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Stoffwindel-Test hu-da, Disana und totsbots: Wie wir versuchen, Müll zu reduzieren und Körpergefühl zu stärken

Letzte Woche habe ich hier auf dem Blog schon über unsere Beweggründe geschrieben, neben den gängigen Wegwerfwindeln auch Stoffwindeln zu benutzen. Vor mittlerweile einigen Wochen kam unsere Bestellung von Fratzhosen hier an und wir tasten uns seitdem langsam in dieses neue Universum hinein.

Welche Windelform haben wir bestellt?

Wir haben uns für Höschenwindeln von hu-da und ganz klassische Strickwindeln von Disana und Hessnatur entschieden. Fratzhosen hat uns dann zum Vergleich noch eine Höschenwindel von totsbots mit ins Paket getan, die wenig Polyesteranteil hat, weil uns das ja sehr wichtig war.
Ich wusste bis vor einigen Monaten nicht einmal, dass es so viele verschiedene Systeme zum Wickeln mit Stoffwindeln gibt – ich dachte eigentlich immer, dass es recht überschaubar wäre. Schließlich ist das ja die “alte” Variante des Wickelns.
Viele Onlineshops oder Youtube-Erklärvideos wirken dazu auch mehr verwirrend als helfend, “totsbots easyfit V4” klingt für mich zum Beispiel eher nach einer günstigeren Variante des Nimbus 2000.

Die Höschenwindeln, die wir jetzt haben, bestehen im Grunde aus drei Schichten – der Höschenwindel in der Mitte, einer saugfähigen Einlage darin und einer Überhose darüber. Es gibt auch Systeme (z.B. All-in-Ones oder in Fachsprache “AIO” – ARD, ZDF, C&A…), für die weniger Einzelteile benötigt werden und die dann nicht so einen dicken Windelpo zaubern, aber diese sind überwiegend aus PUL hergestellt und haben für mich nicht mehr viel mit Stoffwindeln zu tun.

Auf dem ersten Bild seht ihr zwei der hu-da 2.0 Windeln, dazu die totsbots Basic Bambus. Das zweite Bild zeigt die Strickwindel ungebunden und “fertig” an der Tragepuppe angelegt.

 

Die hu-da Windeln gefallen mir bisher besser als die totsbots-Windel. Das liegt zum Einen daran, wie sich das Material sowohl nass als auch trocken anfühlt, zum Anderen aber auch daran, dass in der mitgelieferten totsbots-Einlage 10% Polyester verarbeitet sind. Dies ist die Schicht, die direkt am Körper liegt und ich verstehe nicht, warum man dort Polyester benötigt. Man kann sie natürlich austauschen, aber sie existiert dennoch.

Was benötigt man dann für “eine Schicht Windel”?

Eine Höschenwindel erfordert also drei Einzelteile, die Windel selbst, die Einlage und die Überhose.
Es gibt verschiedene Einlagen für Stoffwindeln, mitgeliefert wird meist eine Baumwolleinlage, die allerdings nicht sehr saugfähig ist. Es wird deshalb empfohlen, ein saugfähigeres Material zu nehmen und zusätzlich hineinzulegen. Wir haben Bambus- und Hanfeinlagen bestellt, sowohl in zugeschnittener Form als auch als vorgefaltet. Man kann Geld sparen, wenn man einfach schon vorhandene Waschlappen benutzt und diese häufiger wechselt. Darüber legen wir meist noch ein dünnes Windelvlies (wie weiches, festeres Küchenpapier), welches man bei größeren Geschäften einfach herausnehmen und samt Errungenschaft in der Toilette herunterspülen kann.
Als Überhosen-Material haben wir uns für Wolle entschieden. Die hält nach Einfettung dicht und reinigt sich nahezu von alleine, meistens wird sie gar nicht erst mit nass.
Das Paket, das sich dadurch ergibt, ist zugegebenermaßen schon sehr dick, vor allem, wenn man Prefold-Einlagen in die Höschenwindeln legt:
Mit Prefold-Einlage
Mit einfacher Einlage

Die Strickwindeln sind insgesamt dünner und daher angenehmer anzulegen, allerdings halten sie nicht so dicht wie die Höschenwindeln. Sie sind eine Alternative für schmalere Kleidungsstücke, wobei die Überhose ja so oder so noch darüber muss.

