ausgleicht. Es ist beispielsweise teurer, Nudeln im Unverpackt-Laden zu kaufen statt der günstigen Bio-Marken. Dafür sind aber beispielsweise Backpulver, Vanillezucker und Hefe wesentlich günstiger, Wasch- und Putzmittel kann man sehr leicht selbst machen. Wenn man hier ein bisschen Preise vergleicht und sich selbst beim Einkauf organisiert, hat man schnell einen guten Überblick.

Waschbare Windeln sind in der Anschaffung erstmal teurer, über die Jahre gesehen aber ca. 2/3 günstiger als Wegschmeiß-Windeln. Und sie lassen sich in der Regel danach gut weiterverkaufen, während Wegschmeiß-Windeln auf der Deponie landen. Über waschbare Windeln und weitere Tipps, um beim Wickeln Müll zu sparen, habe ich hier geschrieben. Feuchttücher habe ich beispielsweise in diesem Jahr noch nicht einmal gekauft, sondern verwende die gleichen Lappen wieder und wieder.

Man muss es gar nicht radikal betreiben. Jeder Schritt hilft.

Die Angst, bei neuen Vorsätzen etwas falsch zu machen, ist groß. Als ich früher Vegetarierin war, hat es ein paar Wochen gedauert, bis ich mir die Infos zusammengesucht hatte, was ich noch essen kann und was nicht. Aber so etwas ist normal und auch gar nicht schlimm. Zero Waste zu leben beispielsweise ist eine total schöne Vorstellung – von der ich aber weiß, dass wir sie vorerst auf keinen Fall erreichen können. Dennoch hilft bekanntlich jeder noch so kleine Schritt, jeder einzelne Verzicht auf den Einweg-Kaffeebecher und jedes Wegschmeiß-Feuchttuch.

Seit Ostern sind auch hier wieder Plastikverpackungen eingetrudelt – aber wesentlich weniger als vorher, weil wir festgestellt haben, dass der Verzicht gar nicht so schwer fällt wie gedacht.

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