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Tipps und Tricks für die Organisation des Familienalltags

Ein Vollzeit-Studium, ein Nebenjob, eine Ehe, ein Kind, noch eins im Bauch und ein bisschen Engagement – oft werde ich gefragt, wie ich das alles eigentlich unter einen Hut bekomme. Die Antwort ist eigentlich recht simpel (nicht alleine, nicht immer und nur mit viel Organisation), doch auch hier läuft natürlich nicht immer alles rund und leicht ist es sowieso nicht. Nicht alle Ansprüche werden immer erfüllt, nicht jeder Wunsch nach Aktivität kann umgesetzt werden. Aber das ist gut so, um Energie zu behalten und einfach die Momente für sich genießen und dabei den Kopf ausschalten zu können. Ich möchte euch heute die Tools und Planungstricks verraten, mit denen wir unseren Alltag so stressfrei und achtsam wie möglich über die Bühne bekommen.

1) Ziele und Aufgaben besprechen und festhalten
  • Aufgaben visualisieren und verteilen
  • Mental Load nicht vergessen!
  • Regelmäßig zusammensetzen und Rückschau halten: Klappt es so?

Wie in so ziemlich jeder Art von Gruppenkonstellation ist Kommunikation das A und O. Zu wenig oder falsch zu kommunizieren kann bei uns allen Frustration hervorrufen, weshalb in einer Partnerschaft oder Familie über Aufgabenverteilungen und gemeinsame Ziele viel gesprochen werden sollte. Patricia Cammarata hat vor Kurzem einen guten Artikel zum sogenannten “Mental Load” veröffentlicht, als Mental Load in der Familie gelten alle Aufgaben, die im Kopf erledigt werden müssen, aber nur selten sichtbar sind. Diese Aufgaben bleiben oft an einer Person “hängen”, auch wenn man sich ansonsten im Alltag als gleichberechtigt ansieht.

Es lohnt sich sehr, die Haushalts- und Familienaufgaben zu visualisieren, sie zu besprechen und zu verteilen, ein paar Anregungen dazu gibt es auch im oben verlinkten Artikel. Wenn man Gleichberechtigung anstrebt und Frustration vorbeugen möchte, sollte man dann zusehen, dass die Aufgaben der oder des einzelnen ungefähr gleich viel Zeit in Anspruch nehmen. Keine Panik: So etwas geschieht nicht von heute auf morgen und auch Feminist*innen beherrschen das nicht perfekt (aus eigener Erfahrung). Als Beispiel: Wir haben früher abwechselnd geputzt, ganz klassisch wie in einer WG, so wie wir uns Gleichberechtigung vorgestellt haben: Das Bad wurde wöchentlich abwechselnd geputzt, wer gekocht hat, musste nicht abwaschen usw. Doch da war noch ein großer, unsichtbarer und undefinierter Berg an Aufgaben, der nicht verteilt war. Mittlerweile übernehme ich einen großen Anteil der Aufgaben, die zum sogenannten Mental Load gehören (wie die Größe der Kleidung für E. checken und gegebenenfalls für neue Kleidung sorgen, einen Essensplan für die Woche und den dazugehörigen Einkaufszettel schreiben und ähnliche Dinge), dafür putze ich beispielsweise wesentlich seltener das Bad als mein Mann und hole auch wesentlich seltener unser Gemüse ab.

2) Die richtige Organisationsstruktur für Termine und Aufgaben finden
  • Gemeinsame Kalender anlegen: Online oder offline
  • Zu einer festgelegten Tageszeit über anstehende Aufgaben/Termine sprechen
  • Individuelle Kalender pflegen: Zum Beispiel per Bullet Journal oder Achtsamkeitskalender
  • Apps zur gemeinsamen Organisation von Einkaufszetteln oder Finanzen ausprobieren

In einer Familie gibt es viele Termine. Kinder müssen zu Vorsorgeuntersuchungen, das Auto zum Reifenwechsel, eine*r hat eine wichtige Präsentation in der Uni, die eventuell mit der Kita-Abholzeit kollidiert und gelegentlich soll es ja tatsächlich so etwas wie Zeit für Freund*innen geben. Diese Termine müssen gut koordiniert werden, damit sich nichts überraschend doppelt und nachher Frust einsetzt, wenn jemand eine Verabredung wieder absagen oder nach der Arbeit zum Kinderarzt hetzen muss.

