Kleinkind & Familienleben
Schreibe einen Kommentar

Weihnachten mit Kleinkind – zwischen Traditionsfindung und Stressvermeidung

Als junge Familie versucht man das ganze Jahr über, bisherige Traditionen zu hinterfragen und eigene Traditionen zu etablieren. Dazu gehören für uns zum Beispiel der internetfreie Sonntag, der “Quartalsburger” oder regelmäßiges Frühstück im Café. 
Wir feiern beide Weihnachten und somit steht aktuell auch wieder die Frage an, wie wir die Feiertage verbringen werden und wie wir mit Essen und Geschenken verfahren.

Unseren Weihnachtsbaum bauen wir selbst aus Resten des Blumenladens zusammen. So muss kein Baum für eine Woche in unserem Wohnzimmer gefällt werden. Die Deko wird bunt angesammelt. Es ist günstiger (12€ insgesamt) und für uns auch wieder ein schöner gemeinsamer Moment. 
Letztes Jahr haben wir Heiligabend erstmals zu dritt verbracht. E. war gerade drei Monate alt und hat noch nicht sonderlich aktiv am Fest teilgenommen, während wir den ganzen Tag mit Wohnungsputz und Essensvorbereitung zugebracht haben. Es war ein wunderschöner Abend, wir saßen nach dem Essen alle auf einer Bettdecke unter dem selbstgebauten Weihnachtsbaum und haben Geschenke ausgepackt, Schokolade gegessen, gestillt und uns unterhalten. Erst am 1. Weihnachtsfeiertag sind wir dann zu der Familie aufgebrochen.
Dieses Jahr ist E. schon wesentlich mobiler, sie packt seit drei Wochen fleißig jeden Tag den Adventskalender von Oma aus und sagt neuerdings “Kerze” und zeigt auf den Adventskranz. Sie wird Heiligabend also diesmal registrieren.
Man könnte sich jetzt also im Vorfeld viel Stress machen und nach dem perfekten Geschenk für sie suchen, bei dem sie schon beim Auspacken unter dem Weihnachtsbaum vor Freude halb umfällt. An ihrem ersten Geburtstag hat sie sich auch merklich über ihr Geschenk gefreut und das Grinsen kaum aus dem Gesicht bekommen. Aber an Heiligabend gibt es so viele andere spannende Dinge in der Wohnung (Tannenbaum, Lichter, Kugeln, Geschenkpapier), dass wir uns dagegen entschieden haben, ein großartiges Spielzeug zu verpacken, das sie dann in die völlige Reizüberflutung leitet.
Das heißt nicht, dass wir ihr nicht etwas schenken, was sie begeistert. Das haben wir genau genommen sogar schon getan, denn E. durfte ihr Weihnachtsgeschenk bereits am letzten Wochenende entdecken. Im Nachhinein war das recht schlau, weil wir bereits am 1. Weihnachtsfeiertag zur großen Familientournee aufbrechen und sie so gerade mal wenige Stunden mit ihrem Geschenk gehabt hätte, bevor wir weg sind.
An Heiligabend wird sie noch etwas zum Auspacken bekommen, ein kleines Spielzeug, aber der Druck des “perfekten Weihnachtsgeschenkes” unterm Tannenbaum ist weg.
Genau dieser Druck gibt uns gerade viel zu denken. Weihnachten, das Fest der Liebe, Besinnlichkeit und gegenseitiger Hilfe ist so anstrengend. Warum ist das eigentlich so? Warum geht es hauptsächlich um Geschenke, wie viel sie kosten, wen man auf der Liste vergessen haben könnte und wie man in möglichst kurzer Zeit alle Menschen trifft?
Wir überlegen, nächstes Jahr über Weihnachten einfach wegzufahren. Kein Geld für Geschenke auszugeben, höchstens Selbstgemachtes zu verschenken und uns gegenseitig und der Familie das größte Geschenk überhaupt zu machen: Zeit miteinander. 
