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Weihnachtsvorbereitung: Ruhe finden zwischen Wochenbett und Schub

Diese Woche ist tatsächlich die letzte Woche meines Wochenbettes, die achte Woche nach der Geburt. Am Tag vor Heiligabend endet auch mein Mutterschutz auf der Arbeit und theoretisch auch im Studium, auch wenn ich schon seit zwei Wochen wieder Kurse besuche. Nicht nur das Wochenbett, auch die Vorweihnachtszeit ging viel zu schnell vorbei – ich habe gerade erst die halbe Weihnachtsdeko ausgepackt und diese Woche war die erste nach der Geburt, in der ich genügend Essen für die Tage im Tiefkühler vorbereitet hatte. Zwei, drei Wochen mehr würden mir gerade nicht schaden.

Der Babysohn kommt momentan in seinen zweiten Schub und fordert mehr unserer Zeit und Kraft ein, als ich auf Anhieb finden kann und ich habe nicht das Gefühl, die Wohnung häufig verlassen zu können. Es mischen sich Emotionalität und Schlafmangel, regelmäßig ist die Nacht um 4:30 Uhr vorbei. Tipps für koffeinfreien Kaffee, der als Placebo wirkt, nehme ich gerne entgegen, denn die zwei Tassen am Tag, die ich schon überschreite, reichen nicht mehr. Das letzte, wonach ich mich gerade sehne, ist Stress – und das, wo die Feiertage vor der Tür stehen, Gespräche mit dem Weihnachtsmann geführt und die ersten Referate angefertigt werden müssen, andauernd jemand krank wird und die erste Bahnfahrt mit zwei Kindern durch die halbe Republik anstehen. Also, vorausgesetzt der Zug fährt dann auch tatsächlich.

Daher ist es wahnsinnig wichtig, sich selber nicht komplett verrückt zu machen und mit immer mehr Aufgaben und Ansprüchen zu überhäufen. Ich glaube Resilienz ist manchmal das Wort, das das Studium und Arbeiten mit Kind am besten beschreibt bzw. hier als Kernkompetenz stark gebraucht wird. In schwierigen Situationen die Schwierigkeiten nicht an das Innerste des Selbst herankommen zu lassen. Bei der Liste an bevorstehenden Dingen da oben nicht zu verzweifeln und nicht in Panik zu verfallen – sondern zu schauen: Welche Situation ist gerade da? Was davon stresst mich? Und wie kann ich das umgehen?

Stressfaktoren zu vermeiden bedeutet auch, unsere Vorstellungen vorher auf Umsetzbarkeit zu überprüfen und Leitsätze zu formulieren. Ein kleiner Einblick:

  • An Heiligabend gibt es bei uns das traditionelle Festessen, am 1. Weihnachtsfeiertag Restepizza und erst am 2. Weihnachtsfeiertag brechen wir zur Familie auf
  • Ganz getreu dem Motto Zeit statt Zeug: Im Vordergrund steht die Zeit, die wir uns und der Familie schenken. Außer uns gegenseitig und unseren Kindern schenken wir in diesem Jahr nichts
  • Bei den Geschenken für die Kinder gilt: Lieber wenig, dafür hochwertiges und sorgfältig ausgewähltes Spielzeug, bei dem wir uns darauf freuen, es mit den Kindern zu entdecken
  • Die letzten Jahre haben wir einen “Baum” aus Zweigen selbst gebastelt, in diesem Jahr haben wir in einen Holz-Steck-Tannenbaum investiert, der nicht jedes Jahr aufs Neue im Wald geschlagen und im Auto transportiert werden muss, sondern dessen Wege sich ab jetzt zwischen Wohnzimmer und Keller bewegen
  • Wir können es nicht allen Recht machen, daher haben wir schon im November geplant und kommuniziert, wie wir die Zeit zwischen den Tagen bei der Familie aufteilen. Angereist wird in diesem Jahr mit dem Zug, was zwar teurer ist, aber für uns weniger Stress als eine Autofahrt bedeutet

Es nützt nichts, sich ein schlechtes Gewissen zu machen, weil die Wohnung wenig dekoriert ist, wir noch keine Lichterkette für den Holz-Tannenbaum haben und das Kind nur zwei bis drei Weihnachtsbücher mit uns gelesen hat. Ich ärgere mich jetzt nicht, dass ich im Wochenbett weniger für die Uni geschafft habe, als ich wollte. Ich nehme es hin, dass ich die Weihnachtsgeschenke bestellt habe, obwohl ich vorhatte, gemütliche Spaziergänge mit dem Baby in Richtung Spielzeuggeschäft zu machen. Das Jahr, in dem aus uns drei Menschen vier wurden, geht zu Ende und wenn es schon wie im Flug verging, möchte ich die letzten zwei Wochen in jeder Sekunde wahrnehmen und genießen.

Ich habe keinerlei Motivation, die mir bleibende freie Zeit mit dem Hetzen durch viel zu warme Kaufhäuser zu verbringen und Listen abzuhaken mit Geschenken, die die Beschenkten vielleicht gar nicht brauchen oder wollen. Weihnachten ist das Fest der Besinnlichkeit und ich möchte mich beim ersten Weihnachten mit beiden Kindern an Weihnachtsfilme bei Kinderpunsch und Wollsocken auf dem Sofa erinnern – nicht an Geschenke- und Kochstress. Damit helfe ich weder mir, dem Baby im Schub, den Beschenkten oder dem Planeten. Nicht nur aus Gründen der Nachhaltigkeit halten wir uns mit Geschenken schon länger zurück und schenken lieber gemeinsame Zeit als Gedöns.

Statt durch die Kaufhäuser zu laufen backe ich also lieber Kekse mit der Tochter, schaue schokoladeessend mit ihr Kurzfilme über Weihnachten und bastle Kleinigkeiten für die Wohnung. Statt am Heiligmorgen durch die Supermärkte zu hetzen, haben wir das Bio-Fleisch vorbestellt und gehen schon Tage vorher zu einer Uhrzeit einkaufen, zu der die Gänge hoffentlich leer und die Regale noch voll sind. Alle Mahlzeiten für die kommenden sechs Tage sind vorgeplant, sodass wir uns im Supermarkt nur an die Liste halten müssen, um zügig wieder draußen zu sein.

Unsere gemeinsame Zeit ist so viel wertvoller als jede Deko, jedes perfekte Essen oder jedes Geschenk. Stressfrei schaffen wir auch nicht, wir werden nicht all unseren Ansprüchen gerecht. Das hier ist nicht Instagram. Aber wenn wir uns auf das Wesentliche konzentrieren, wird es schon ziemlich schön.





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