Es ist am Anfang gar nicht so leicht, die richtige Organisationsstruktur für ein Gruppengefüge wie die Familie festzumachen, weil jede*r andere Ansprüche hat. Hier hilft nur: Ausprobieren. Wir haben es beispielsweise mal mit einem gemeinsamen Online-Kalender versucht, was schließlich daran scheiterte, dass ich mein Smartphone eine Weile nicht sehen konnte und vorübergehend auf ein Retro-Handy umgestiegen bin. Andere wiederum schwören auf Online-Kalender, weil dann sämtliche Termine von überall aus eingesehen werden können. Für uns hat sich eine Kombination aus Whiteboard, Wochenplan und Bullet Journal als optimal herausgestellt.

Unbezahlte Werbung (Markensichtbarkeit)

Das Whiteboard lässt sich für jeden Monat neu beschreiben und bietet so eine Übersicht, auf die wir jeden Morgen beim Frühstück blicken und noch einmal über den konkreten Tag und die Woche sprechen. Dadurch, dass immer der aktuelle und der Folgemonat verzeichnet sind, kommt es selten zu Terminüberschneidungen, seien es Referate oder Besuche der Familien. Jeder Tag bietet genug Platz für mehrere Eintragungen – und was mir persönlich sehr gefällt: Wenn voll ist, ist voll. Die Spalte wird nicht länger, es lässt sich auch nichts parallel eintragen. So wie im tatsächlichen Leben eben auch nicht und dann kann für diesen Tag eben nicht mehr geplant werden.  Kleiner Trick: In verschiedene Stifte investieren. Wir nutzen vier Farben für die Eintragungen: blau für David, rot für mich, grün für die Kinder und schwarz für Termine, die uns alle betreffen. So werden auch schnell Wochen deutlich, in denen eine*r terminlich stärker belastet ist und vielleicht in anderen Bereichen mehr Pausen benötigt.

Meditatives Bullet-Journal-Schreiben

Ich nutze zudem ein Bullet Journal, einen ganz analogen Papierkalender quasi, den man selber gestaltet. Dies passt gut, da ich ja gerne einen Großteil der Planungsaufgaben erledige und mir so für dieses Jahr beispielsweise bereits ToDo-Listen für Weihnachtsgeschenke oder einzelne Geburtstage einrichten konnte. Ich sortiere dank des Bullet Journals mittlerweile meine Aufgaben nach zwei zeitlichen Kategorien: 1) Muss an einem bestimmten Tag erledigt werden und 2) Muss innerhalb dieser Woche erledigt werden. Alles, was innerhalb weniger Minuten erledigt werden kann oder sehr dringend ist, wird auf einen Tag festgelegt.

Viele andere Kalender waren aufgrund ihrer Struktur nicht für mich geeignet, ich mag keine überflüssigen Seiten, die ich dann doch nicht nutze und benötige dafür viel Platz für Notizen, Listen und Markierungen. Wer keinen eigenen Kalender gestalten möchte (obwohl das für Ungeduldsbolzen wie mich eine tolle Achtsamkeitsübung ist), ist sicherlich beispielsweise mit dem Ein guter Plan Familie Kalender gut bedient.

Im digitalen Zeitalter gibt es zudem ein großes Angebot an Apps, die die Organisation erleichtern können. Wir nutzen beispielsweise die App Flatastic (unbezahlte Werbung) und bekommen übrigens kein Geld dafür, dass ich das hier schreibe), um Einkaufslisten zu beginnen. Beide können parallel Eintragungen machen und diese dann abhaken, sofern sie gekauft sind. Dies ist besonders praktisch für Dinge, die nicht jedes Mal gekauft werden und sonst in Vergessenheit geraten – wie Spülmaschinensalz, Müllbeutel oder Bananen für den Kindergarten. Die App bietet auch einen gemeinsamen Putzplan an, den wir allerdings nicht nutzen und auch Finanzen können gemeinsam verwaltet werden. Das ist bei unserem gemeinsamen Konto ebenfalls überflüssig, für andere Familienkonstellationen aber vielleicht ganz hilfreich.

