Studium mit Kind
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Referat halten – Mamaversion

Gestern musste ich in der Uni ein Referat halten, das erste Mal nach der Geburt.
E. hat mir nicht sehr viel Vorbereitungszeit gelassen, die Präsentation habe ich erst am Abend vorher gemacht. Dementsprechend waren auch meine Notizen.

Normalerweise kann ich selbst bei völliger Ahnungslosigkeit einigermaßen kompetent wirken, ob das dieses Mal auch geklappt hat, weiß ich noch nicht.

Hier ein kurzer Bericht meines Referates:

– Vorstellen und den Namen sagen. Fühlt sich falsch an, in den letzten Wochen bei all den Kursen hat sich kaum jemand für meinen Nachnamen interessiert. E. heißt ja wie der Papa.

– Beginn: zum ersten Mal Lampenfieber, weil nicht vorbereitet. Gerade noch zuhause gewesen, um zu stillen – schnell zwischen Arbeit als studentische Hilfskraft und Seminar.
Ob die Milch gereicht hat?

– okay, alle Gesichter schauen nach vorne, man hört mir tatsächlich zu. Ob E. gerade auch so ruhig ist? Kommt der Papa zum Aufräumen? Wir bekommen nachher ja noch Besuch.

– Atmen. Entspannen, das hier ist meine Zeit. Niemand fängt hier (hoffentlich!) gleich an zu schreien, ich kann so langsam machen, wie ich möchte. Ob E. wohl gerade schreit?

– Was trinken. Habe ich heute eigentlich schon genug getrunken? Wie soll da genug Milch rauskommen, wenn ich nur so wenig trinke? Wie oft hat E. heute eigentlich schon getrunken? Reicht mein Zeitfenster bis zum Schluss?

– Huch, die Folie ist doch schon ziemlich am Ende meiner Präsentation. Was habe ich eigentlich alles schon erzählt? Rede ich eigentlich normal oder immer noch in einer Melodie von Anne Kaffeekanne, weil E. sich momentan so am besten beruhigt?

– Habe ich eigentlich Babykotze auf dem Pullover?

– Gleich schießt mir die Milch ein.

– Wir nähern uns dem Ende: Müssen wir auch, mein Zeitfenster läuft sicher gleich ab. E. hat im Moment mehr Hunger als sonst und ich muss gleich nach Hause. Ich fange an zu rechnen. Wenn ich jetzt losmüsste, wann wäre ich dann spätestens da?

– Der Dozent stellt Fragen. Alles, was ich denke: Stilldemenz, verdammt nochmal, warum jetzt? Auf die wenigsten Fragen weiß ich die Antwort, die er hören will. Ist mir aber eigentlich auch egal, ich habe heute schon viel wichtigere Dinge getan als hier ein Referat zu machen.

– in der ersten Reihe sieht eine müde aus. Ob die arme wohl genug geschlafen hat? Da ist der Muttireflex, jetzt schon! Moment mal, wie viele Stunden habe ich eigentlich heute Nacht geschlafen?

– Kann ich bitte endlich nach Hause? Ich habe keine Lust mehr.

– Ich vermisse mein Baby, habe es schon seit zwei Stunden nicht mehr gesehen.

– Stellt mir gerade eigentlich noch jemand eine Frage? Der Dozent sagt “Danke” und ich setze mich wieder hin. Gucke schnell nach, ob ich eine Nachricht bekommen habe – E. scheint noch munter zu sein.

– Seminar vorbei, letzte Sitzung des Semesters, ab nach Hause. Hausarbeit auf nächstes Semester verschoben. Jetzt ist E. dran.

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