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Rezension: Hochsensibel Mama sein. Das Ressourcen-Buch. (Kathrin Borghoff)

Hochsensibel Mama sein – was ist das? Neben Worten wie Gefühlsstärke liest sich auch das Wort Hochsensibilität immer häufiger, im Zusammenhang mit Kindern, aber auch mit Erwachsenen. Hochsensible Menschen (zu denen je nach Bericht jeder vierte bis fünfte Mensch in Deutschland zählt), lassen sich nicht pauschal definieren, haben aber häufig eine ausgeprägte Feinfühligkeit, verarbeiten tief und sind auch in ihren Sinnen sehr empfindsam. Hochsensibilität in Kombination mit Mutterschaft kann aus verschiedensten Gründen sehr intensiv sein.

Kathrin Borghoff, die sich selbst auch als hochsensibel beschreibt, ist Mutter und arbeitet als Familiencoach mit dem Schwerpunkt Hochsensibilität. In Hochsensibel Mama sein. Das Ressourcen-Buch verbindet sie eigene Erfahrungen, Erkenntnisse aus der Forschung und Erfahrungen aus ihrer praktischen Arbeit. Diese verschiedenen Ebenen holen unterschiedlichste Leser*innen dort ab, wo sie es benötigen. In zehn Kapiteln schlägt sie den Bogen von einer Einführung über Hochsensibilität, hochsensible Mutterschaft und Möglichkeiten der Selbst-Testung über das Erkennen der eigenen Grenzen und der möglichen Ressourcen hin zu konkreten Übungen für einen alltäglichen Umgang mit der eigenen Hochsensibilität und der der Kinder, die sie eventuell vererbt bekamen.

Hochsensibel Mama sein: Jede Geschichte ist ganz individuell.

Dass Hochsensibilität dabei so verschieden sein kann wie die Menschen, die diese bei sich selbst entdecken, betont Kathrin Borghoff immer wieder. So gibt es nicht das eine Set von Merkmalen, nicht die gleichen Stressoren, nicht automatisch sind hochsensible Menschen auch introvertiert. Da es keine pauschale Ausgangssituation gibt, liefert die Autorin auch keine pauschale Antwort, sondern vielmehr – und das macht das Buch gerade so sympathisch – Impulse und Gedanken, in denen man sich selbst wiederfinden oder sich von ihnen abgrenzen kann und Übungen, die die Leser*innen dazu befähigen, sich ihren eigenen Fahrplan für die Zukunft zu gestalten.

Warum es Spaß macht, eine hochsensible Autorin zu lesen

In jedem Kapitel spürt man, wie viel Arbeit Kathrin Borghoff in dieses Buch investiert hat. Wie sorgsam die begleitenden Geschichten aus ihren Coachings ausgewählt wurden und wie sie auch über Momente spricht, die ganz persönlich mit ihr selbst zu tun haben. An keiner Stelle ist Hochsensibel Mama sein. Das Ressourcen-Buch oberflächlich, vielmehr kommt es immer wieder zurück auf seinen eigentlichen Zweck: Die angesprochenen Mütter auf ihrem Weg zu unterstützen, ihnen Werkzeuge an die Hand zu geben und zu zeigen: Man ist nicht allein. Kathrin Borghoff legt dennoch auch den Finger in die Wunde und animiert an Stellen, an denen eventuell ein Rückzug in ein Schneckenhaus logisch erscheinen würde, zum über sich hinaus Wachsen.

Abwechslungsreich integriert sie auch flankierende Themen, greift die Erkenntnisse der Bindungsforschung auf und reflektiert diese, bricht sie herunter auf die Entscheidungen, die Familien hierzu treffen können. Sie erklärt Themen so präzise, dass vielleicht die einen oder anderen Ratgeber nicht mehr gelesen werden müssten – nennt aber auch Blogs oder andere Projekte im Internet, denen man hingegen sehr gut nachgehen könnte. Es ist sehr angenehm zu lesen, wie sie Namen nennt von Personen, die sie inspiriert haben und wie sie ihre Bühne mit ihnen teilt. Besonders fällt auf, wie Kathrin Borghoff den Leser*innen immer einen Schritt voraus zu sein scheint. Die Führung durch das Buch ist sehr logisch, aufeinander aufbauend und beantwortet aufkommende Gedanken direkt.

Was dieses Buch leisten kann

Dies ist kein Buch für eine leichte, amüsante Lektüre vor dem Schlafengehen. Es ist stattdessen tiefergehend, aufwühlend und voller Kraft und Verständnis. Dies ist ein Buch, das Zeit benötigt, denn hier wird nicht nur gelesen, hier arbeitet das Gehirn dabei auf Hochtouren. Es gibt Stellen, an denen man es vor lauter Gedanken noch einmal weglegen und später wieder zurückkommen muss. Das mag manchmal etwas anstrengend erscheinen, aber Kathrin Borghoff verdeutlicht: Nur auf der Erkenntnis der Hochsensibilität ausruhen genügt nicht. Denn darauf folgt ein langer Prozess, den man selbst gehen muss, an dessen Ende aber ganz viel Schönes wartet.

Eine klare Leseempfehlung für alle, die merken, dass sie ein bisschen mehr merken als die meisten um sie herum. Die mehr fühlen, mehr hören, mehr empfinden und damit nicht immer umgehen können oder es bisher nicht lernen konnten. Für alle, die erst mit ihrer Mutterschaft entdeckt haben, dass irgendetwas anders ist und diejenigen, die es schon vorher wussten. Und eine klare Leseempfehlung für alle, die mit jemandem zusammen erziehen, der oder die sich als hochsensibel einordnet. Kathrin Borghoff gewährt einen Einblick, wie es in dem anderen Kopf aussehen kann.

Kathrin Borghoff: Hochsensibel Mama sein. Das Ressourcenbuch.
BELTZ-Verlag. Weinheim 2020. 291 Seiten.
ISBN: 978-3-407-86581-6
Paperback: 19,95€

1 Kommentare

  1. Vielen vielen lieben Dank für diese wunderschöne Rezension, die mich sehr berührt. Es ist einfach ganz wunderbar zu lesen, wie dieses kleine Buchbaby sich in der Welt verteilt und mit so vielen großartigen Menschen arbeitet.
    Ich wünsche dir alles Liebe für deine Reise und danke dir von Herzen für diese Empfehlung!

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