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Wir haben erst spät mit Stoffwindeln angefangen – warum?

Die erste Stoffwindel in diesem Haushalt

Auf gar keinen Fall wollten wir E. mit Stoffwindeln wickeln. Also wirklich auf gar keinen Fall. Schon vor der Geburt waren wir uns einig, dass wir die praktischen Wegwerfwindeln benutzen würden, auch wenn wir das mit unserem ökologischen Bewusstsein erst ausdiskutieren mussten. Jetzt wickeln wir mehrfach am Tag mit Stoffwindeln – wie uns das passieren konnte, lest ihr hier:

Warum wir so lange nicht mit Stoffwindeln gewickelt haben

Die Waschsituation und der Respekt vor dem Stuhlgang

Nach der Geburt zeigte sich schnell, dass es für den Moment die absolut richtige Entscheidung war, nicht mit Stoffwindeln zu wickeln – wer sich schon einmal mit dem Stuhlgang von Neugeborenen auseinandergesetzt hat, wird sicher wissen, warum. Wer schon einmal mit Kind ohne Waschmaschine in der eigenen Wohnung gelebt hat, sowieso. Unsere Wohnung war nicht groß genug für eine Waschmaschine und wo sie gepasst hätte, gab es keinen Anschluss. Wir haben unsere Wäsche also an verschiedenen Orten gewaschen – in den Gemeinschaftswaschmaschinen auf dem Dachboden, die teuer und dafür oft kaputt waren, im Waschsalon um die Ecke mit extra Duft oder bei Verwandten, wenn wir mal zu Besuch waren und mit den IKEA-Tüten ins Haus fielen. Das letzte, was wir da noch an zusätzlicher Wäsche lagern wollten, waren Windeln mit Stuhlgangresten.

Das ökologische Bewusstsein

Zudem hat sich auch unser ökologisches Bewusstsein weiterentwickelt. Es ist ja nicht so, dass Stoffwindeln einfach entstehen und sich dann von alleine reinigen. Sowohl bei der Herstellung, als auch bei der Reinigung wird viel Wasser benötigt und auch dort entsteht Abfall. Ich glaube, dass sich die Vor- und Nachteile im ökologischen Sinne sogar einigermaßen ausgleichen. Es bleibt dennoch ein anderes Gefühl, ob ich eine Windel nach wenigen Stunden Benutzung wegschmeiße, oder ob ich sie wasche und wiederverwende.

Das unübersichtliche Angebot

Es gibt gefühlt 83743764 verschiedene Arten, mit Stoffwindeln zu wickeln – so viele Herstellerfirmen, Windelsysteme, Überhosen haben uns einfach überfordert. Wir wussten gar nicht, was man da am besten kaufen sollte, welches Zubehör (besonderes Waschmittel, Einlagen aus besonders saugfähigem Material) wir benötigen würden und wie wir uns überhaupt je für eine bestimmte Firma entscheiden sollten. So haben wir lieber gar nichts gekauft.

Die hohen Anschaffungskosten

Stoffwindeln kosten viel Geld. Wegwerfwindeln auch, aber es fällt einem nicht auf. Es ist wesentlich leichter in die Haushaltskasse zu integrieren, einmal die Woche eine Packung Windeln zu kaufen, als sich für mehrere Hundert Euro ein Stoffwindelset zuzulegen. Natürlich rechnet sich das auf lange Zeit, denn während man die einen wegwirft, kann man die anderen für das nächste Kind oder Kleinanzeigen aufheben. Das weiß das mathematische Verständnis, aber es sieht erstmal die Gesamtsumme des Einkaufs. Gerade mit einem Studierendenbudget ist nicht leicht, mal eben so ein Starterset zu kaufen – vor allem, wenn man sich nicht sicher sein kann, dass es auch wirklich zu einem selbst passt.

Wir waren viel unterwegs

Wir waren mit E. schon immer mal unterwegs. Das konnten Wochenenden bei unseren Eltern sein, aber genauso eben auch Vorlesungen, Seminare oder mein Nebenjob – überall war sie mal dabei. Da waren Wegwerfwindeln für uns wesentlich praktischer, ich wollte nicht in der Vorlesung mittelmäßig gut riechende Windeln in meiner Tasche aufbewahren.

Warum wir doch nie ganz von dem Stoffwindelgedanken losgekommen sind

Wir wollten wissen, wie es ist

Wir wollten nicht mit Stoffwindeln wickeln, aber es hat uns immer auch irgendwie gereizt, überhaupt mal selber auszuprobieren, wie es denn tatsächlich ist, mit Stoffwindeln zu wickeln. Es machen so viele, es muss ja irgendwie toll sein. Wir wollten wissen, ob es wirklich “so eklig” ist und wie der Waschaufwand zu meistern wäre. Es ist nicht so eklig.