3) Einen Wochenplan als verbindliches Element nutzen
  • Die Standard-Woche wie einen Stundenplan visualieren
  • Zeitfenster feststecken und so gut es geht nutzen
  • Verbindlichkeiten für sich selbst schaffen

Zu Beginn jedes Semesters erstelle ich für uns einen Wochenplan, in den alle fixen Termine eingetragen werden, die jede Woche wieder anstehen, zum Beispiel Uni-Kurse oder unsere Arbeitszeiten – ein gutes Beispiel für Aufgaben des “Mental Load”. Das sieht dann aus wie ein überdimensionaler Stundenplan, mit konkreten Uhrzeiten und pro Tag einer Spalte für den Mann und einer Spalte für mich. Ich versuche dann schon hier, die Kita-Bring- und Abholzeiten zu verteilen, sodass es für jede*n ungefähr gleich viel ist. Wenn eine*r von uns an einem Tag beispielsweise spät Uni hat, wird so bei der Semesterplanung gleich deutlich, dass es bei der anderen Person nicht klappt und wir Alternativen finden müssen.

Auch die Tage ohne feste Uni-Kurse sind in diesem Wochenplan verplant, beispielsweise für Bibliotheks-Zeiträume. Diese selbst gestellten Verbindlichkeiten helfen dabei, sich dann auch wirklich an den Schreibtisch zu setzen und die Aufgaben zu erledigen.

4) “Mal ein Auge zudrücken” und Aufgaben abgeben
  • Eigene Aufgaben priorisieren
  • Nicht-Wichtiges abgeben oder ganz streichen
  • Scheuklappen aufsetzen: Es muss nicht perfekt oder wie bei anderen sein!

Nach etlichen Jahren mit vielen Projekten sind einige Methoden des Projektmanagements so automatisch ins Denken übergegangen, dass es für mich selber manchmal erschreckend ist. Bei allen Aufgaben, die anstehen, wende ich Priorisierungen an – so kann man leicht erkennen, was zuerst erledigt werden muss. Die Eisenhower-Methode hilft dabei beispielsweise, hier trägt man die Aufgaben in ein Raster ein und sortiert sie danach, wie wichtig und dringend sie sind. Aufgaben, die unwichtig und auch nicht dringend sind, können dann gerne in stressigen Wochen auch mal vernachlässigt werden.

Aufgaben priorisieren

Nicht alles muss man zudem selbst erledigen, ich schaue gerne, welche Aufgaben ich abgeben kann. Man muss zum Beispiel nicht immer alles selbst einkaufen und selbst planen, wir holen einmal die Woche vorsortiertes Gemüse aus unserer Lieferung ab und sehen, was wir damit kochen können – so sparen wir uns einerseits Planung, andererseits auch die Zeit im Supermarkt, um die passenden Tomaten auszuwählen. Wenn es ganz stressig ist, nutze ich zudem gerne einen Öko-Lieferservice, der einen mit den wichtigsten Dingen versorgen kann.

In anderen Bereichen schaue ich gerne, ob etwas überhaupt gemacht werden muss. Wir sparen jetzt auf einen Trockner, wenn das zweite Kind kommt und sparen die Zeit, die winzigen Socken und Bodys auf den Wäscheständer zu hängen. Gebügelt wird bei uns sowieso nur an den Tagen, an denen jemand ein wirklich knitterfreies Hemd oder eine Bluse braucht, diese Zeit spare ich auch gerne.

Sandra und Katarina vom Podcast Work is not a Kinderspiel haben gerade eine Folge online, in der sie weitere Tricks und Gadgets verraten, die ihnen im Alltag Zeit und Nerven ersparen, hört doch mal rein!

5) In der Ruhe liegt die Kraft

Und mein letzter Tipp?

Ruhepausen einlegen.

Tim Bendzko sang so schön “Ich bin doch keine Maschine” und meistens ist es tatsächlich so simpel wie dieser Vergleich. Wir haben keinen Endlos-Akku, der uns immer weiter trägt, wir müssen selbst dafür sorgen, dass dieser Akku wieder aufgefüllt wird. Ob nun mit Sonnenenergie, wenn wir uns im Sommer eine halbe Stunde mit dem Kaffee in den Garten setzen oder mit Wasserkraft, wenn man sich ein Mal die Woche ein Schaumbad oder einen Wellnessabend gönnt. Nur ein entspannter Kopf kann organisieren – von daher euch allen nun einen ruhigen, sortierten Abend!

 

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1 Kommentare

  1. Hallo, eine tolle Übersicht, was man so für ein gutes Zeitmanagement braucht.
    Das Bullet Journal habe ich auch vor Kurzem für mich entdeckt. Das Tool ist so schön flexibel und das Schreiben/Malen/Gestalten hat auch was für sich.

    Und danke für den Hinweis mit den Pausen. Das wird beim ganzen Optimieren und Perfektionieren oft vergessen. Schließlich sollte man sich für seine (kleinen) Erfolge auch mal feiern!

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