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Wenn Schnittblumen wichtiger sind als Babynahrung und “Damenhygiene”

Heute morgen stieß ich im Internet auf ein Video von ZEIT ONLINE, in welchem die Steuer auf “Damenhygieneartikel” (schreckliches Wort, klingt nach parfümiertem Badezimmer, ausschließlich 65+, zuzweitaufsKlo und Distanz) thematisiert wird, ich habe es euch hier einmal verlinkt.

Beim Anschauen des Videos wurde mir deutlich, dass ich mir vorher nur selten Gedanken darüber gemacht habe, warum die Produkte so teuer sind, obwohl viele junge Mädchen und nicht mehr ganz so junge Frauen sie jeden Monat benötigen. Natürlich gibt es auch kostengünstigere und nachhaltigere Varianten wie die Menstruationstasse oder wiederverwendbare Stoffbinden, aber das muss man wollen.

Fakt ist: Viele Frauen haben ihre Periode. Nicht alle, alle nicht für immer, aber viele über einen langen Zeitraum hinweg. Es ist kein Bonus, den man bei der Entstehung gebucht hat, als man dachte “Achja, Periode, das wäre doch nett.” Es ist auch kein neuer Mantel, kein neuer Haarschnitt oder sonst etwas, was man sich für kurze Zeit zulegt.

Es ist auch kein “Frauenproblem”, denn eine Periode betrifft nicht nur die Person, die sie hat und nicht nur Frauen. Ohne Gebärmutter keine Fortpflanzung der Menschheit, fertig aus.
In dem Video wird Obama zitiert, seiner Meinung nach wären die Steuersätze so hoch, weil das Entscheidungen von Männern waren. Das glaube ich sofort. Viele wollen mit dem “Mädchenkram”, “Weiberkram”, “der roten Tante” nichts zu tun haben, das sei abstoßend, ekelhaft und die Frau in dem Zeitraum auch nicht gerade begehrenswert. Das macht so verständnislos und am liebsten würde man in riesigen Buchstaben in den Himmel schreiben, dass keiner dieser Männer ohne die Gebärmutter seiner Mutter hier wäre. Dass kaum einer von denen Nachwuchs bekommen könnte, wenn die Frau nicht über Jahrzehnte hinweg ihre Periode haben würde.

Jawohl, Jahrzehnte. Für in Deutschland im Schnitt 1-2 Kinder. 1-2 Schwangerschaften, d.h. durchschnittlich 18-20 Monate “in akutem Gebrauch”. Das nehmen Frauen alles hin und laufen Monat für Monat wieder los und kaufen sich Binden und/oder Tampons. Da die Fortpflanzung der Menschheit notwendig ist und die Fortpflanzung nicht ohne den Menstruationszyklus funktioniert, sehe ich die Hygieneartikel dazu ebenfalls als Notwendigkeit an. Man könnte zwar, will aber nicht “einfach laufen lassen”.
Dennoch zählen sie, wie in dem ZEIT-Video deutlich wird, nicht zu den notwendigen Gütern des täglichen Gebrauchs mit niedrigerem Steuersatz von 7%, anders als z.B. Schnittblumen. Dies kann u.a. auch in diesem taz-Artikel nachgelesen werden.
Der günstige Satz gilt beispielsweise auch für Trüffel – und wer weiß schon, wie man ohne Trüffel und Schnittblumen gut durchs Leben kommen soll. Hygieneartikel gelten im Gegenzug als Luxusartikel mit einem Steuersatz von 19% – ich überlasse es jeder Person mit Periode selbst, darüber zu urteilen, ob die Periode zu haben ein Luxus ist.

Es wird angesprochen, dass auch Babynahrung als “Luxusgut” gilt. Das kann ich teilweise nachvollziehen, beispielsweise wenn es um Produkte wie “Quetschies” o.ä. geht, also püriertes Obst in Plastikverpackung. Das braucht man nicht. Man kann auch selbst einen Apfel pürieren. Andere Babynahrung hingegen ist absolut notwendig und daher haben einige Produkte auch berechtigt den niedrigen Steuersatz.
Zu Binden, Tampons, Menstruationstassen usw. gibt es keine einfachere Alternative. Dann geht es nämlich zulasten der Lebensqualität, wenn man sich einen dicken Waschlappen in die Hose legt und es so für alle offensichtlich macht.

Auf Change.org gab es eine Petition dazu, den Steuersatz für Hygieneartikel zu senken, sie war Teil der globalen Bewegung #tampontax. Das ist an sich eine gute Idee, allerdings wird in der Begründung mit dem Gender Pay Gap argumentiert: Frauen verdienen weniger und müssen auch noch für Eigenschaften des biologischen weiblichen Körpers höhere Steuern zahlen. Das stimmt zweifellos, allerdings darf das keine Argumentation sein. Dann könnte man nämlich auf die Idee kommen, dass Frauen ja durch den Wegfall der tampontax doch Vorteile hätten und die Ungerechtigkeit nun nicht mehr so groß wäre.
Lesetipp: Blogartikel auf Pinkstinks zum Thema #Pinktax – warum Frauen mehr Geld für Kosmetik ausgeben sollen. 

Sehr gut war hingegen der Kommentar eines Martins unter dem Facebook-Video: “Natürlich kann man auch Schnittblumen nehmen, ich glaube aber, dass das – wenngleich hübsch – eher unpraktisch ist.”

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