Kleinkind & Familienleben
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Was ich meinen Kindern zum Internationalen Frauentag wünsche

Schokoladenkuchen mit Venussymbol

Am 08. März ist internationaler Frauentag. Ein Tag, der für Gleichberechtigung und Emanzipation steht. Für meine Tochter und meinen Sohn habe ich daher heute viele Wünsche, die ich gerne teilen möchte.

Internationaler Frauentag: Was bedeutet das?

Den internationalen Frauentag gibt es im Grunde schon seit über 100 Jahren, mittlerweile hat sich der 8. März als Datum festgesetzt. Dass es ihn bereits seit über 100 Jahren gibt, ist einerseits toll und andererseits frustrierend. Denn wie oben schon erwähnt, geht es um Gleichberechtigung und Emanzipation – und davon sind wir leider immer noch weit entfernt, solange Themen wie Gender Pay Gap oder das Verneinen der körperlichen Selbstbestimmung der Frau nicht Geschichte sind. Noch immer gibt es starke Unterschiede in den Karrieremöglichkeiten oder in der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Wie oft mein Mann nach der Geburt unserer Kinder gefragt wurde, “wo denn das Kind nun sei”, während er auf der Arbeit oder in der Uni ist, könnt ihr euch sicherlich denken. Wie oft ihm ein “Krass, dass du jetzt wieder/noch arbeitest oder weiter studierst” entgegengebracht wurde? Könnt ihr euch wahrscheinlich auch denken. Weil es für mich manchmal sehr ermüdend ist, diese und weitere Fragen zu beantworten und weil es so viel Kraft kostet, Gleichberechtigung trotz aller Barrieren zu leben, habe ich meine Wünsche für unsere Kinder zum heutigen Tag (der übrigens in Berlin in diesem Jahr sogar ein Feiertag ist) aufgeschrieben.

Was ich meiner Tochter und meinem Sohn zum Frauentag wünsche:

Ich wünsche euch, dass ihr euch losmachen könnt von Aussagen, dass dieses oder jenes “nur für Jungs” oder “nur für Mädchen sei”. Letzte Woche habe ich schon zu Faschingskostümen für Jungs und Mädchen geschrieben, aber auch im Alltag begegnet uns das so oft. Ich wünsche meiner Tochter, dass ihr in Zukunft nicht das Blitz-Tattoo aus der Überraschungskiste bei der Zahnärztin aus der Hand genommen wird, weil sie sicher “eins für Mädchen” wolle. Ich wünsche mir, dass Mädchen nicht mehr als “bossy” oder “zickig” abgestempelt werden, wenn sie sich für ihre Meinung stark machen und ich wünsche mir, dass es nicht mehr negativ konnotiert ist, wenn Jungen als “weich” oder “sanft” bezeichnet werden.

Ich wünsche euch, dass ihr in einem System großwerdet, in dem Jungen und Mädchen in der Schule je nach ihren individuellen Bedarfen gefördert und gefordert werden, in dem ihr nicht miteinander verglichen werdet und in dem man euch ermuntert, den eigenen Weg zu finden. Vielleicht gleichen sich ja im Laufe der Jahre beispielsweise die Zahlen an, wie viel Prozent der eingeschrieben Studierenden Frauen sind und wie viele von ihnen tatsächlich bis zum höchstmöglichen Abschluss gefördert werden oder Jobs mit Perspektive bekommen.

Ich wünsche euch, dass ihr euch wohlfühlt mit dem, wer ihr seid. Dass ihr nicht das Gefühl habt, euch oder eure Körper in bestimmte Normen pressen zu müssen, nur um als “weiblich” oder “männlich” zu gelten. Ich wünsche euch, dass ihr und die Menschen, die ihr später liebt, über eure Körper entscheiden könnt. Dass es später keine Gesetze mehr gibt, die Schwangere bevormunden, dass es eine bessere Hebammenversorgung und keine Benachteiligung in anderen Bereichen der Medizin mehr gibt.

Ich wünsche euch, dass ihr die gleichen Möglichkeiten habt, einen Beruf eurer Wahl zu ergreifen und damit glücklich zu werden – ohne, dass eventuelle Vorbehalte anderer oder sogar von uns euch beeinflussen. Bei gleicher Arbeit sollt ihr gleich verdienen und auch im Alter gut abgesichert sein, selbst wenn ihr zu Gunsten des Familienlebens auf das Leben als workaholic verzichtet. Ihr sollt nicht auf eigenen Verdienst verzichten müssen, nur weil es steuertechnisch mehr Sinn macht, wenn euer Partner oder eure Partnerin eine andere Steuerklasse wählt. Ich wünsche meiner Tochter, dass es langfristig keine sogenannte tampontax mehr gibt.

Ich wünsche meiner Tochter, dass ihr in zwanzig Jahren niemand mehr erzählt, es läge ja an ihr, für Gleichberechtigung zu kämpfen.

Was wir tun können:

Ich hoffe, dass wir euch zeigen können, wie ihr gegenseitig als Bruder und Schwester für euch einsteht, euch gegenseitig stark macht und dass ihr wisst, dass wir euch genauso schätzen, wie ihr seid.

Auf einige unserer Wünsche haben wir Einfluss, auf andere nicht. Es ist eine schwierige Vorstellung, diese beiden wunderbaren Kinder zu sehen und zu wissen, in welche noch immer bestehenden Unterschiede sie geboren wurden. Ich hoffe, dass wir mit gutem Beispiel vorangehen können, indem wir offen über Missstände sprechen und versuchen, zumindest hier alles so gleichberechtigt wie möglich zu gestalten – je nach Alter und unserer Situation. Aktuell bedeutet das beispielsweise, dass wir eine Auswahl an Spielzeug jeglicher Art unterbreiten, dass wir Klamotten kaufen, die passen und praktisch sind statt niedlich und tailliert, dass wir Politik kindgerecht herunterbrechen und beispielsweise Situationen im Fernsehen oder im Alltag kommentieren. Es bedeutet, dass wir uns Arbeit teilen und verschiedene Lebensentwürfe zeigen. Und vor allem bedeutet es: Immer und immer wieder reflektieren und uns von all den Stimmen im Kopf lösen, die wir im Laufe unseres Lebens zu diesen Themen gehört haben. Es bedeutet, die Schleife am Pullover zu lassen, den der Babysohn von der großen Schwester geerbt hat.

Ich wünsche uns, dass das genügt und ich wünsche euch, dass ihr genug davon verinnerlicht habt, um genau so zu werden, wie ihr sein möchtet. Wir sprechen uns dazu in einem Jahr wieder.

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