Wir wollen kein Internet, keine Altpapierberge von Geschenkpapier mit kurzer Lebensdauer, keinen Stress und keinen Konsumwahn.
Viel wichtiger ist es uns an und um Weihnachten stattdessen, mit den Menschen, die wir lieben, zusammen zu sein und gemeinsam zu essen. Es geht doch vielmehr um Besinnlichkeit, um Entschleunigung, quasi die unplugged version des Alltags. In der das Telefon selten klingelt und wenn auch nur, weil auch wirklich jemand etwas zu sagen hat. 
Da es an Weihnachten auch um die Hilfe gegenüber Fremden und die Gemeinschaftlichkeit geht, haben wir auch wieder einen Teil unseres Geldes zugunsten verschiedener guter Zwecke gespendet und beispielsweise mit unseren Weihnachtskarten die SOS Kinderdörfer unterstützt. Wir können uns nicht darauf ausruhen, dass wir uns gegenseitig Geschenke kaufen und in Frieden feiern können – wir müssen auch diejenigen unterstützen, die es gerade nicht können. Das geht auch mit Student*innenbudget, irgendwas geht immer. What goes around, comes around.
Gibt es denn nun noch neunmalkluge Tipps, die bei der Vermeidung von Stress helfen können? Ja, die gibt es. 
  • Wünsche aufschreiben: Statt Playstation, Pony & co. einfach mal aufschreiben, was man sich eigentlich für, nicht zu dem Weihnachtsfest wünscht. Ist ein gebratener Vogel wichtig? Oder tun es auch Nudeln mit Pesto? Wenn ja, für wen den Stress machen. Wenn der Vogel wichtig ist, kann immer noch etwas anderes von der To-Do-Liste gestrichen werden
  • Geschenkewahn vermeiden: Darauf besinnen, womit man jemandem eine kleine Freude machen kann
  • Nicht stressen lassen: Bei Facebook hat letztens eine Mutter in einer Elterngruppe gefragt, was sie ihrem Kind (unter 1) nur schenken solle, sie sei verzweifelt. Nur weil die Gesellschaft der Meinung ist, Babys bräuchten großartige Geschenke, stimmt das noch lange nicht. Große Geschenke können kommen, wenn sie einem einfallen. Ein Kleinkind freut sich meistens einfach über die Stimmung und das Auspacken – Wünsche sind noch nicht so ein Thema
  • Ruhepausen suchen: Warum nicht gemütlich Kekse backen, das Handy ausstellen und die Kekse dann verschenken? 
  • Offline gehen: Die zwanzigste Nachricht weit entfernter Bekannter, in der ein Elch tanzt und pupst? Einfach stummschalten oder die App abwählen. Wer eine Botschaft hat, kann immer noch anrufen
  • Den Tag planen: Damit man nicht um 20 Uhr feststellt, dass der Nachtisch noch für zwei Stunden in den Kühlschrank muss, am besten schon vorher den Tag planen. So sieht man genau, wann Zeit für Spaziergänge, einen Film o.ä. ist
Ich wünsche euch allen ein schönes Weihnachtsfest. Danke, dass ihr in diesem Jahr den Weg auf meinen Blog gefunden und ihn mittlerweile mehr als 23.000 Mal angeklickt habt. Danke für das Feedback und die Anregungen. Danke an den weltbesten Lektor! 
Lasst uns alle in den kommenden Tagen nicht vergessen, worum es an Weihnachten geht: Dass es manchmal eine unfassbar strahlende Geschichte werden kann, wenn man Fremden in Not die Tür öffnet und ihnen ein Dach über dem Kopf gibt. Und dass die Kinder, die in diesen Häusern geboren werden, die Chance haben, ganz groß rauszukommen – egal welcher Religion sie sind, auch wenn sie sich gar keiner zugehörig fühlen. 
Wer mit Hass gegenüber Fremden erfüllt ist, kann nicht ernsthaft Weihnachten feiern. Weihnachten ist das Fest der (Nächsten)liebe. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.