Plastikfrei am Popo

Für mich war der wichtigste Gedanke eigentlich die ganze Zeit “Kein Plastik am Kinderpo”. Ich tue mir schwer damit, einen Babypo den ganzen Tag in eine sauerstoffarme Region zu verwandeln. Die Windeln sind alle bearbeitet, bedruckt, mit Klebestreifen versehen – ich selber würde mir das nicht jeden Tag anziehen. Warum also mache ich es bei meinem Kind, das eigentlich gerade erst ein Körpergefühl entwickelt? Warum kann ich ihr nicht eine Art “dicke, wasserdichte Unterhose” anziehen?
Hier kommt es für mich auch eigentlich zum springenden Punkt in der Diskussion: Stoffwindeln sind nicht gleich Stoffwindeln. Wie ihr gleich sehen werdet, haben wir uns größtenteils für altbekannte Produkte entschieden: Einlagen aus Baumwolle und Wollüberhosen statt modischer PUL-Hosen.
Es gibt sehr viele, teilweise auch sehr schicke “Stoffwindeln”, die bei genauerer Betrachtung eigentlich daraus bestehen, dass man zwar eine Baumwolleinlage (teilweise auch mit Plastikanteil) am Kinderpo hat, darüber aber eine Überhose zieht. Dieses PUL, aus dem die meisten Überhosen sind, hat für mich nur wenig mit Stoffwindeln zu tun, da ich den Punkt der Atmungsfähigkeit nicht so erkennen kann – es ist quasi laminiertes Plastik. Wieder etwas, was ich mir selbst nicht jeden Tag anziehen würde, schon gar nicht im Intimbereich.
Im Sommer kann das Kind ja auch mal ohne Windel herumlaufen, aber das ist jetzt im Herbst schon schwieriger.

Unser Stoffwindel-Online-Shopping

In einen Laden zu gehen und Stoffwindeln auszusuchen, kam für mich irgendwie nicht in Frage. Es gibt zwar mittlerweile sogar Stoffwindelberater*innen, die einem verschiedene Produkte zeigen und mit der eigenen Waschsituation verbinden können, aber so viel Geld war in unserem Budget nicht übrig. Also habe ich mich selbst einige Stunden hinter den Bildschirm verfrachtet.
Nach großen und unübersichtlichen Online-Shops, die zwar eine schöne Auswahl haben, mir aber letztendlich keine Entscheidungshilfe sein konnten, bin ich mehr durch Zufall als durch Plan bei Fratzhosen gelandet. Das ist auch ein Online-Shop, aber vielmehr eine Stoffwindel-Information und ein One-Woman-Betrieb.
Für diese Seite muss ich einfach Werbung machen, weil sie unter anderem mit dem “Entscheidungsbaum” so weitergeholfen hat. Wer langsam glaubt, ich habe zu lange am Räucherstäbchen geschnüffelt, kann sich einfach mal vor Augen halten, über was für einen finanziellen Rahmen man hier spricht. Ca. 4000 Windeln benötigt man wohl für ein Kleinkind. Eine Windel einer einigermaßen repräsentativen und leicht erhältlichen Marke kostet zwischen 20 und 30 Cent. Wenn es also bei 4000 Windeln bleibt, bewegen wir uns zwischen 800-1200€. Bio kann teurer sein. Ein Rundum-Sorglos-Starterset für Stoffwindeln kostet zwischen 300-800€ (plus natürlich Waschkosten). Da kann so ein Entscheidungsbaum schon hilfreich sein.

Der Entscheidungsbaum hat uns zu Höschenwindeln geführt und als ich mich danach durch den Shop geklickt habe, wurde mir noch stärker klar, worauf man noch so alles achten kann. Auf Fratzhosen gibt es zu jedem Produkt eine gute und vor allem ehrliche Erklärung. Auch wenn Produkte nicht im Shop, aber für einen wohl die bessere Alternative sind, werden sie erwähnt. Zudem findet man zu allen Produkten die genauen Zusammensetzungen übersichtlich erklärt – was für mich, die ja auf Polyester verzichten möchte, total super ist.

Innerhalb einer Woche war unser Paket da – eine hu-da Höschenwindel samt Einlage und zum Vergleich disana-Strickwindeln (ganz klassisch!), eine totsbots-Höschenwindel und eine Wollüberhose. Auch Zubehör wie Windelvlies, Wollkur und eine Windelklammer waren mit dabei.

Seitdem sind die Windeln immer wieder im Gebrauch – wir versuchen, uns schrittweise heranzutasten und erstmal eine Windel pro Tag durch Stoff zu ersetzen. Wie die verschiedenen Windeln im Praxistest abschneiden, werde ich im Laufe der Woche veröffentlichen!

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