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Rezension: Rundum geborgen (Susanne Mierau)

“Schlagworte wie “Unerzogen”, “Attachment Parenting” oder “Beziehung vor Erziehung” bestimmen heute moderne Elternschaft. Für Menschen, die ohne diese Bezeichnungen aufgewachsen sind, können heutige Elternschaft und ihre Ansprüche verwirren oder auch eine Ablehnung hervorrufen […]” schreibt Susanne Mierau im Vorwort ihres aktuellen Buches Rundum geborgen …weil es ein ganzes Dorf braucht, um ein Kind großzuziehen. Mit diesem Buch greift sie, nachdem sie bereits erfolgreiche Bücher über den geborgenen Start ins Leben und die geborgene Kindheit geschrieben hat, einen wichtigen Aspekt auf: Familien brauchen Menschen um sich herum – und diese Menschen sollten im Idealfall irgendwie nachvollziehen können, warum die jungen Eltern sich so verhalten, wie sie es tun.

Susanne Mierau erklärt ihnen in Rundum geborgen die Grundgedanken der modernen Konzepte, die viele Eltern heute verfolgen, aber nicht ohne einen kritischen Blick. So erklärt sie beispielsweise die Grundzüge des “Attachment Parenting” und die darin enthaltenen Kernpunkte wie frühes Bonding nach der Geburt und das Tragen der Babys, erläutert aber auch die Entstehung der Gedanken und ihre Auslegung hierzulande. Die Erklärungen werden mit hilfreichen Listen und Rezepten ergänzt: Was braucht die Schwangere? Womit kann die werdende Familie unterstützt werden? Welche Geschenke brauchen die Eltern wirklich für das neue Familienmitglied? Eltern und Freund*innen der Familie, an die sich das Buch widmet, finden hier Ideen und auch konkrete Handlungs- und Verhaltensempfehlungen, beispielsweise wenn es um Besuche im Wochenbett oder Nachfragen bei Terminüberschreitung geht.
Doch nicht nur das Erwartbare wird von Susanne Mierau in diesem Buch erwähnt – auch für Themen wie Frühgeburt, Behinderung des Kindes oder Depressionen nach der Geburt gibt sie in Rundum geborgen hilfreiche Tipps und Adressen, mit denen man der Familie helfen kann.

Dass das alles dabei kein ultimatives Regelbuch für eine komplett neue Ausrichtung von Elternschaft und eine Ablehnung alles bisher Dagewesenen ist, zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch. Es kann Umstehende der jungen Eltern verunsichern, wenn diese plötzlich vieles anders machen. Sie fragen sich, mit welchen Augen die Eltern des neugeborenen Babys sie sehen, wenn sie sich anders verhalten als man selbst. Hier ist Susanne Mierau wichtig zu betonen: Die Art des Zusammenlebens in der Familie muss zu der Familie selbst passen. Alle Eltern befinden sich in unterschiedlichen Situationen und sehen sich mit verschiedenen Herausforderungen konfrontiert – beispielsweise in Bezug auf den Arbeitsmarkt. Während es vor einigen Jahrzehnten noch sehr wichtig war, Kinder auf die geregelte Erwerbsarbeit vorzubereiten, wird es viele Jobs in Zukunft nicht mehr geben. Dadurch haben Eltern heute andere Aufgaben. An vielen Stellen zeigt Susanne Mierau auf, dass es jungen Eltern, die sich der bindungsorientierten Elternschaft verbunden fühlen, nicht darum geht, dass “früher alles schlecht war”. Stattdessen ist oft eine Kombination aus Bewährtem und Neuem sinnvoll und für junge Eltern eine gute Erfahrung. Und da ist da noch die interessante Erkenntnis: Oft ist das, was junge Eltern machen, keine “neue Mode”, sondern wie bei Stoffwindeln eine Rückbesinnung auf frühere Jahrzehnte.

Leseempfehlung beispielsweise für all diejenigen, die sich fragen, was ihre Kinder mit der bindungsorientierten Elternschaft meinen und für diejenigen, die wissen möchten, wie sie ihre Freund*innen nach der Geburt unterstützen können!

Susanne Mierau: Rundum geborgen (Link zur Homepage von Geborgen Wachsen)
Kösel-Verlag, München 2018. 140 Seiten.
ISBN: 978-3-466-31108-8
Gebundene Ausgabe: 12,00 €

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