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Wie ein Windelhersteller gleich zwei Mal an einem Tag bei mir versagte

Spät am Abend melde ich mich heute noch einmal zu Wort, da es gerade so viele Emotionen in mir gibt, die ihren Weg suchen. Das liegt zum Einen an dem Film über Unschooling, den ich gerade mit einer Freundin im Kino gesehen habe, zum Anderen aber auch daran, dass ich heute gleich zwei Mal so frustriert und genervt von der Windelmarke Pampers war.

Heute morgen ging ein Artikel durch die sozialen Netzwerke, den ich euch hier einmal verlinkt habe. Es geht darin um das “richtige” Bestrafen von Kindern und die Kombination dieser beiden Wörter macht einfach wütend. Kinder können und sollen nicht “richtig bestraft” werden, das Wort “richtig” gehört nicht zum Wort “bestrafen”.
Mein Kind ist zwar noch recht klein, aber wir versuchen so bedürfnisorientiert wie möglich mit ihr umzugehen. Sie in wenigen Monaten irgendwo auf einen Stuhl zur “Auszeit” zu setzen, nur weil ihr Verhalten uns vielleicht gerade stört, liegt uns unfassbar fern. Wahrscheinlich klingeln da bei vielen in meinem Alter ebenfalls sofort die Alarmglocken und man denkt an RTL-Szenen mit der “stillen Treppe”.

Natürlich hat man leichter reden, wenn das Kind noch klein ist, viele der kleinen Streitigkeiten noch nicht aufgekommen sind und die Zukunft eher eine Vision ist. Aber ein Kind für ein Verhalten zu “bestrafen” halte ich für falsch und glaube nicht, dass das etwas besser macht. Es geht hierbei doch um Kinder. Es geht nicht um einen Teenager, der oder die eine heimliche Hausparty gefeiert hat und deshalb jetzt zwei Wochen nicht feiern kann. Es geht um kleine Menschen, die erst noch lernen müssen, mit Gefühlen umzugehen.
Weh tut auch der Absatz: “Nach Ablauf der Zeit sagen Sie “Jetzt ist es vorbei”, umarmen Sie Ihr Kind und belassen Sie es dabei. Sprechen Sie den Vorfall nicht erneut an.” Konflikte können doch nicht einfach unter den Teppich gekehrt werden, man muss über Probleme sprechen.
Letztens habe ich im Internet folgenden Satz gelesen: “Bevor ein Kind Schwierigkeiten macht, hat es welche” (hier ist natürlich wieder die Frage, welche Schwierigkeiten ein Kind denn “machen” kann und aus welcher Perspektive das gesehen wird). Aber im Grunde trifft es das – Menschen verhalten sich nicht ohne Grund so, wie sie es tun und Kinder agieren bedürfnisgesteuert. Sie halten sich nicht zurück wie Erwachsene und das ist gut so. Wenn es innerfamiliäre Konflikte gibt, die Hilfe erfordern, dann sollte der Rat dafür eher von individuellen Familienhelfer*innen, Therapeut*innen, Begleiter*innen usw. kommen und nicht durch einen Pauschalartikel von einer Windelfirma.
Mir graut es ehrlich gesagt etwas davor, wie viele Menschen den Artikel lesen und die “Methode” unreflektiert anwenden.

Als ich nach einigen Stunden Wut wieder Facebook öffnete, wurde mir dann natürlich ein Video von Pampers vorgeschlagen, in dem gezeigt wird, wie man eine Windeltorte selber macht. Und auch damit hat es die Marketingabteilung geschafft, mich wütend zu machen.
In dem Video stört mich der eingeblendete Satz “Die perfekte Geschenkidee für junge Mütter”. Weil ja Mütter alleine für das Windelnwechseln zuständig sind, ist ja logisch, ist ja erst 2016.
Bitte nicht falsch verstehen: es geht nicht um die Windeltorte selbst – Windeltorten sind wirklich ein tolles und vor allem super brauchbares Geschenk. Aber eben für die ganze Familie 😉
Wenn man sich dann noch durch die anderen Videos zu Windeltorten klickt, wird schnell ein weiteres Rollenklischee deutlich: Windeltorte mit wilden Dschungeltieren für Jungen (“der kleine Junge wird sie auch lieben”) und ein rosa Prinzessinnenschloss für Mädchen (“die junge Mutter wird sich freuen, wenn es an der Zeit ist, ihre Prinzessin zu verwöhnen”). Danach musste ich ausmachen und freue mich auf den internetfreien Sonntag morgen.

Mein Kaufverhalten in Bezug auf die Marke werde ich nun auf jeden Fall überdenken, das ist nicht das, was ich unterstützen möchte und ich bin wirklich schockiert über diesen Artikel über das Bestrafen von Kindern.

1 Kommentare

  1. Anonym sagt

    Naja, so wahnsinnig praktisch sind Windeltorten nicht einmal – wenn man mit Stoff wickelt, hat man genau gar nichts davon. Speziell Windeln der Marke "Pampers" sind zudem noch mit sog. "Pflegeprodukten" auf Erdölbasis versehen, die haben an einem Babypo wohl kaum etwas zu suchen.

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