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Wie ein Kitawechsel Entspannung in unseren Familienalltag brachte

Symbolbild: Kind läuft über einen Weg

Es ist fast drei Jahre her, dass ich den großen braunen Umschlag aus dem Briefkasten holte, mein Mann war gerade dabei, unsere Tochter für den Mittagsschlaf hinzulegen. Ich überlegte, ob ich ihn alleine öffnen sollte und entschied mich dafür. Und so las ich, sehr angespannt und auf alles gefasst, dass wir den Platz in unserer Wunschkita bekommen hatten. Ich habe innerlich Luftsprünge gemacht und meinem Mann direkt eine Nachricht ins andere Zimmer geschickt: „Wir haben den Platz!“. Einen Kitaplatz in Potsdam zu finden, stellte sich damals als schwieriges Unterfangen heraus. Einen Platz in einem Montessori-Kindergarten zu bekommen, wäre der Sechser im Lotto gewesen. Und wir hatten ihn tatsächlich ergattert. Es gab nur einen einzigen, klitzekleinen Haken: Die Kita war in einem ganz anderen Stadtteil. Solange ich noch wegen der Uni ohnehin mehrmals die Woche in die Richtung musste, war das nicht weiter problematisch, aber als meine Kurse weniger wurden, insbesondere, als ich mit unserem zweiten Kind schwanger war, wurde es schwieriger. 

Kitawechsel: Warum jetzt?

Wir haben also seit zwei Jahren versucht, eine Wohnung in dem Stadtteil der Kita zu bekommen. Und waren erfolglos. Egal, auf welche Wohnung wir uns gemeldet haben, entweder kam gar keine Antwort oder die Vermietenden waren spätestens dann raus, als sie lasen, dass wir beide noch studieren. Sie waren nicht darauf angewiesen, einer studierenden Familie die Wohnung zu geben. Dazu kam, dass sich die Mieten hier in den letzten zwei Jahren auch stark verändert haben und wir uns sehr viele Wohnungen dort ohnehin nicht mehr hätten leisten können. 

Daher bissen wir in den sauren Apfel und fuhren jeden Tag die Strecke zum Kindergarten. Mit dem Fahrrad brauchte ich für eine Strecke 35 Minuten, mit dem Auto durch den Stadtverkehr für eine Strecke 25 Minuten, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln 45-60 Minuten. Hin und zurück war ich also an Tagen, an denen ich nicht in die Uni musste, mit Hinbringen und Abholen zwei Stunden unterwegs. 10 Stunden die Woche nur für den Weg zur Kita. Genauso viele Stunden arbeiteten wir in unseren Nebenjobs. Das hat nicht nur uns viel Zeit und Nerven gekostet, sondern auch unsere Kinder. Unser Sohn fährt sehr ungerne Auto. Er musste aber mit, wenn die Schwester hingebracht oder abgeholt werden musste und der andere von uns keine Zeit hatte. Auch unserer Tochter wurde es zunehmend nicht mehr gerecht, nach dem Kindergarten eine halbe Stunde lang angeschnallt im Auto zu sitzen. Wir hatten so viele „Pause-Tage“, weil wir uns an stressigen Morgenden die Fahrerei nicht antun wollten. 

Nachdem wir im Sommer dann noch mehr Absagen für Wohnungen im anderen Stadtteil und Absagen für Tagesmütter für unseren Sohn erhalten haben, habe ich daher in einer Kurzschlussreaktion einen anderen Weg versucht: Ich habe beide Kinder in einer Kita in unserer Nähe angemeldet. 10 Minuten für eine Strecke mit dem Fahrrad, 15, wenn unsere Tochter selber fährt. Und wir haben die Plätze bekommen. Wieder ein Sechser im Lotto eigentlich. 

Im November startete unsere Tochter, die Eingewöhnung unseres Sohnes beginnt in vier Wochen. Der Wechsel fiel uns Eltern sehr schwer. Als wir herzogen und keinen Kita-Platz bekamen, war das für uns ein Grund, eventuell wieder wegzuziehen. Zwei Jahre später war der Platz im Montessori-Kindergarten, der wie ein zweites Zuhause für uns wurde, neben unseren guten Freunden hier der Grund, zu bleiben. Wir waren angekommen. Unser Kindergarten war wunderbar. 

Der Alltag entspannte sich schon nach wenigen Wochen

Aber wir haben ziemlich schnell erkannt: Der Kita-Wechsel hat unseren Alltag wirklich merklich entspannt. Ich kann wieder viel mehr Touren übernehmen, weil ich nicht mehr gestresst bin, weil unser Sohn auf dem Rücksitz weint. Das Lastenrad findet er gut. Unsere Tochter fährt fast jeden Tag selbst mit dem Fahrrad und wir kommen „hilf mir, es selbst zu tun“ so viel näher als mit dem Auto. Sie ist durch das Fahren ausgelastet und geht nicht mehr um 23 Uhr ins Bett. Wir belasten die Umwelt weniger, weil wir unser Auto nicht mehr für den Stadtverkehr benutzen und das entspannt unser Gewissen. Wir sind jeden Tag nur noch halb so lange für die Kita-Touren unterwegs und dabei bei jedem Wetter an der frischen Luft, auch wir selbst fahren so mehr Fahrrad. Und unsere Tochter ist glücklich, weil wir sie dadurch jeden Tag eine Stunde früher abholen und nachmittags mehr Zeit miteinander haben können. 

Und das beste: Unsere Tochter fühlt sich im neuen Kindergarten sehr wohl. Es fühlt sich auch für uns sehr gut an, sie tagsüber dort zu lassen. Ich bin gespannt, wie die Eingewöhnung mit unserem Sohn in vier Wochen aussehen wird – und vor allem auf die Zeit danach! 

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