Schon beim ersten Anlegen fiel uns auf, dass sich die Bodys unten nur noch schwer zuknöpfen ließen. Wir haben zwar auch Unterhemden gekauft, aber gerade beim Draußenspiel bei niedrigen Temperaturen wirkt ein durchgehender Body wärmender. Bodyverlängerungen sind hier ein gutes Hilfsmittel, man knipst sie einfach ein und schon passt alles wieder.

Wie finden wir Stoffwindeln nach einigen Wochen?

Wir sind noch immer der Meinung, dass es sich lohnt, Stoffwindeln auszuprobieren. Sie bringen verschiedene messbare und nicht-messbare Vorteile mit sich, aber auch einige Nachteile.
Nach wie vor werden wir nicht auf die Wegwerfwindeln verzichten, vor allem unterwegs. Die Stoffwindeln trägt E. hauptsächlich zuhause oder wenn es schnell zum Einkaufen geht. Es gibt zwar Wetbags, in denen man unterwegs nasse Windeln transportieren kann, aber ich bin eigentlich froh, nicht mehr jeden Tag so viel Zeug mitschleppen zu müssen wie am Anfang.
Auch bei Magen-Darm-Infektionen o.ä. würde ich weiterhin auf Wegwerfwindeln zurückgreifen, da der Waschaufwand ansonsten stark steigen würde.
Für Zuhause finde ich Stoffwindeln aber toll. Der Umgang mit dem täglichen großen und kleinen Geschäft ändert sich, womit ich nicht gerechnet hätte. Ich erkenne jetzt beispielsweise viel eher, ob E. auf Toilette muss oder nicht. Bei Stoffwindeln macht sie sich bemerkbar, wenn sie gewickelt werden möchte, bei Wegwerfwindeln nicht. Man könnte dazu argumentieren, dass Wegwerfwindeln besser absorbieren und die Kinder dadurch glücklicher sind, aber ich erhoffe mir so, insgesamt schneller von Windeln generell loszukommen.
Es ist schön, nicht mehr so viel Windelmüll am Tag zu produzieren – auch wenn man sich dann natürlich um mehr Wäsche kümmern muss. Durch das Windelvlies ist das große Geschäft aber eher “angenehmer” geworden. Die volle Wegwerfwindel muss man möglichst geruchsneutral im Windeleimer aufbewahren und dann zur Tonne rauslaufen, das Vlies spült man weg und ist durch mit dem Thema.
Man kann Stoffwindeln auch mehrere Tage sammeln, um sie dann zu waschen. Dafür empfiehlt sich aber ein extra Eimer. Einige Stoffwindelhersteller machen damit zusätzlichen Gewinn und verkaufen recht teure Eimer, die im Grunde auch nicht mehr können, als verschließbar zu sein. Auch die Wäschenetze, die man einhängen kann, um die Wäsche möglichst kontaktlos in die Maschine zu befördern, haben keine Superkräfte. Ein normales Wäschenetz tut es auch. Da kann man im Schnitt ca. 10€ sparen.
Ein Nachteil dieser Stoffwindelvariante ist allerdings, dass sie nicht unter jede Kleidung passt. Man müsste jetzt im Winter lange Wollüberhosen dazukaufen, die dann als Hose getragen werden oder eben ganz auf weitgeschnittene Hosen umsteigen. Das ist an sich kein riesiges Problem, da E. häufig in selbstgenähten Pumphosen unterwegs ist (das arme Kind). Allerdings hat man im Schrank ja doch noch viele andere praktische Hosenformen wie Strumpfhosen oder Leggins, die zumindest in der aktuellen Größe ansonsten nicht mehr nutzbar wären.
    
Wir werden also weiter probieren und unser Sortiment sicherlich nochmal erweitern – für den Moment ist es aber eine gute Lösung! 

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