Baby, Studium mit Kind
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Wie wir Kraft aus perfekt “unperfekten” Tagen schöpfen

Als Mutter wird man gefühlt bei jedem Schritt beobachtet. Manchmal erwischt man sich sogar selbst dabei, wie man andere beobachtet und fühlt sich dann gar nicht mal so gut. Ich zumindest nicht, ich möchte mich nicht mit anderen vergleichen und ich möchte andere Mütter auch nicht aufgrund einer Begegnung im Sekundenbereich beurteilen. 
Aber der ständige Vergleich, der uns in Babykursen oder sozialen Netzwerken begegnet, verleitet einen dazu. Man möchte selbst gut darstehen, man möchte zeigen, dass man es auch “kann”. 
Vor allem als E. klein war, hätte ich im Nachhinein gerne weniger darauf gegeben, ob sie im Café schreit, ob ich irgendwo stillen kann oder ob sie sich schon auf den Bauch drehen kann. 
Aber irgendwann kommt dann der Moment, in dem es einem auffällt, in dem man den natürlichen von dem künstlichen Stress zu unterscheiden lernt und seine Ziele und Idealvorstellungen hinterfragt. Und dann fällt einem auf, dass man nicht immer perfekt sein muss, nicht allen Ansprüchen gerecht werden kann und vor allem nicht die Erwartungen anderer erfüllen sollte. Man darf auch mal mitteilen, wenn etwas nicht perfekt läuft und dann können sich alle “Mom-shamer” (es ist schon so absurd, dass es für das gegenseitige Abwerten von Müttern einen Begriff gibt) gepflegt im Hinterzimmer treffen und den Mund halten. Es kann sogar richtig erholend sein, auch mal nicht “perfekt” zu sein und den Tag so chaotisch anzunehmen, wie er kommt.
Dann kann es durchaus mal passieren, dass wir nachmittags die Höchstgrenze von 20 Minuten Bildschirmzeit pro Tag für Kinder unter 5 Jahren  überschreiten. Dann gucken wir einfach die ganze Folge “Seebär, Leopard und co”, weil wir verdammt nochmal wissen wollen, ob der Waschbär sein neues Gehege annimmt. E. liebt die Sendung sowieso und uns ist es 100 Mal lieber als Zeichentrick.
Es kann dann auch mal sein, dass es zwei Gläser stark verdünnten Apfelsaft gibt statt eines und – oh mein Gott – eine Fruchtschnitte statt selbst geschnittener Bio-Äpfel. Die kann man am nächsten Tag auch noch essen.
Heute war bei uns mal wieder so ein Tag, an dem eine*r von uns krank ist, E. einen Eckzahn bekommt und ebenfalls erste Erkältungszeichen zeigt und an dem die Luft einfach raus war. Wir hätten uns den ganzen Tag stressen können. Wir hätten uns ärgern können, als das zweite Glas mit Apfelsaft über den Küchenfußboden verteilt wurde oder als E. die selbstgekochte Bio-Kürbissuppe von gestern nicht mehr essen wollte. Aber wir haben es stattdessen lieber als Übung gesehen, das Kochen für heute aufgegeben und in Jogginghose Tiefkühlpizza gekauft, die es dann bei Kerzenschein zum Abendbrot gab. Und sie war ausnahmsweise nichtmal bio.
Manchmal hat man eben einfach Tage, an denen auch der beste Plan nicht funktioniert, an denen man (um im Bild zu bleiben) keine Fotos auf Instagram hochladen kann, weil die Wolle-Seide-Bodys gerade alle in der Wäsche sind und an denen die Kinder die Holzspielzeuge überhaupt nicht beachten. Gibt es, ist kein Grund zum Verzweifeln. 
Man muss lernen – und ich weiß wie schwierig das ist – dass “unperfekte” Tage eine wahnsinnige Bereicherung sein können, man dadurch nicht “versagt” und dass das Kind nicht umfällt, wenn es mal kein gedünstetes, regionales und saisonales Gemüse gibt. Es muss bloß die besondere Ausnahme bleiben, über die man sich dann besonders freut und bei der man sich auch glatt wieder ein bisschen studentischer fühlt.
Und wenn meine Tochter nach solchen Tagen vor mir steht und auf und ab springt, vor Freude mit den Armen wedelt und “Piiizzzaaaaa!” ruft, dann kann die Ausnahme auch gar nicht so wahnsinnig verkehrt sein.

Ich wünsche euch in dem Sinne ein gemütliches, entspanntes, bedürfnisorientiertes Wochenende!

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