Baby, Kiel, Nützliches
Kommentare 1

Umzug mit Baby – einmal Chaos, bitte!

Mit dem Baby umzuziehen war letzte Woche eine ganz neue Erfahrung für uns. Eigentlich könnte man meinen, wir wären im Umziehen sehr geübt – David und ich haben bisher in vier Jahren Bachelorstudium jeweils in 5-6 Wohnungen gewohnt, die neue jetzt ist die zweite gemeinsame. Früher war die Routine stets gleich: Ein paar Kartons, ein paar Sporttaschen, ein ausgeräumter VW-Bus und schon konnte es losgehen.

Aber ist Umziehen mit Baby wirklich so anders als ohne?
Die Antwort ist einfach: Ja.
Warum?

Weil man sehr viel mehr bedenken muss. 

Die Wohnungssuche
Natürlich kann man mit einem Baby rein theoretisch in nahezu jeder einigermaßen vernünftigen Wohnung wohnen – sofern nicht auch Schimmel und seine Freund*innen in der Wohnung wohnen.

Wir waren uns vor der Wohnungssuche einig, dass wir in der neuen Wohnung wahrscheinlich drei Jahre wohnen werden, wir wollten uns also wirklich wohl fühlen und endlich Platz zum Spielen, Toben und zum vernünftigen Lernen haben.
Das war auf zwei Zimmern und 50 Quadratmetern vorher einfach nicht möglich – es mussten diesmal also drei Zimmer her.

Vorher hatte E. eine Kommode, jetzt ein ganzes Zimmer

Ein weiterer wichtiger Aspekt war für uns die Lage. Wir wollten eine Wohnung in einem familienfreundlichen Umfeld finden, wo es fußläufig Kitas, Einkaufsmöglichkeiten und Grünflächen gibt. Unsere letzte Wohnung lag in der Nähe der Methadonausgabe und da war es manchmal schon weniger schön, mit dem Baby spazieren zu gehen.

Wir haben jetzt ein Viertel gefunden, in dem sehr viele Kinder wohnen – man kann sich kaum retten vor Kinderwagen und Laufrädern. So kommt es allerdings auch, dass man sich manchmal etwas außerirdisch vorkommt: Für die Autos und Mietpreise sind wir eigentlich noch zu studentisch, für Student*innen wohnen wir verdammt spießig. Aber die Wohnung ist schön und groß, es gibt eine Garage und einen Fahrstuhl (ein oft operiertes Knie sagt Danke) und mit unseren Stipendien ist es zum Glück auch noch einigermaßen bezahlbar.

Das Packen

Ein LKW braucht etwas mehr Platz

Erschrocken haben wir beim Packen festgestellt, dass sich nach fast einem Jahr mit Baby der Hausstand gefühlt mindestens verdreifacht hat. Hinzugekommen sind Kisten mit Umstandsmode, Stillmode, Babykleidung, Spielzeug, Zubehör für Babynahrung wie Plastiklöffel oder Mini-Tassen, Wickelzubehör und und und. Von den Möbeln ganz zu schweigen!

Statt eines VW-Busses musste also dieses Mal ein ganzer LKW angemietet werden, der auch bis oben hin voll wurde. Wir hatten zum Glück großartige Unterstützung von vielen Freund*innen, dieser LKW musste ja be- und entladen werden.

Aber auch das Packen selbst ist mit Baby nicht so leicht, vor allem, wenn man in so einer kleinen Wohnung wie wir gewohnt hat. Es gab keinen Raum, in dem E. ruhig schlafen konnte, während wir eingepackt haben. So hat sie zum Schluss im Reisebettchen im Flur geschlafen, damit wir unsere Möbel von A nach B schieben und auseinanderbauen konnten.
Sowohl beim Ein- als auch beim Auspacken war dann eigentlich immer jemand mit E. draußen, mal die Oma, mal die Tante, mal eine*r von uns. Für sie wäre es ansonsten langweilig und für uns doppelt anstrengend gewesen. Mit halber Kraft benötigt man allerdings auch wesentlich mehr Zeit für alles.

Das Unkalkulierbare 
Dass man selber nach so viel Umzugsarbeit sehr müde ist, ist man nach einigen Malen wirklich gewohnt. Man weiß, dass man viel tun muss, lange wach ist, schwere Sachen trägt und sich mit dem neuen Zuhause auch mental auseinandersetzen muss. Der Vorteil von uns Erwachsenen dabei ist: Wir wissen, was passiert und wissen, dass es irgendwann vorübergeht. Wir können uns austauschen und finden Verbündete.

Ein Baby kann das noch nicht. Wir merken gerade an E. ganz deutlich, welche Herausforderung es für einen so kleinen Menschen ist, sich an ein neues Zuhause zu gewöhnen. Sie hat sicher auch gemerkt, wie gestresst wir in den vergangenen Wochen waren und war schon beim Einpacken in der alten Wohnung verwirrt (und sauer, weil sie dann nicht mehr krabbeln konnte).
Sie war zwar vor dem Umzug schon mehrfach mit uns in der neuen Wohnung und hat sich gleich am ersten Tag wahnsinnig über eine so große Krabbelstrecke gefreut, doch das permanente Hiersein hat sie dann doch ganz schön überfordert. Manchmal guckt sie Möbel ganz ungläubig an, als würde sie sich fragen, warum das plötzlich alles anders aussieht.

Zum Glück habe ich im Stillcafé von einem Homöopathen mal einen Kügelchen-Tipp bekommen, diese helfen uns momentan ganz gut und E. scheint die neue Situation damit besser annehmen zu können. Trotzdem ist sie natürlich noch sehr aufgeregt, hat einen ganz anderen Schlaf- und Essensrhythmus und muss viel kuscheln, spielen und gestillt werden.

Das Stadt-Entdecken
Noch sind zwar nicht alle Kisten ausgepackt, alle Regale eingeräumt und alle schweren Dinge an der Wand verschraubt, doch das ist kein Grund, bei dem schönen Wetter den ganzen Tag in der Wohnung zu verbringen.
Das Schöne am Umziehen mit Kind ist, dass man dadurch eine neue Stadt ganz anders entdeckt. In Potsdam selbst kennen wir kaum jemanden, wir gehen also schon ganz anders auf andere Leute zu, weil wir natürlich schnell Bekannte mit Baby kennenlernen möchten. Also erkunden wir die Grünflächen, besuchen kleine Läden in der Innenstadt, erkundigen uns nach familienfreundlichen Cafés und checken momentan schon einmal das Babyschwimmen-Angebot. Ich kann mich nicht erinnern, bei meinen letzten Umzügen in eine neue Gegend so viel herausgefunden zu haben.

Vorher war der Wohnort nämlich zumindest bei mir nahezu austauschbar – mein Engagement fand nicht am Studienort statt, David und ich hatten eine Fernbeziehung und waren so noch mehr unterwegs und coole Kneipen und Kinos gibt es wohl in nahezu jeder Stadt mit vielen Studierenden. Nichts davon war wirklich an Kiel gebunden. Im letzten Jahr habe ich in Kiel so viel Angebot genutzt und Zeit verbracht wie sonst nie. Vielleicht fiel gerade deshalb der Abschied aus Kiel schwer, aber genau dadurch wird das Ankommen in der neuen Stadt leichter.

1 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.