Schwangerschaft
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Wann man sich um die Betreuung durch eine Hebamme kümmern sollte

Triggerwarnung: Enthält einen Absatz zu frühen Fehlgeburten

Der Beginn einer Schwangerschaft ist immer aufregend – egal ob “geplant” oder nicht, dass tatsächlich Leben im eigenen Bauch heranwächst, ist immer eine Überraschung, die kaum zu glauben ist. Zu dieser Zeit hat man viele verschiedene Gedanken im Kopf und versucht, sich vorzustellen, wie die kommenden neun Monate und die nächsten 18 Jahre sein werden. Was dabei häufig erst einmal vertagt wird, ist der Gedanke an die Geburt und an die ToDo-Listen, die sich jetzt ergeben. Wenn du gerade schwanger bist oder eine Schwangerschaft planst, dann möchte ich dich heute an ein ToDo erinnern: Die Hebammen-Suche.

Nicht erst seit der Aktion #aufdentischhauenfürhebammen ist öffentlich klar, dass sich aktuelle Geburtenraten nur schwer mit den Kapazitäten und Arbeitsbedingungen der Hebammen in Deutschland vereinbaren lassen. Als ich vor drei Jahren mit E. schwanger war, habe ich die ersten drei Monate abgewartet und mich dann auf die Suche nach einer Hebamme gemacht, ohne genau zu wissen, was Hebammen eigentlich alles bieten können. Es war mehr aus dem Allgemeinwissen heraus, dass man ja irgenwie eine Hebamme braucht und die dann nach der Geburt nach Hause kommt und nach Kind und Mutter schaut. Schon im vierten Monat war es schwer, noch eine Hebamme zu finden. Es war letztendlich eher Zufall oder Fügung des Schicksals, dass die gleiche Hebamme, die unseren Geburtsvorbereitungskurs gemacht hat, auch bei der Geburt dabei war und nach Absage der Wochenbetthebamme kurz vor der Geburt auch die Nachsorge übernahm.

Nun bin ich wieder schwanger und habe aus diesem Zufall viel mitgenommen. Schon vor oder zu Beginn der Schwangerschaft sollte man sich Gedanken machen: Was möchte ich? Wofür brauche ich eine Hebamme? Wie wichtig ist es mir, dass beispielsweise Vor- und Nachsorge von der gleichen Hebamme übernommen werden? Kann die gleiche Hebamme eventuell auch bei der Geburt anwesend sein, im Geburtshaus oder als Beleghebamme im Krankenhaus?
Zugegeben: Es ist schwierig, das alles zu Beginn einer (ersten) Schwangerschaft zu wissen. Man weiß noch nicht, was auf einen zukommt, man kann kaum wissen, was man möchte. Da hilft aber nur eins: Bauchgefühl. Tausche dich mit anderen aus, lass’ dir von Geburten erzählen und was die Frauen als positiv oder negativ wahrgenommen haben. Suche im Internet nach Hebammen oder frage im Bekanntenkreis nach Empfehlungen. Wenn du magst, suche nach Geburtsberichten. Nur, wenn man von verschiedenen Optionen hört, kann man Teile davon für sich annehmen oder ablehnen.

Jetzt zur Klärung der wichtigen Frage: Wann muss ich mich um eine Hebamme kümmern?
Die Antwort: So früh wie möglich. Sobald du weißt, dass du schwanger bist, kannst du dich um eine Hebamme kümmern und schon Kennenlerntermine vereinbaren – du musst keine bestimmte Frist abwarten. Einige Hebammen werden sicherlich fragen, ob du schon eine Bestätigung durch einen Arzt oder eine Ärztin hast, aber nicht alle.
Durch die große Unsicherheit zu Beginn einer Schwangerschaft ist man dazu geneigt, abzuwarten, bis die Schwangerschaft “sicher” ist, bis die ersten drei Monate um sind. Es gibt allerdings drei gute Gründe, warum du nicht warten solltest:

Erstens: Je früher du dich kümmerst, desto größer ist deine Wahlfreiheit. Ich habe mich dieses Mal in der fünften oder sechsten Schwangerschaftswoche um eine Hebamme gekümmert. Schon da kam es vor, dass auf Websiten stand, dass sie bis zum Geburtsmonat “ausgebucht” sind. Ich hatte aber Glück, meine Wunschhebamme hatte noch Kapazitäten. So konnte ich eine Hebamme finden, die sowohl Vor- und Nachsorge, als auch Geburtsbegleitung macht. Gerade wenn dir wichtig ist, eine Ansprechpartnerin für die gesamte Zeit zu haben, lohnt sich der frühe Kontakt.

Zweitens: Je früher du deine Hebamme(n) kennst, umso länger könnt ihr euch gemeinsam vorbereiten. Hast du vielleicht einen Geburtsvorbereitungskurs bei der gleichen Hebamme wie für die Nachsorge bekommen können, ist die Kennenlernzeit natürlich länger, als wenn ihr euch nach der Geburt erst richtig seht. Übernimmt deine Hebamme die Vorsorge und wird dich auch bei der Geburt begleiten, hast du bei dieser eine weitere Person an deiner Seite, die du schon mindestens ein paar Monate kennst und die vor allem dich und deine individuelle Vorgeschichte kennt.

Drittens – und das ist leider ein nicht so schöner, aber wichtiger Grund: Nicht jede Schwangerschaft verläuft wie geplant, aber das ist immer noch ein großes Tabuthema. Ungefähr jede fünfte Schwangerschaft endet vor der 20. Woche. Ich möchte damit hier ausdrücklich keine Angst machen, sondern nur darauf hinweisen, dass es für die Frau einen großen Mehrwert haben kann, auch in dieser Zeit durch eine Hebamme begleitet zu werden. Sie haben hier noch andere Erfahrungen als Ärzt*innen, können die Frauen begleiten und ihnen zur Seite stehen, sie emotional unterstützen. Es ist häufig allerdings nicht bekannt, dass Frauen auch bei dieser Art von Geburt durch eine Hebamme unterstützt werden können.

Es kann also auf keinen Fall schaden, sich schon bald nach dem positiven Schwangerschaftstest oder der Bestätigung durch den Arzt oder die Ärztin auf die Suche nach einer Hebamme zu machen. Kennenlerntermine können dich in deiner Wahl bestätigen oder sie hinterfragen und du kannst dich anschließend entspannter auf die kommenden Monate und die Geburt vorbereiten.

 

 

 

 

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